Remscheid - Im Wohnzimmer der Jugendlichen unterwegs

Streetworker Marcel Gratza : Im Wohnzimmer der Jugendlichen unterwegs

Marcel Gratza arbeitet als Streeworker der Stadt. Er ist Ansprechpartner und gibt Hilfestellung bei der Freizeitgestaltung.

Der Eingang zum Allee-Center gehört zu den zahlreichen Arbeitsplätzen von Marcel Gratza. Wo Jugendliche sich aufhalten, da trifft man von Zeit zu Zeit den 37-Jährigen an. Seit dem ersten Januar arbeitet er daran, in der Jugendszene ein vertrautes Gesicht zu werden. Gratza ist Streetworker. Die öffentlichen Treffpunkte der Mädchen und Jungen bezeichnet er als „Wohnzimmer der Jugendlichen“. Dort erhält er nur Zutritt, wenn er willkommen ist.

Der gelernte Erzieher und studierte Sozialarbeiter ist Angestellter der Stadt. Seine Aufgabe ist es aber nicht, in der Jugendszene nach dem Rechten zu schauen. Oder gar für Ordnung zu sorgen, wenn einige Verhaltensweisen mal wieder die Grenzen des bürgerlichen Geschmacks überschritten haben. „Ich möchte zu den Jugendlichen eine Beziehung aufbauen und mich als Gesprächspartner anbieten“, sagt Gratza.

Er hat ein offenes Ohr für alle Themen. Krach mit den Eltern, Liebeskummer, Probleme mit Drogen und Alkohol, Ausbildungsplatzsuche, Stress in der Schule und vieles mehr. Die Pose des Bescheidwissers zählt nicht zu seinem Rollenrepertoire als Sozialarbeiter. Er versteht sich als Vermittler von Hilfen. Und das unter einer unumstößlichen Bedingungen: nur wenn es die Jugendlichen auch wünschen.

Der Typ ist echt gut, mit dem kannst du reden – wenn diese Beschreibung von Gratza in der Szene die Runde macht, wenn die Gruppe ihm nicht den Rücken zukehrt, wenn er auftaucht, dann hat Gratza das erreicht, was das Fundament der Arbeit eines Streetworkers ausmacht: Er hat Vertrauen gewonnen. Ohne das geht es nicht.

Es geht bei seiner Arbeit nicht nur um Hilfen, um Problemfälle, um die Gruppen von Benachteiligten. Das verengt das Bild vom Streetworker. Die zweite Säule seines Engagements besteht darin, die Schülerinnen und Schüler, die irgendwo rumhängen, dazu zu ermuntern, ihre Freizeit nach ihren Wünschen zu gestalten. „Das Chillen und Rumhängen ist absolut kein Problem“ sagt Gratza. Damit Jugendliche sich als Teil der Gesellschaft fühlen, sollen sie die Chance bekommen, am öffentlichen Leben mitzuwirken. Soziologen nennen das Partizipation oder auch „Schule der Demokratie“.

Bevor Gratza die Aufgabe als Streetworker übernommen hat, arbeitete er als Bereichsleiter „Offene Jugendarbeit“ in der Gelben Villa. Mit den unterschiedlichen Playern der Stadt im Jugendsozialbereich pflegt er vertraute Arbeitsbeziehungen. Schnell kann er Kontakte herstellen und Kooperationspartner für Projekte an Land ziehen.

Das Festival RS United gehört zu den Veranstaltungen, die auf Wunsch von Remscheider Jugendlichen ins Leben gerufen wurden. Sie gestalten es nach ihren Vorstellungen und erfahren vielseitige Unterstützung. Auch die Gestaltung des neuen Spielplatzes am Henkelshof gehört zu dem Kapitel „Partizipation“. In einer Werkstatt haben Kinder und Jugendliche Pläne entworfen und ihre Vorlieben artikuliert. Solche Projekte sind kein Wunschkonzert. Wo soll das Geld herkommen? Was muss beachtet werden an Vorschriften? All das fließt mit ein und schafft eine Identifikation der Jugendlichen mit ihrer Heimatstadt. Auch an dieser „Heimatfront“ arbeitet der Streetworker.

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