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Remscheid: Hanf-gemachte Pop-Songs mit Anspruch in der Klosterkirche

Konzert in Remscheid : Hanf-gemachte Pop-Songs mit Anspruch

Oliver Hanf war diesmal nicht mit der Jim Rockford Band und der Soul Shake Party zu Gast in der Lenneper Klosterkirche. Doch auch mit seinen eigenen Songs sorgte er für ausgelassene Stimmung.

„Ich sing ein bisschen und erzähle dazwischen Geschichten, okay?“ So lautete die – natürlich rhetorische – Frage, mit der Sänger und Gitarrist Oliver Hanf gleich zu Beginn des Abends die Marschrichtung für die folgenden rund zwei Stunden vorgab. Das Jim-Rockford-Band-Urgestein hatte am Donnerstagabend in der Klosterkirche indes nur eigene Songs seiner beiden Alben „10 Songs“ und „Hanfarbeit“ im Gepäck. Doch die funktionierten in der Schnittmenge aus Pop, einem bisschen Rock und eingängigen Melodien, die noch dazu mit viel Herzblut und Leidenschaft gespielt wurden, richtig gut. Kein Grund zur Nervosität, eigentlich jedenfalls. Denn Hanf gestand gleich nach dem Jubel nach dem ersten Song: „Ich war ja schon ein bisschen nervös. Sonst singe ich auf Englisch, da versteht ja keiner was.“

Das war tatsächlich anders. Denn bei Songs wie „Tausend Tage“ verstand man beinahe jedes Wort – wenn Hanf nicht zu sehr nuschelte. Was aber auch nicht weiter schlimm war. Denn das hatte durchaus Niveau, was er da so in Worte gefasst hatte. „Beim nächsten Song geht es um Glück, glaub ich. Davon hatten wir letztes Jahr nicht so viel, können wir alle brauchen, oder?“ So lautete eine ebenso schnoddrig vorgebrachte wie sympathische Ansage. Was folgte, war ein echtes Gute-Laune-Stück, in flottem Tempo vorgetragen, so ansteckend, dass schon im ausufernden Schlussakkord laut gejubelt, geklatscht und gepfiffen wurde. Gerade so, als wäre es die letzte Zugabe nach einem schweißtreibenden Rock-Konzert voller Hits. Und nicht die angekündigte Akustik-Pop-Session, mit den coronabedingten Zweiertischen mit Abstand.

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Akustik-Pop – das war es nur insofern, als Hanf eine akustische Gitarre spielte. Der Rest war indes die klassische Bandbesetzung mit E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Keyboard. Dazu kam dann noch Gianni Bello am Saxophon, der für die entsprechend flauschige Atmosphäre sorgte, wenn er nicht gerade sein Akkordeon auspackte und die noch etwas speziellere Begleitung bot. „Halte fest, was für dich wichtig ist“, hieß eine Textzeile eines Songs über Corona. Es seien schwierige und komische Zeiten, über die zu schreiben indes nötig sei. „Denn Leute sind komisch geworden, oder?“ Zumindest die in den sozialen Netzwerken, wie Hanf ergänzte.

Besser war es da doch, die sozialen Medien beiseite zu lassen, und ganz im analogen sogenannten wirklichen Leben einen guten Abend zu haben. Und in Erinnerungen zu schwelgen. „Das kennt ihr doch alle auch, oder? Wenn man mit jemanden in der Jugend lange Zeit verbringt und jede Menge Scheiße baut. Und dann verliert man sich aus den Augen und trifft sich irgendwann – und alles ist wie früher.“ Dass zu diesen Erinnerungen dann mit „Lang her“ ein waschechter Country-Song nebst „Oh, oh, yeah, yeah“-Mitsingpart gespielt wurde, war irgendwie stimmig, wenn man sich noch Hanfs Kommentar dazu vergegenwärtigte: „Weil wir damals soviel über die grüne Wiese getobt haben, ist jetzt das dabei herausgekommen . . .“

Wir leben ja fraglos in komischen Zeiten – und von Angst und Sorge geprägten obendrein. Da tat es dann doch besser als vorher erwartet, so eine stattliche Riege an Gute-Laune-Songs zu hören, die direkt in die Beine gingen und mit ihrer positiven Energie richtig ansteckend wirkten. Und auch die bisweilen etwas albernen, aber doch immer sympathischen und selbstironischen Ansagen taten das Ihrige dazu. Diese hanf-gemachte Pop-Musik war eine insgesamt schöne – und wertvolle – Auszeit von der Realität.