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Remscheid: Hunde helfen Sana-Patienten

Betreuung in Remscheid : Hunde helfen Sana-Patienten

Australian Shepherd Hermine und Border Collie Jerry Lee sind einmal in der Woche in der Demenz-Tagespflege „Dröppelminna“ zu Besuch. Sie sorgen bei stationären Patienten für eine willkommene Abwechslung.

Vorsichtig steckt Jerry Lee seine Nase in den fransigen Schnüffelteppich auf Ruth Roses Schoß. Der vierjährige Border Collie ist auf der Suche nach den Leckerchen, die die 81-Jährige dort versteckt hat. Der Teppich scheint leer, die Hündin kehrt zu ihrem Frauchen Silke Bergmann zurück. Von der Expertin für Tiergestützte Therapie gibt es ein Lob, von Ruth Rose Applaus. „Was bist du für ein Süßer“, sagt die Patientin des Sana-Klinikums.

Einmal wöchentlich sind Jerry Lee und das einjährige Australian-Shepherd-Weibchen Hermine in der „Dröppelmina“ im Sana zu Gast. Ihr Besuch ist ein Programmpunkt in der Demenz-Tagesbetreuung für stationäre Patienten. „Es war seit Beginn der ‚Dröppelminna‘ die Idee, Tiere in das Angebot einzubinden“, sagt Sana-Pressesprecher Stefan Mülders.

Silke Bergmann ist an der Burger Straße keine Unbekannte. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet in der dortigen Kinder- und Jugendpsychiatrie, bringt zudem jeden Mittwoch ihre ausgebildeten Therapie- und Begleithunde für Einzel- und Gruppenmaßnahmen mit. Nun sollen auch ältere Patienten von der Zusammenarbeit mit den Vierbeinern profitieren.

„Die positive Wirkung auf die Senioren unterscheidet sich kaum von der auf Kinder“, sagt Bergmann. Ihre Erfahrung zeigt, dass das „Medium Tier für manche Patienten mehr bringe als so manche Therapie“. So fehle vielen älteren Menschen körperliche Nähe – die Hunde lassen sich gerne streicheln. Ein wichtiger Aspekt – insbesondere für Menschen mit Demenz, wie „Dröppelminna“-Betreuerin Sabine Karthaus-Lüdorf verrät: „Demente Patienten reagieren häufig stark über das Gefühl. Wenn die Hunde Pfötchen geben, bedeutet ihnen das viel.“ Gleichzeitig ist die tierische Stunde in der „Dröppelminna“ nicht nur für die Vierbeiner fordernd. So müssen die Patienten etwa den Beutel mit den Leckerchen öffnen – für Menschen mit Arthrose durchaus eine Herausforderung – oder leichte Gedächtnis- oder Rechenaufgaben lösen. „Ich beobachte, dass die Patienten der Umgang mit den Hunden motiviert“, sagt Bergmann.

„Unser Ziel ist es, Patienten mit Aktionen wie dem Hundebesuch zu aktivieren“, sagt Sabine Karthaus-Lüdorf. Das gelte nicht nur für Menschen mit Demenz, wenngleich sich das Angebot der Tagesbetreuung vorrangig an diese Gruppe richtet. „Wenn die Hunde vorbeikommen, schauen wir mit den Stationen, für welchen älteren Patienten die Aktion etwas Abwechslung sein könnte“, erklärt Karthaus-Lüdorf. So ist etwa Ruth Rose Anfang dieser Woche auf das Angebot gestoßen.

Das Zimmer der „Dröppelminna“ ist mit Möbeln ausgestattet, die an die Vergangenheit erinnern. Das soll den Patienten die Eingewöhnung erleichtern. In dieser Umgebung wird gespielt, gemalt oder einfach geredet. Auch für bettlägerige Patienten gibt es Angebote: „Die besuchen wir in ihren Zimmern“, sagt Karthaus-Lüdorf. Jerry Lee und Hermine haben in dieser Woche zum ersten Mal in der „Dröppelminna“ gezeigt, was sie gelernt haben. Sie lösen Therapiehund Mikk ab, der Anfang des Jahres im Sana gestartet war, aus Zeitgründen aber nicht mehr zur Verfügung steht.

In Ruth Roses Augen haben Silke Bergmann Sprösslinge ihre Feuerprobe bestanden: „Das war schön. Ich habe gar nicht gewusst, dass es hier so ein Angebot gibt“, sagt die 81-Jährige. Sie selbst hatte früher einen Schäferhund, hat ein großes Herz für Tiere. „Diese Stunde mit den Hunden war viel besser, als einfach im Bett zu liegen. Und ich habe sogar meine Schmerzen vergessen.“