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Remscheid: Haft für Attacken im Tannenhof?

Remscheider vor Gericht : Haft für Attacken im Tannenhof?

Beleidigungen, Tritte, Schläge von einem 43-jährigen Remscheider, untergebracht im Tannenhof – wie ist das einzustufen? Wie verantwortlich ist er für seine Taten?

Im Tannenhof schien er nach einer Serie von Beleidigungen und Körperverletzungen vorerst nicht mehr tragbar. Zu unberechenbar durch hirnorganische Schädigung, so bestätigte es der psychiatrische Sachverständige Dr. Michael Willmann, der nur einen Rest von Steuerungsfähigkeit sah. Der Leiter der Anstalt in Münster, wohin der Remscheider vorübergehend verlegt worden war, sah es ähnlich: Auch dort habe es bereits die gleiche Art von Entgleisungen gegeben – alle aus nichtigem Anlass, gefolgt von weinerlichem Bedauern und Depressionen.

Dazu das Unzuverlässige, wie es der Patient schon nach Festnahmen und Fixierungen im Tannenhof gezeigt hatte: Auf das Versprechen, nicht mehr anzugreifen, hatten Polizisten den Griff gelockert – und er griff an. Klage erschwerend, so der Vorsitzende Richter Norbert Müller, sei der Tritt gegen eine hochschwangere Mitpatientin durch die Ankündigung „Ich trete Dir jetzt das Kind aus dem Bauch“. Dies sei der angekündigte Versuch eines vorsätzlichen Schwangerschaftsabbruchs – die sonstigen Anklagepunkte stünden weit dahinter zurück.

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Deren vorläufige Einstellung sei deshalb geboten, weil ohne größeren Einfluss auf die Strafe. Dem stimmte die Staatsanwältin zu und griff in ihrem Plädoyer auf das Gutachten zurück. Die Vorwürfe hätte sich größtenteils bestätigt, der Angeklagte sei größtenteils geständig. Die Steigerung der einzelnen Angriffe aus nichtigem Anlass sei nicht hinzunehmen – wie der Fall der Schläge gegen eine Pflegerin, die ihm verbot, eine angeblich ihm gehörende Topfblume zu gießen. 16 Monate Haft war ihre Forderung. Eine Beruhigung über regelmäßige Medikamentation zu erreichen, sei gescheitert an der Weigerung des Angeklagten. Deshalb sei die Unterbringung geboten.

Der Verteidiger sah gleichartige, glimpflich abgelaufene Taten in einem geschlossenen Umfeld, keinen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, die nicht von Staats wegen aktiv wurden, keine erhöhte Gefährlichkeit, es reiche nicht für den Maßregelvollzug. Eine gezielte Aktion, um eine Schwangerschaft abzubrechen, könne er nicht erkennen. Eine Geldstrafe von 800 Euro wäre ausreichend. Die Urteilsverkündung wurde auf den 30. November angesetzt.