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Remscheid: Im Real gehen die Lichter aus

Remscheider Innenstadt : Im Real gehen die Lichter aus

Der Real-Supermarkt im Allee-Center schließt am 31. Oktober. Die Gespräche mit potenziellen Nachfolgern laufen. Es wird allerdings noch eine ganze Zeit vergehen, bis die neuen Geschäfte im Untergeschoss eröffnen werden.

Viele Regale sind abgebaut, teilweise bereits zum Abtransport verpackt. Die, die noch stehen, sind leer oder nur noch spärlich befüllt. Die Käsetheke ist verwaist, einige Kühltruhen bereits ausgeschaltet. Die Waren werden immer weniger, der Platz nimmt dafür zu. Der Real-Markt im Allee-Center gibt in diesen Tagen ein tristes Bild ab. Am übernächsten Samstag, 31. Oktober, öffnet er zum letzten Mal.

Damit endet eine Ära im Untergeschoss des Einkaufszentrums. Seit dessen Eröffnung 1986 ist dort ein Supermarkt untergebracht. Zunächst lief das Geschäft unter der Flagge von Allkauf, Ende der 1990er-Jahre übernahm Real. Die zum Handelskonzern Metro zählende Kette kündigte im Dezember vergangenen Jahres an, das Allee-Center zu verlassen. Der am
31. Dezember 2020 auslaufende Mietvertrag werde nicht verlängert. Ursachen seien die „schwierige wirtschaftliche Lage“ sowie die fehlende Entwicklungsperspektive des Standortes, hieß es seinerzeit.

Real-Pressesprecher Frank Grüneisen zufolge sind im Remscheider Markt derzeit noch 83 Personen beschäftigt. Sie sitzen an der Kasse und ziehen die Waren vor, die noch vorzuziehen sind. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“, sagt eine Mitarbeiterin. Die Ankündigung der Schließung sei im vergangenen Jahr das „Weihnachtsgeschenk“ der Beschäftigten gewesen, sagt sie ironisch. Nun steht für viele wieder ein Fest voller Ungewissheit ins Haus.

Mehr als 25 Jahre habe ihr täglicher Arbeitsweg ins Untergeschoss des Allee-Centers geführt, erzählt die Frau sichtlich emotional angefasst. Viele ihrer Kollegen seien ebenfalls schon lange dabei, teils seit 1986. „Wir kennen viele Kunden mit Namen.“ Dieses Kapitel nun schließen zu müssen, fällt schwer.

Hinzu kommen wirtschaftliche Sorgen. Auf Nachfrage erklärt Real, es sei „mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern ein Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt“ worden. Auch habe es Angebote zur Weiterbeschäftigung an anderen Standorten gegeben. Doch die Auswahl ist begrenzt. Viele Märkte gibt es in der Region nicht, einige haben ihrerseits keine oder eine offene Zukunft.

Viele Beschäftigte suchen in der Umgebung nach einer Anstellung. „Ich bin 60 Jahre alt, muss noch sechs Jahre arbeiten“, sagt die Mitarbeiterin. Bislang erhielt sie nur Absagen, Corona erschwert die Suche. Auch an der Kasse unterhalten sich Mitarbeiter über ihren weiteren Weg. Ausgang ungewiss. Manche Kollegen hatten dagegen schon mehr Glück.

Nelson Vlijt ist in der aktuellen Lage besonders wichtig, an die Real-Belegschaft zu denken. Vor einigen Tagen habe sich das Center für die zurückliegenden 34 Jahre bedankt. Der Center-Manager weiß aber auch, dass die Frage nach der Zukunft der mehr als 5000 Quadratmeter großen Fläche im Untergeschoss drängt. Wer dort einzieht, verrät er noch nicht.

Klar ist bislang, dass es nach dem Vertragsende von Real am 31. Dezember dieses Jahres zunächst einer Modernisierung der Fläche bedarf, unter anderem in Sachen Lüftung, Kühlung und Brandschutz. Außerdem planen die Verantwortlichen einen neuen Zuschnitt des Areals in kleinere Teile. Für deren Vermietung befinde man sich mit zwei, drei Firmen „tief im Thema“. Der Fokus liegt weiterhin auf Lebensmittelunternehmen. Die Tendenz geht zur Kombination mehrerer Anbieter: „Das ist inzwischen gängig, um ein möglichst breites Sortiment anbieten zu können.“ Bei der Frage, mit wem genau verhandelt wird, hält sich Vlijt bedeckt: „Wir werden Fakten schaffen, wenn welche da sind.“ Wichtig sei, dass das Allee-Center seine Rolle als Nahversorger weiterhin erfüllt.

Fest steht, dass noch eine ganze Zeit vergehen wird, bis die neuen Geschäfte im Untergeschoss eröffnen. „Es wird vorher eine Bauphase geben“, betont Nelson Vlijt. Wie lange die dauert, sei offen. Wenn die Tinte mit den Mietern trocken ist, wolle man sich an die Öffentlichkeit wenden. Das Signal: „Wir investieren ins Allee-Center.“