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Remscheid: Gregor Gysi in Erzählstimmung

Unterhaltsamer Abend im Remscheider Teo Otto Theater : Gregor Gysi in Erzählstimmung

Der Linken-Politiker sprach im gut besuchten Teo Otto Theater mit dem Berliner Journalisten Hans-Dieter Schütt über sein Leben, die Politik, die Vergangenheit und die Zukunft im geeinten Deutschland.

Dass ein Mensch wie Gregor Gysi viel zu erzählen hat, dürfte jedem klar sein, für den die Bundespolitik der vergangenen Jahrzehnte kein blinder Fleck gewesen ist. Dass es in Remscheid so viele Menschen gibt, die sich einen Talk mit dem Linken-Urgestein ansehen wollten, mochte dann aber vielleicht doch ein wenig überraschen.

Umso schöner war es da also am Dienstagabend, dass die Reihen im Teo Otto Theater praktisch geschlossen voll waren, als Gysi sich zum launigen Gespräch mit dem Berliner Journalisten Hans-Dieter Schütt (ehemaliger Feuilletonredakteur beim SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ und Mitautor von Gysis Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“) auf der Bühne traf, man sich per Faustschlag begrüßte und direkt zur Sache ging. Dabei war Schütts Part mehr oder weniger der des Stichwortgebers. Denn Gysi war in bester Redelaune nach Remscheid gekommen.

Praktisch sah es so aus, dass Schütt kurze Fragen stellte, und Gysi dann mal mehr, mal weniger weit ausholte. Wenn er etwa das aktuelle Wahlergebnis kommentierte. „Unser großer Fehler war, dass wir unsere Ost-Identität abgegeben haben. Wir dürfen den Osten nicht der AfD überlassen.“ Dafür gab es großen Applaus der Remscheider. Gelächter gab es dann für diesen selbstironischen Satz: „Die CDU ist nicht regierungsfähig – und ich kenne mich mit desolaten Parteien aus.“

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Überhaupt gefiel, bei aller Scharfsinnigkeit der Erinnerungen und der Analyse des Berliners, vor allem diese leicht schnoddrige Art - Berliner Schnauze eben. Auch wenn er mit seiner Partei ins Gericht ging. „Die Grünen streiten genauso viel wie wir. Aber bei denen liest man nichts über Streit in der Zeitung – bei uns schon, aber bevor der Streit überhaupt entsteht.“

Soweit, so vorhersehbar – weil politische Position nun einmal nach Jahrzehnten der politischen Arbeit in einer Partei eben klar sind. Auch wenn Gysi sowohl den Parteien als auch den Wählern durchaus eine gewisse Wandelbarkeit zugestand. Dennoch wurde es besonders interessant, wenn Gysi aus dem biographischen Nähkästchen plauderte und etwa über sein größtes Privileg der Jugend in der DDR berichtete. Denn sein Elternhaus habe ihn deutlich geprägt. „Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht so privilegiert aufgewachsen wäre – vielleicht ein Verbrecher?“ Die Eltern, die den Nazis Widerstand geleistet hatten, bekamen etwa in der DDR viel Besuch aus dem Westen. Gysi: „Dadurch konnte ich später im Bundestag vielleicht auch anders und offener auftreten.“

Man mochte Schütt zugutehalten, dass er es nicht leicht hatte, sich gegen einen geborenen Erzähler wie Gysi durchzusetzen. Fraglos war es aber schade, denn mit einem durchsetzungsstärkeren, forscheren Gesprächspartner an der Seite, wäre der Abend vermutlich noch pointierter gewesen. So war es weitgehend an Gysi, den Abend zu gestalten. Und das konnte er natürlich auch.

Schütt hatte nach der Pause ein Exemplar von Gysis Autobiografie „Ein Leben ist nicht genug“ mitgebracht, sagte ein, zwei Sätze über die Buchpräsentation von CDU-Politiker Peter Altmaier – und Gysi hob direkt zu einem mehrminütigen, mit zahlreichen Anekdoten gespickten Exkurs über Politiker-Verwechslungen, die Lehren aus der Wiedervereinigung und die Bedeutung vom Einlenken in ehelichen Beziehungen an.

Das war kurzweilig, das war lehrreich – denn es bot den Zuschauern einen Einblick in ein interessantes Leben, in innenpolitische Überlegungen und auch in geopolitische Betrachtungen. Und es war auch in weiten Stellen sehr amüsant. Denn die gutgelaunte Plauderstimmung Gysis zog sich durch den rund zweistündigen Abend. Was vielleicht auch daran liegen mochte: „Ich bin ja schon auch ein komischer Typ.“

Vor allem aber war Gysi ein hochinteressanter Typ. Und eben ein begnadeter Erzähler, den die schiere Lust am Reden bisweilen übersprudeln ließ. Und der im Teo Otto Theater viel Zustimmung auch für seine politischen Positionen bekam. Vielleicht wegen einer kleinen Eigenheit, die er gegen Ende verriet: „Ich bin ein gutes Stück abgeklärter – weil ich ja in einem Alter bin, in dem ich nichts mehr werden will. Da wird man offener.“