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Remscheid: Im digitalen Klassenzimmer

Unterricht in Remscheid : Im digitalen Klassenzimmer

Kunst- und Musiklehrer unterrichten ihre Schüler im Internet. Per Videochat wird musiziert, gemalt und getanzt.

Die Wohnung von Simone Stöttner hat sich in ein digitales Klassenzimmer verwandelt: Die Klarinetten- und Saxofonlehrerin unterrichtet ihre Musikschüler der Musik- und Kunstschule Remscheid (MKS) in Coronazeiten in ihren eigenen vier Wänden. Nur, dass die Schüler dafür nicht zu ihr fahren müssen. Schließlich herrscht Kontaktverbot.

Vielmehr setzen sich die Schüler in ihr Zimmer daheim und schalten das Smartphone oder das Tablet ein. Denn der Musikunterricht kommt nun digital daher: per Einzel-Videochat oder sogar in Gruppenkonferenzen. Simone Stöttner spielt auf der Klarinette in ihrem Wohnzimmer vor, der Schüler spielt es in seinem Zimmer nach.

„Das funktioniert sehr gut –und es macht beiden Seiten Spaß“, sagt MKS-Leiter Stefan Steinröhder: „Unsere Musiklehrer sind da sehr engagiert.“ Die MKS beschäftigt Lehr- und Honorarkräfte. 60 sind es an der Zahl. Der Internet-Unterricht sei daher zurzeit der richtige Weg, um die Lehrkräfte zu beschäftigen, sagt Steinröhder. Denn die Entgeltordnung sehe erst eine Erstattung nach vier Wochen vor. Das Positive: Fast kein Kurs fällt aus, auch nicht im Kunstbereich. Tanzlehrerin Beate Morvai habe sogar Tanzkurse über das Chatprogramm „Zoom“ gegeben. „Wir wollten den Schülern auch in diesen Zeiten etwas zukommen lassen. Die Rückmeldungen sind sehr positiv“, sagt Steinröhder.

Auch wenn es Unterricht mit Abstrichen sei, könne das Angebot und vor allem der Austausch aufrechterhalten werden. Denn Musikschulen erfüllen auch einen sozialen Zweck. „Ich habe das selbst mit meiner Geigenschülerin getestet. Es ist schön, sich zumindest digital zu sehen“, sagt der MKS-Leiter. Musiklehrer und Musikschüler hätten eine enge Bindung.

Auch die Schule für Musik, Tanz & Theater in Lennep lässt sich vom Coronavirus nicht unterkriegen und macht weiter. „In diesen schwierigen Zeiten macht die Not erfinderisch. Und es eröffnen sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten, die nun kreativ genutzt werden können“, sagt der Geschäftsführer der Musikschule, David Schmidt. Mittlerweile habe man eine Online-Musikschule eingerichtet. Hier werden in regelmäßigen Abständen Videos der Fachlehrer gestreamt. „Sie können angeschaut und natürlich auch am eigenen Instrument geübt werden.“ Die MKS geht sogar noch einen Schritt weiter: Auf ihrer Internetseite, auf Facebook, Instagram und Youtube gibt es ab sofort zahlreiche Kreativangebote für jeden – kostenlos. Die MKS-Lehrer erstellen beinahe täglich neue Videos. „Wir wollten den Menschen etwas Schönes in die Häuser bringen“, sagt Stefan Steinröhder. Mit Erfolg: „Die Klickzahlen gehen durch die Decke.“

Kim Preyer zeigt zum Beispiel, wie man einen alten Holztisch schleift. Künstlerin Eva Zimmerbeutel erklärt das richtige Schraffieren beim Zeichnen. Unter dem Motto „Wir lesen viral“ stellt zudem jede Woche ein Remscheider ein Buch vor – Björn Lenz vom WTT präsentiert in der Auftakt-Ausgabe „Der dunkle Turm“ von Stephen King. Und Hakan Eren erklärt, wie seine Ballonfiguren entstehen. „Er hat seinen Schülern sogar kleine Pakete mit Ballons und Luftpumpen geschickt“, erzählt Steinröhder. Für die Allerkleinsten gibt es ab sofort jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte mit Bildertheater, Musik und Gesang – live auf Facebook. Bis 19. April ist die MKS wegen des Coronavirus geschlossen. Wie es danach weitergeht, ist offen. „Wenn wir danach noch nicht öffnen können, lassen wir uns wieder etwas Neues einfallen“, bleibt der MKS-Chef positiv. Schließlich seien Musiker und Künstler von Hause aus kreativ.