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Remscheid: Gegen die Kita-Not helfen keine Not-Kitas

Ansichtssache in Remscheid : Gegen die Kita-Not helfen keine Not-Kitas

Anstatt auf Provisorien mit eingebautem Verfallsdatum setzt die Stadt auf Lösungen mit Langzeit-Perspektive.

Provisorien haben die unangenehme Angewohnheit, dass sie sehr langlebig sein können. 2015 errichtete die Stadt aus der Not heraus eine Container-Kita am Stadtpark, weil der ursprüngliche Standort an der Eberhardstraße durch Schimmelbefall von einem Tag auf den anderen nicht mehr nutzbar war.

Die betroffenen Kinder sind längst in einen schönen Neubau der Volksbank am Holscheidsberg umgezogen. Die Container-Kita am Stadtpark gibt es immer noch. Sie wird dringend gebraucht. Überraschend hohe Geburtenzahlen und die Flüchtlingswelle haben alle Bevölkerungsprognosen über den Haufen geworfen. Aktuell fehlen 600 Plätze für das kommende Kitajahr. In den Einrichtungen und beim Jugendamt melden sich täglich Eltern, die Hilfe suchen, weil sie für ihr Kind keinen Betreuungsplatz finden.

Liegt die Antwort auf den Kitaplatz-Mangel also in schnell gebauten Ersatzkitas mit befristeter Sondergenehmigung des Landesjungendamtes? Die Stadt sieht das nicht so. Zwar sagte Sozialdezernent Thomas Neuhaus in dieser Woche, dass er auch Not-Kitas als Mittel gegen den Mangel prüfen will. Die Hauptlinie im Jugendamt aber ist eine andere. Anstatt die Ressourcen in die ebenfalls aufwendige Planung von Übergangslösungen mit eingebautem Verfallsdatum zu investieren, setzt man alle Kraft daran, so schnell wie möglich vollwertige neue Einrichtungen an den Start zu bringen.

Das ist in Remscheid mit seiner speziellen Topographie und baulichen Verdichtung kein leichtes Unterfangen wie einige der bislang mit viel Kreativität und Hartnäckigkeit auf den Weg gebrachten Neubau-Planungen zeigen. An der Sedanstraße ist die Verkehrssituation mit einer Schule als Nachbar in einer Sackgasse höchst knifflig, bei der geplanten Kita in der Kirche am Honsberg muss unter anderem auf den Denkmalschutz Rücksicht genommen werden.

Kreative Lösungen, wie sie der neue Jugendamtsleiter Egbert Willecke in dieser Woche in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses anregte, sind also auch weiter dringend gefragt. Dass die Stadt und die freien Träger sich nach Kräften mühen, die schwierige Situation zu meistern, scheint aber bei den Eltern anzukommen. Noch gibt es keine Klage gegen die Stadt, um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz durchzusetzen.