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Remscheid: Haftstrafe nach Brandstiftung – trotz Schuldunfähigkeit

Prozess am Landgericht Wuppertal : Haftstrafe nach Brandstiftung – trotz Schuldunfähigkeit

Eine 51-jährige Remscheiderin wurde zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Sie soll unter anderem im Sana-Klinikum gezündelt haben. In der Begründung heißt es, der Schutz der Allgemeinheit gehe vor.

Es war ein umfangreicher Prozess vor dem Landgericht, an dessen Ende eine 51-jährige Remscheiderin wegen schwerer Brandstiftung in fünf Fällen, häufiger missbräuchlicher Benutzung von Feuermeldern, mehreren Diebstählen und Beleidigungen zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt wurde.

Die Remscheiderin, die seit der Jugend schwer zuckerkrank ist und – möglicherweise davon beeinflusst – unter psychoaffektiven Störungen leidet, sei durchaus einsichtig, wie gefährlich ihre bis jetzt glimpflich verlaufenen Zündeleien im Sana-Klinikum oder im Tannenhof hätten werden können. Nur durch Zufälle sei Schlimmeres verhindert worden.

Nach der Expertise des sachverständigen Gutachters fehle der Angeklagten entgegen der Einsicht jede Kontrolle über ihre Impuls-Steuerung. Deshalb fanden sich immer wieder Feuerzeuge aus dem Kiosk um die Ecke und Brandspuren. Und die fünf jetzt verhandelten, unzweifelhaften Fälle sollen nach Meinung von Prozessbeteiligten nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein. Zwar stellte der Sachverständige ihre Schuldunfähigkeit fest, aber sei dieser Hang zu Feuerspielchen nicht in den Griff zu bekommen. In jeder Frustsituation – wie festgestellt – könne dieser Drang wieder ausbrechen. Das wäre brand- und lebensgefährlich für die Allgemeinheit. Deshalb wurde zusätzlich die ständige Unterbringung in eine psychiatrische Anstalt angeordnet.  Das Gericht betonte zu der Abwägung: Der Schutz der Allgemeinheit müsse hier im Vordergrund stehen.

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In ihrem letzten Wort hatte die  zwischenzeitlich an Corona infizierte Angeklagte einen dringenden Wunsch geäußert: Sie wolle noch einmal wie in Jugendtagen mit der Mutter zu deren Geburtstag einen Ausflug nach Texel an die holländische See machen. Dorthin war sie wohl auch in ihrer unsteten Phase vor der Verhaftung schon mal geflohen, um sich in ihre Kindheit zurück zu versetzen. Dieser Wunsch wurde – auch zum Bedauern des Gerichts – nicht zugestanden.