Remscheid: Geselligkeit hinter Mauern

JVA in Remscheid : Geselligkeit hinter Mauern

Vor 40 Jahren gründeten Gefängnismitarbeiter die Betriebssportgemeinschaft. Am. 7. September wird das gefeiert.

Zugegeben, ganz so schön wie vom Ufer seines großen Namensvetters ist die Aussicht am Lüttringhauser Wolfgangsee nicht. Statt auf die Berge des Salzburger Landes blickt der Beobachter hier auf Gitterstäbe und eine rote Backsteinmauer. Beides gehört zur Fassade der Justizvollzugsanstalt.

Doch auch ohne Bergkette im Hintergrund dürfte die Stimmung rund um den Teich auf dem JVA-Gelände, dessen scherzhafter Name auf den früheren Anstaltsleiter Wolfgang Wermke zurückgeht, am 7. September gut sein. Dann feiert dort und auf dem angrenzenden Parkplatz die Betriebssportgemeinschaft (BSG) der Justizvollzugsbeamten ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest.

„Am 1. Juli 1979 wurde die BSG von gut zehn Kollegen gegründet, die sich hin und wieder zum Fußballspielen trafen“, sagt Uwe Dippel, Personalratsvorsitzender in der JVA und zugleich Vorsitzender der BSG.

Heute hat die Sportgemeinschaft 48 Mitglieder bei insgesamt rund 320 Mitarbeitern, die in dem Gefängnis an der Masurenstraße arbeiten. „Wir sind eine gemischte Truppe“, beschreibt Dippel. Er selbst ist 52, das älteste BSG-Mitglied ist Michael Langer mit 70 Jahren. Langer ist neben Jürgen Koball eines von zwei noch aktiven Mitgliedern, die die Gründung vor 40 Jahren mit vollzogen haben. Die untere Altersgrenze bildet mit Jan-Wilhelm Vogt ein Mitglied des Jahrgangs 1988. Geschlechtertrennung gibt es in der BSG der JVA nicht. Rund ein Drittel der Aktiven ist weiblich, darunter mit Katja Grafweg die Leiterin der JVA. „Wir machen bei allem genauso mit wie die Männer“, sagt Tanja Solty, die zweite Vorsitzende der Gemeinschaft.

Die Vielfalt der Mitglieder hat auch mit dem breitgefächerten Angebot der BSG zu tun. Was einst mit Fußball begann, besteht heute aus Kegeln, Bowlen, Darts, Mountainbike- und Motorradtouren, Angeln und vielem mehr. „Jeder hat seine Interessen und kann da mitmachen, worauf er Lust hat“, sagt Uwe Dippel.

Natürlich wird auch noch Fußball gespielt. Partien gegen ein Team von Gefangenen des offenen Vollzugs gehören zwar laut Dippel aus personellen Gründen der Vergangenheit an. Gekickt wird trotzdem: So nimmt ein Team der JVA Lüttringhausen schon zum dritten Mal an einem Turnier in Holland teil, bei dem es um so etwas wie den WM-Titel der Beamten im Justizvollzug geht. Kein Wunder, dass auch das Sommerfest nicht komplett auf den Fußball verzichten kann: „Jung gegen Alt“ heißt es bei einem Spaß-Duell der BSG-Mitglieder auf dem Jahnplatz.

Abgerundet werden die Aktivitäten der Sportgemeinschaft durch eine jährliche zweitägige Betriebstour, beispielsweise zur Meyer-Werft nach Papenburg oder zum Drei-Länder-Eck nach Koblenz.

Was nach viel Spaß und einem launigen Miteinander klingt, ist genau das – und gerade deshalb so wichtig für die Mitarbeiter der JVA. „Das ist eine tolle Möglichkeit, um Kontakt zu seinen Kollegen zu knüpfen. Da haben sich schon einige Freundschaften entwickelt“, spricht Uwe Dippel aus eigener Erfahrung. Der heute 52-Jährige war 1999 von der Bundeswehr in den Justizvollzug gewechselt – und gleich Mitglied in der Betriebssportgemeinschaft geworden. Hier rückten auch die Mitarbeiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes und der Verwaltung näher zusammen.

Gleichwohl ist sich Dippel bewusst, dass das Freizeitverhalten heute ein anderes ist als früher. Das macht sich beim JVA-Personal genauso bemerkbar wie bei anderen Sportgemeinschaften.

Hinzu kommt der Nachwuchsmangel, der sich auch beim Stellenplan im Justizvollzug bemerkbar macht. Uwe Dippel kann das nicht verstehen. Für ihn ist der Beruf des Justizvollzugsbeamten „unheimlich vielseitig“ und hat mit dem landläufigen Begriff des „Schließers“ nichts zu tun. Vom Fahrdienst bis zur Suchtberatung reichten die möglichen Beschäftigungen.

„Zudem müssen wir psychologisch geschult sein, um auf die Gefangenen eingehen zu können. Wir bekommen es mit so vielen Charakteren zu tun – vom Obdachlosen bis zum Anwalt“, beschreibt Dippel und wirbt bei jungen Leuten darum, sich für die zweijährige Ausbildung zu bewerben.

Und vielleicht gewinnt dann ja auch die BSG der Lüttringhauser JVA weitere Mitglieder.

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