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Remscheid: Gründung einer Stadtschulpflegschaft

Engagement in Remscheid : Gründung einer Stadtschulpflegschaft

In der Albert-Einstein-Gesamtschule könnte am 22. April die Gründung einer Stadtschulpflegschaft auf den Weg gebracht werden. Das Interesse daran war bei einem ersten Treffen in der Sophie-Scholl-Gesamtschule groß.

Remscheids Schülereltern formieren sich: Am 22. April, 19 Uhr, könnte in der Albert-Einstein-Gesamtschule die Gründung einer Stadtschulpflegschaft auf den Weg gebracht werden. Die Resonanz bei einem ersten Treffen in der Sophie-Scholl lässt starkes Interesse vermuten. Auf Einladung von Karsten Neldner kamen am 12. Februar 36 Vertreter von 26 der 33 Remscheider Schulen zu einem ersten Gedankenaustausch zusammen.

Von Neldner stammt die Initialzündung. Der Familienvater, vergangenes Jahr Pflegschaftsvorsitzender in der Klasse seiner Tochter an der Walther-Hartmann-Schule, hatte in der Schulpflegschaft den Vorschlag unterbreitet, Kontakt zu anderen Schulpflegschaften aufzunehmen. „Die Pädagogen treffen sich schulübergreifend zu Sitzungen und Erfahrungsaustausch, wir Eltern nicht“, bedauert der Papa. Ein Blick ins Schulgesetz des Landes NRW verriet ihm, dass es Möglichkeiten gibt: „Schulpflegschaften können auf örtlicher und überörtlicher Ebene zusammenwirken und ihre Interessen gegenüber Schulträger und Schulaufsicht vertreten“, heißt es in Paragraf 72.

Zwar existiert in Remscheid seit über einem Jahr ein Jugendamtselternbeirat für den Kita-Bereich, an den Schulen wird das freiwillige Mitbestimmungsrecht jedoch noch nicht ausgeübt. Karsten Neldner will dies mit vielen Gleichgesinnten ändern. Lehrermangel, Unterrichtsausfall, mangelnde Verkehrssicherheit durch Elterntaxis – drängende Probleme gäbe es genug, bei denen sich die Erwachsenen ins Zeug legen könnten. Vor den Herbstferien 2019 fasste Neldner den Entschluss, alle Schulpflegschaften an einen Tisch zu bitten. Bis Weihnachten dauerte die Suche nach Mail-Adressen und Ansprechpartnern.

Vor zwei Wochen kamen sie zusammen in der Aula der Sophie-Scholl, wo Neldner mittlerweile in der fünften Klasse seiner von der Grundschule gewechselten Tochter die Klassenpflegschaft führt. Für ihn ist es eine wichtige Aufgabe: „Ein Stück Demokratie, das uns zugestanden wird.“ Karsten Neldner betont: „Es heißt Ehrenamt. Also sollte es eine Ehre sein, ein Amt zu übernehmen.“ Nach einiger Zeit war bei dem zweistündigen Auftakt das Eis gebrochen. Janine Giordani, die sich über ihre beiden Töchter sowohl in der Klassen- wie auch der Schulpflegschaft der Alexander-von-Humboldt-Realschule engagiert, beobachtete: „Das erste Mal war ein Beschnuppern. Ich denke, wir können in Zukunft etwas bewirken.“ Schulamt und viele Schulleitungen haben signalisiert, dass ambitionierte Eltern eine Bereicherung für den Schulalltag sein können.

Uta Wiesemann-Schroll, als Elternvertreterin seit sechs Jahren an der Heinrich-Neumann-Schule über ihren Sohn aktiv und obendrein an der Nelson-Mandela eingebunden, empfindet die Initiative als große Chance: „Die Vernetzung der Elternvertreter zwischen den Schulen ist ungeheuer wichtig.“ Es ist nicht nur der allgegenwärtige Mangel an Lehrern und Sonderpädagogen, der die Eltern umtreibt, es geht ihnen auch um die Planung gemeinsamer Aktionen, um gegebenenfalls beim Schulministerium in Düsseldorf Gehör zu finden. „Wenig Eltern, wenig Einfluss – viele Eltern, viel Einfluss“, fasst es Karsten Neldner zusammen.

Beim Auftakt meldeten sich neun Mitstreiter, die helfen wollen, damit der 22. April zur konstituierenden Sitzung wird. Eine Satzung soll dafür vorbereitet werden. Ziel ist es, dass alle acht Schulformen im Vorstand vertreten sind. Jede Schule könnte in die Stadtschulpflegschaft bis zu zwei Vertreter schicken, jede Schule hätte eine Stimme. Gewählt würde für ein Jahr.

Ein nächster Schritt wäre, dass die Stadtschulpflegschaft politisch seine Stimme erheben kann und einen beratenden Sitz im Schulausschuss erhält. Am Rande der letzten Sitzung dieses Gremiums hatte Schulausschuss-Mitglied Jutta Velte signalisiert, dass es begrüßenswert sei, einen zentralen Ansprechpartner für die Eltern zu haben. Für Karsten Neldner ist völlig klar: „Wer etwas bewirken will, muss rausgehen.“