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Remscheid: Für Whisky-Kenner geht’s in die Weinregion

Von Remscheid an die Mosel : Für Whisky-Kenner geht’s in die Weinregion

Mike Müller und seine Ehefrau Dagmar brechen in ein neues Leben auf und ziehen an die Mosel. Es geht ins 600-Einwohner-Dorf Brodenbach.

Aufbruch in ein neues Leben: Mike Müller verlässt mit seiner Frau Dagmar Remscheid. Der Whisky-Kenner und Ex-Saxo-Wirt zieht am 7. Oktober in eine ausgewiesene Weingegend. Das Ehepaar Müller wird an der Untermosel heimisch. In dem 600-Einwohner-Dorf Brodenbach schlagen die Müllers das nächste Kapitel in ihrer Lebensgeschichte auf.

Geprägt von dem Mut, mit 40 den Wurzeln zu entsagen und sich komplett umzuorientieren, sind Dagmar (40) und Mike (43) innerlich schon vor zwei Jahren aufgebrochen, irgendwo zwischen Flensburg und Garmisch eine neue Heimat zu finden. „Ehrlich gesagt, es hält mich nichts in Remscheid“, sagt Mike Müller. Nicht, weil er sich hier nicht wohlfühlt, sondern weil die Zeit reif ist für etwas anderes. Motor des Ortswechsels war seine Frau. Nach Tierpflege, Starkstromelektrik und einem Bachelor of Technical Management arbeitete Dagmar Müller viele Jahre für ein Remscheider Unternehmen, das elektronische Systeme entwickelt und auf Lebensmittelkühlung spezialisiert ist.

Sie brachte es bis zur Assistenz der Geschäftsführung. Weil sie ihre berufliche Karriere vorantreiben wollte, aber im Bergischen nichts Passendes fand, wurde es Rheinland-Pfalz. Bei der Deutschen Bahn AG ist sie seit dem 1. Juni für Facilitymanagement und Stationsbetreuung zuständig. Dagmar Müller leitet ein 15-köpfiges Team, das für 150 Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz zuständig ist. „Ich hätte auch andere Optionen gehabt, aber die Deutsche Bahn ist ein Arbeitgeber, bei dem ich mich irgendwann sogar noch weiterentwickeln kann.“

Momentan pendelt sie mit dem Zug zum Koblenzer Hauptbahnhof, wo ihre Dienststelle ist. Seit drei Monaten zweieinhalb Stunden hin, die gleiche Zeit zurück zum Steinberg. Die Müllers sind froh, dass dieser immense Aufwand in zwei Wochen vorüber sein wird. In Brodenbach, zwischen Cochem und Koblenz, haben sie ein nur vier Jahre altes Haus gekauft. Keine Renovierung nötig. „Wir müssen nur unsere Möbel reinstellen.“ Hochwassersicher in dritter Gebäudereihe mit Blick auf die Mosel nach vorne, die Wälder des Hunsrück hinter dem Haus, die Eifel auf der gegenüberliegenden Seite der Mosel. „Wie oft bin ich früher mit meiner Frau die anderthalb Stunden in die Eifel zum Wandern gefahren“, sagt Mike Müller: „Jetzt haben wir fünf Premium-Wanderwege, die bei uns am Haus beginnen. Einfach herrlich.“

„Es wird ein entspannteres Leben als jetzt“, ist Mike Müller sicher. Zwei Gästezimmer haben die Müllers in ihrem neuen Domizil für Eltern, Geschwister und Freunde. Und seine Whisky-Stammkunden haben angekündigt: „Egal, was kommt, wir nehmen uns dort ein Hotelzimmer und schauen bei Euch vorbei.“ Der 43-Jährige hat ab Mitte Oktober einen Teilzeitjob als Lagerist und will sich mit Frau, zwei Hunden und drei Katzen in der Tourismusregion akklimatisieren.

Der Whisky-Vertrieb gehört der Vergangenheit an. „Best drum“ hat er vor zwei Jahren aufgegeben, das Gewerbe für „The Liquid Art“ wird Ende Oktober abgemeldet. Drei Editionen hat Müller mit der ungewöhnlichen Geschäftsidee aufgelegt, die erlesenen schottischen Whisky in Single-Cask-Abfüllungen mit „artist’s bottling“, lokaler Kunst auf den Etiketten und Kunstdrucken verquickte. Die 120 Flaschen der letzten Auflage sind verkauft. Wenn die Müllers am 7. Oktober umziehen, dann nur mit einem kleinen Whisky-Sortiment im Gepäck.

2000 haben sie sich kennengelernt, 2002 geheiratet. „Wir haben alles richtig gemacht“, sagen sie. „Wer weiß, wie wir heute dastehen würden, wenn wir voll auf die Gastronomie gesetzt hätten und meine Frau mit in die Kneipe eingestiegen wäre.“ So war die Whisky-Schiene bis zum Schluss ein angenehmer Nebenerwerb, der aber durchaus an der Mosel wiederaufleben könnte. „Ich habe ein paar schöne Ideen im Kopf“, deutet Mike Müller an.