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Remscheid: Geschwindigkeit verändert alles

Straßenverkehr in Remscheid : Geschwindigkeit verändert alles

Sicher fahren mit dem Pedelec — das lernten die Senioren bei einem Training, veranstaltet von Verkehrswacht, Diakonie, Seniorenbüro und Verkehrsunfallprävention der Polizei. Ein kleiner Unfall überschattete den Morgen.

Annette Bovermann und ihr Mann Berthold kamen mit ihren Pedelecs zum Sicherheitstraining auf dem Gelände an der Oberhützer Straße. Vom Hohenhagen über die Werkzeugtrasse bis nach Hasten. Radfahren in Remscheid kann schön sein. Und bequem, wenn man einen kleinen Motor zuschaltet. Und gefährlich, wenn man dem Polizisten Michael Wenner zuhört.

Er ist an diesem Morgen aber nicht auf das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Hasten gekommen, um den zwölf Teilnehmern Angst zu machen. Im Gegenteil: Er will dazu beitragen, dass die Pedelec-Fahrer mit einem guten Gefühl durchs Bergische Land trampelnd fahren. Und dazu zählt unter anderem zu wissen, wo Gefahren lauern. „Über eines muss man sich im Klaren sein: Mit der höheren Geschwindigkeit ändert sich beim Fahrradfahren alles“, sagt Wenner. Zum Beispiel der Bremsweg.

Hans-Ulrich Sander gehört zum Team der Moderatoren des Verkehrssicherheitstages. Er will den Teilnehmern demonstrieren, wie lang der Bremsweg eines Pedelecs im Vergleich zum Fahrrad ist. Die Vorführung endet mit einem Unfall. Kopfüber stürzt Sander über den Lenker. Er blutete aus der Nase. Ein Polizist bringt ihn ins Krankenhaus. Zur Sicherheit. Ein technischer Defekt hat Sander aus dem Sattel geholt. Die Bremsen haben blockiert. Einfach aufs Pedelec und ab die Post. Diesem Enthusiasmus schiebt Wenner einen Riegel vor. „Sie können ihre Fähigkeiten nicht konservieren, sie müssen das Fahren beim Saisonstart wieder trainieren“, sagt er. Um vor allem für das Unvorhersehbare gewappnet zu sein. 7,50 Meter legt ein Pedelec mit 25 km/h in der Sekunde zurück, rechnet Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Remscheider Verkehrswacht, vor. Wer sich da lange mit der Karte am Lenker beschäftigt, muss schon eine Superreaktionszeit haben, um einem Schlagloch, Stein oder Ast auszuweichen, der hinter der nächsten unübersichtlichen Kurve liegt. „Und wenn die ganze Fahrradgruppe einen steilen Abhang runterfährt, das müssen sie nicht mitmachen. Steigen sie ab“, sagt Wenner. Der Herdentrieb stellt eine eigene Kategorie der Unfallursachen dar.

Jürgen Saur (74) ist sein Leben lang gerne Rad gefahren. Seit anderthalb Jahren besitzt er ein Pedelec und startet so oft er kann mit seinen Radfreunden vom Sauerländischen Gebirgsverein zu Touren von Lennep aus. „Das macht mir großen Spaß“, sagt Saur. Die neue Technik ermögliche es auch noch Männern in seinem Alter, längere Strecken zu fahren. Das sieht auch Annette Bovermann so. „Seit wir die Pedelecs gekauft haben, sind wir infiziert vom Radfahren“, sagt sie. Sie haben sich auch einen Anhänger gekauft, für Radexkursionen in anderen Regionen. Die Tipps der Experten findet sie sehr hilfreich. Verkehrswacht, Seniorenbüro, Diakonie und die Verkehrsunfallprävention der Polizei haben dieses Angebot als Pilotprojekt zusammengestellt. Es begann vor ein paar Monaten mit einer Beratung, worauf beim Kauf zu achten sei. Es folgte das gestrige Verkehrssicherheitstraining. „Wir werden als Drittes eine geführte Radtour anbieten“, sagt Michael Bartsch, Leiter der Verkehrsunfallprävention.

Nach über drei Stunden Training fahren Annette und Berthold Bovermann zurück zum Hohenhagen, in dem Wissen, dass das Pedelec viel mehr als nur ein Fahrrad mit Motor ist.