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Remscheid: Foodsharing an den Feiertagen

Soziales Projekt : Foodsharing an den Feiertagen

Die Lebensmittelretter planen zum Fest der Liebe, besonders Bedürftigen mit prall gefüllten Weihnachtstüten eine Freude zu machen. Sie bringen die Lebensmittel auch zum Obdachlosencafé und zu anderen Einrichtungen.

Geben ist seliger denn nehmen – nach diesem Motto arbeiten die Foodsharer schon seit mehreren Jahren. Das Prinzip ist einfach: Lebensmittel, die in den Supermärkten wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums aussortiert würden, werden von den Lebensmittelrettern abgeholt und an einen großen Verteilerkreis in der ganzen Stadt weitergegeben. „Das Ziel ist, das nichts in der Tonne landet“, sagt Foodsharing-Botschafterin Mirjam Starke.

Dieses lobenswerte Engagement passt natürlich besonders gut in die Weihnachtszeit. Und daher haben die Foodsharer auch große Verteilaktionen an den Feiertagen geplant. „Wir bringen sie am Heiligen Abend zum Obdachlosen-Café, einem Kinderwohnheim, zum Tierheim und auch zu einzelnen Bedürftigen“, sagt Foodsharing-Botschafterin Elisabeth Erbe. Es sei bereits die vierte Weihnachtsaktion seit Gründung der Ortsgruppe im Oktober 2016.

Allerdings seien in Zeiten von Corona auch hier Kreativität und Flexibilität gefragt. „Wir können keine öffentlichen Verteilungen machen. Aber wir haben uns stattdessen mit Tüten versorgen lassen, die uns gespendet wurden, etwa von der Kaffee-Rösterei Rigano“, sagt Mirjam Starke. Darin würden die Lebensmittel aufgeteilt und abgegeben.

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Dennoch könne am Vormittag des Ersten Weihnachtstags auch eine Verteilung am Schützenplatz stattfinden. „Wir haben im Krisenstab der Stadt nachgefragt und dürfen unter den Bedingungen der Tafel-Verteilungen präsent sein. Die Feuerwehr hat uns Masken und Hygieneartikel gespendet“, sagt Mirjam Starke. Unter Einhaltung der AHA-Regeln, mit Einbahnstraßensystem und im Freien könne die Verteilung nun stattfinden.

Weitere Lebensmitteltüten würden die Foodsharer auch zu Menschen bringen, die ihre Wohnung nicht verlassen könnten oder wollten. „Am Heiligen Abend fahren wir außerdem noch zur Pension Dreßen. Da müssen wir aber sehen, wie das angenommen wird, das ist dort nicht immer ganz einfach“, sagt Mirjam Starke.

Neben Lebensmitteln retten die Foodsharer indes auch Non-Food-Artikel. „Wir bringen auch Weihnachtspakete in ein Mädchenheim in Remscheid. Die Mädchen dort bekommen unter anderem Nagellacke, die wir von der Firma Catherine gespendet bekommen haben“, sagt Elisabeth Erbe. Auch Schlafsäcke würden sie unter den Bedürftigen in der Stadt verteilen.

Auch bei ihrem Zuhause am Hasenberg könnten Interessierte am Heiligen Abend die Lebensmittelpakete abholen. Die Lenneperin ist Foodsharing-Botschafterin für ganz Nordrhein-Westfalen und wurde bereits mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Ihr ist wichtig zu betonen, dass die geretteten Lebensmittel nicht ausschließlich für Bedürftige gedacht seien. „Es gibt so viele Lebensmittel, die im Müll landen würden. Wir brauchen viele Menschen, die das verhindern wollen – auch wenn sie es finanziell nicht müssten“, sagt sie.

Dennoch habe sich das Thema in der Vergangenheit verändert, sagt Elisabeth Erbe. „Es ist insgesamt schon mehr eine soziale Angelegenheit geworden. Es gibt auch mittlerweile ein deutlich engeres Miteinander zwischen der Stadt und den hiesigen Institutionen“, sagt sie. Das liege sicherlich auch daran, dass Remscheid mit der Unterschrift von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz unter die Motivationserklärung am 12. März dieses Jahres die offiziell erste Foodsharing-Stadt Deutschlands geworden sei.

Eine durchaus stolze Karriere, wenn man sich überlegt, dass eine Reportage im Fernsehen der Ursprung der ganzen Idee gewesen ist. „Ich habe das 2016 gesehen und war schockiert, wie viele Lebensmittel einfach im Müll landen. Wir waren dann zu viert oder fünft, als wir loslegten – heute sind wir mit rund 125 Aktiven praktisch täglich im Einsatz“, sagt Elisabeth Erbe.