Remscheid: Für die Kinogänger greift die Stadt tief in die Tasche

Ansichtssache: Für die Kinogänger greift die Stadt tief in die Tasche

Ohne die Cinestar-Ansiedlung wäre das Parkhaus am Remscheider Hauptbahnhof eine Problemzone geblieben.

Die Umgestaltung des Areals am Remscheider Hauptbahnhof gehört nicht zu den Vorzeige-Projekten der Regionale 2006. Zu viel ging schief, als die chronisch finanzschwache Kommune seinerzeit den Geldsegen des Landes nutzen wollte, um das „Tor zur Stadt“ grundlegend zu modernisieren.

Zu den Altlasten aus dieser Zeit gehört das P&R-Parkhaus. Weil die Stadt aus Kostengründen auf einen Anschluss ans Kanalnetz verzichtete, wurde die Reinigung zum Dauerproblem. Fehlende Überwachung tat ihr Übriges dazu, dass Nutzer das gerne als Toilette missbrauchte Treppenhaus bis heute nur mit angehaltenem Atem passieren können.

Ob das einer der Gründe dafür ist, dass die Auslastung des kostenfreien Parkhauses durch Pendler trotz direktem Anschluss an die S-Bahnlinie 7 so gering ist, ist nicht bewiesen. Gleichwohl erweist sich die schwache Akzeptanz jetzt als Glücksfall für die Stadt. So konnte sie dem VRR die Anzahl von Parkplätzen abkaufen, die sie für die Baugenehmigung des auf der anderen Seite der Gleise geplanten Kinokomplexes braucht.

  • Stadt Remscheid macht Druck : Reinemachen im Schmuddel-Parkhaus

Und endlich kommt auch Bewegung in das von Pendlern jahrelang vergeblich monierte Problem mit Sauberkeit und Sicherheit. Anders als den Pendlern will die Stadt den Kinogängern kein Schmuddelparkhaus anbieten und hat nun – kurz vor der Kinoeröffnung – ein umfangreiches Sanierungsprogramm auf den Weg gebracht. Damit das Parkhaus danach in einem akzeptablen Zustand bleibt, will die Verwaltung zudem 50.000 Euro pro Jahr in die Hand nehmen.

Ohne das Kino hätte sich die Stadt zu dieser Investition nie durchgerungen, konstatierte in dieser Woche Thomas Brützel von der Wählergemeinschaft – und stimmte dem teuren Sanierungsprogramm nur „mit Bauchgrummeln“ zu. Eine verständliche Regung. Die Rechnung für alte Versäumnisse ist saftig.

Tröstlich ist allerdings der Gedanke, dass mit Kinobau und Parkhaus-Paket das seit zwölf Jahren unvollendete Bahnhofsprojekt mit reichlich Verspätung nun auf die Zielgerade einbiegt.

Mehr von RP ONLINE