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Remscheid: Gänsehaut beim Gottesdienst

Gospel-Konzert in Remscheid : Gänsehaut beim Gottesdienst

Das Ensemble „The Best Of Harlem Gospel“ brachte die Lutherkirche mit einem begeisternden Auftritt zum Kochen.

Der Auftakt war noch sehr besinnlich: Reverend Gregory M. Kelly, Grammy-Preisträger, Gründer und Leiter des hochkarätigen Ensembles „The Best Of Harlem Gospel“, betrat am Freitagabend gemeinsam mit seinen acht Musikern und Sängern in lila- und blaufarbene Gewänder gehüllt den Altarraum der Lutherkirche. Dann wurde zu sanfter Musik das Vater Unser angestimmt. Mit einer Stimmgewalt, die dem gut hundertköpfigen Publikum direkt die erste Gänsehaut des Abends bescherte. Aber bei dieser Besinnlichkeit blieb es nicht lang. Denn Reverend Kelly verfügte nicht nur über eine genauso großartige Stimme wie seine Kollegen, sondern an ihm war auch ein gutgelaunter und hochcharismatischer Entertainer verloren gegangen. „Gospel is glücklich“, sagte er lächelnd in seinem, auf 20 Jahren Tournee durch Deutschland geschulten Denglisch, und traf damit sofort einen Nerv beim Publikum, das sich bereitwillig und begeistert auf die Reise nach Harlem mitnehmen ließ. „You hear the Gospel jetzt, as we do in our Kirche“, sagte der Reverend lachend.

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Und dann schalteten die acht anderen Musiker und Sänger für einen Song plötzlich ihre Mikros ab, legten die Instrumente beiseite und gaben das alte Spiritual „King Jesus Is A-Listening“ in einer reinen A-Capella-Version zum Besten, die Gänsehaut Nummer zwei auslöste. Und es sollte beileibe nicht die letzte in den folgenden rund zwei Stunden bleiben. Die Intensität der Stimmen, die hochemotionale Darbietung, die reinen Harmonien – das funktionierte auch ohne elektronische Verstärkung und packte einem tief im Inneren.

Es war eine Mischung aus furiosem Popkonzert und Gottesdienst, die „The Best Of Harlem Gospel“ boten. Zum einen waren es natürlich die bekannten Spirituals - Gassenhauer wäre zwar dafür ein beinahe despektierliches Wort, träfe es indes recht gut -, die das Ensemble im Gepäck hatte: „I Will Follow Him“, „He‘s Got The Whole World In His Hand“, „Down By The Riverside“ oder „When The Saints Go Marching In“ konnte wohl jeder im Publikum zumindest mitsummen. Auf der anderen Seite war da der Gottesbezug, der Glaube, der aus der leidenschaftlichen Performance sprach. Das Publikum jedenfalls hielt es nur bedingt auf den Sitzen. Zwar saß man immer wieder, aber ebenso schnell war man auf den Beinen, klatschte und swingte mit. Etwa als einer der Sänger in einem Lied eine famose Rap-Passage einbaute, um die herum der Chor sang. Das war aber auch ein fetziges Gotteslob, wie man es sich in hiesigen Kirchen auch einmal wünschen würde. Manchmal wurde es beinahe ekstatisch und man fühlte sich an jene herrliche Szene im Kultfilm „Blues Brothers“ erinnerte, als „Reverend“ James Brown sich beinahe um den Verstand sang. Und auf der anderen Seite waren dann die beinahe zerbrechlichen Songs, bei denen einzelne Sängerinnen und Sänger einfach nur mit ihrem stimmlichen Ausdruck brillieren konnten. Etwa bei „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“.

Es war diese Mischung aus musikalischer Klasse, verschiedenen Stimmungen und leidenschaftlicher Performance, die diesen Abend so besonders machte. Kein Wunder da, dass die Begeisterung im Publikum schier keine Grenzen kannte, Jubel und Applaus bis hinaus in die eisige Winternacht erklangen.