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Remscheid: Hammerfest bei Traumwetter​

Viele Besucher am Steffenshammer in Remscheid : Ein Hammerfest bei Traumwetter

Am Samstagnachmittag wurde am Steffenshammer nach zweieinhalb Jahren Corona-Zwangspause endlich wieder gemeinsam gefeiert. Der Besucherandrang in der historischen Schmiede im Gelpetal war groß.

Schon von weitem ist das Hämmern zu hören. Da am Samstagnachmittag nur wenige Autos auf der Morsbachtalstraße unterwegs sind, wechselt sich das Hämmern mit dem Gesang der Vögel ab – eine irgendwie friedliche und ruhige Atmosphäre. Die dann aber schlagartig ins Festliche umschlägt, sobald man das Gelände der historischen Schmiede am Steffenshammer betritt. Denn dort herrscht beim Hammerfest reges Treiben, viele Besucher sind gekommen. Die Freude, wieder gemeinsam feiern zu können, ist geradezu spürbar. Lange konnten im Steffenshammer keine Veranstaltungen stattfinden. „Es ist in diesem Jahr unsere zweite Veranstaltung, im April hat unser traditionelles Anschmieden stattgefunden – und jetzt das erste Hammerfest seit 2019“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Lutz Kleuser.

Er wirkt zufrieden, auch wenn zweieinhalb schwierige Jahre hinter dem Verein liegen. „Auf der einen Seite war da die Pandemie. Wobei das natürlich für uns vor allem eines bedeutete: keine Veranstaltungen“, sagt Kleuser. Das sei aber zu verschmerzen gewesen, da der Steffenshammer ja kein gewinnorientiertes Unternehmen sei, sondern ein ehrenamtlich betriebener Ort der Industriekulturpflege. „Was allerdings ein echter Schlag ins Kontor gewesen ist, ist die Hochwasserkatastrophe vom Juli vergangenen Jahres“, sagt Kleuser und deutet auf ein rostiges Hufeisen, das etwa auf zwei Meter Höhe an der Holzwand zum Eingang zur Schmiede hängt. „Bis dahin stand das Wasser – die ganze Schmiede war unter Wasser. Und auch oben in unserer Hütte, in der unsere Theke und die Kühlschränke stehen, stand das Wasser etwa 80 Zentimeter hoch.“

 Großer Andrang herrschte am Samstag beim Hammerfest.
Großer Andrang herrschte am Samstag beim Hammerfest. Foto: Jürgen Moll
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Das am Samstag tatsächlich das Hammerfest – natürlich wieder mit Teilnahme und Schauschmieden des niederländischen Schmieds Huub Sensen, der seit vielen Jahren beim Hammerfest dabei ist – stattfinden kann, ist dem Zusammenhalt unter den Mitgliedern des Fördervereins zu verdanken. Denn nach der Flut sei es ans Aufräumen gegangen – und da legten alle Hand an. „Es war ein Haufen Arbeit – und wir sind immer noch nicht fertig. Aber durch unsere tolle Gemeinschaft und die aktiven Mitglieder läuft es richtig gut“, sagt Kleuser.

Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Stadt und der Remscheider Fluthilfe, seien die Reparaturen erst möglich geworden. Eine weitere Zutat ist indes unbezahlbar – Zeit. Kleuser: „Wir nehmen uns einfach die Zeit, die wir brauchen, um alles wieder auf Vordermann zu bringen.“

Und so habe die Flut beinahe sogar etwas Gutes gehabt. „Wir haben die großen Schäden zum Anlass genommen, unser Konzept und alles, was wir hier haben, auf den Prüfstand zu stellen“, sagt Kleuser. Und das, was die vielen großen und kleinen Besucher in der historischen Schmiede zu sehen bekommen, kommt tatsächlich sehr gut an. Es pufft, zischt und rappelt in der Schmiede, die alte Mechanik funktioniert offensichtlich wieder, wenngleich noch die eine oder Reparatur aussteht. Und es ist vor allem für die Kinder toll, die irgendwie mystisch und geheimnisvoll wirkende Maschine zu beobachten.

Draußen sitzen die Menschen gemütlich auf Bierbänken im beschaulichen Grün des Gelpetals. Aber es wird auch gearbeitet, denn die größte Attraktion, vor allem auch hier wieder für die kleinen Besucher, ist es doch, wenn sie mit Schutzbrille, Kittel und Handschuhen angetan, sich selbst an der alten Schmiede zu versuchen. „Das ist uns aus pädagogischer Sicht sehr wichtig“, betont Kleuser. Und er ergänzt: „Wir möchten den Kindern die Chance bieten, sich auszuprobieren und eventuell eine für sie interessante berufliche Richtung kennenzulernen.“ Ob später aus den Kindern, die in der Schlange stehen, um an der Feldesse den Hammer zu schwingen, einmal Schmiede werden, bleibt abzuwarten. Ein eindrucksvolles Erlebnis nehmen sie auf jeden Fall mit.