Remscheid: FDP-Politikerin erhält SPD-Auszeichnung

Stolz auf Remscheid : FDP-Politikerin erhält SPD-Auszeichnung

Ursula Durach ist mit 97 Jahren noch als beratendes Mitglied im Sozialausschuss aktiv.

Für ihre Aufrichtigkeit, ihren Mut und ihre Klarheit wurde die langjährige FDP-Politikerin Ursula Durach (97) beim Neujahrsempfang der Remscheider SPD am Sonntag mit dem Preis „Stolz auf Remscheid“ ausgezeichnet. Durach ist auch im hohen Alter noch regelmäßig Gast als beratendes Mitglied im Sozialausschuss. Auch der ehemalige EMA-Schüler Siegmund Freund (99), ebenfalls Zeitzeuge der NS-Zeit, erhielt den Preis – in Abwesenheit.

Es seien herausfordernde Zeiten für Land und Gesellschaft, ebenso wie für die Sozialdemokraten sagte Christine Krupp, Unterbezirksvorsitzende der Remscheider SPD. Zusammen mit dem Remscheider Landtagsabgeordneten Sven Wolf erinnerte sie an Ereignisse aus dem Vorjahr und gab einen Ausblick auf das neu begonnene Jahr, in dem auch die Kommunalwahl ansteht. Die SPD müsse Antworten liefern auf viele offene Fragen der Zukunft: eine gut funktionierende Gesellschaft brauche eine gute Bildung und faire Arbeitsbedingungen. Auch der Klimawandel sei noch stärker in den Fokus zu rücken, befand Wolf. Gemeinsam müsse man sich aber auch verstärkt der Hetze von Rechts stellen.

Klimawandel und Nationalsozialismus thematisierte der geladene Festredner Michael Müller, Bundesvorsitzender der „NaturFreunde Deutschlands e.V.“ Sein Verein, 1905 in München gegründet, wurde als einzige Naturschutzorganisation vom Hitler-Regime verboten. Der ehemalige parlamentarische Staatssekretär Müller, der nahezu 25 Jahre lang für die Sozialdemokraten im Bundestag saß, widmete sich als einer der ersten bei der SPD umweltpolitischen Themen und warnt jetzt nicht nur vor dem Klimawandel, sondern auch davor, dass sich rechte Parteien augenscheinlich dem Naturschutz verschreiben. Das seien schleichende Prozesse, die es auch schon im Nationalsozialismus gab.

Parallelen kann auch die diesjährige Preisträgerin von „Stolz auf Remscheid“ ziehen. Ursula Durach wurde 1922 geboren und erlebte die Hitler-Diktatur hautnah mit. Nach dem Krieg zog sie 1947 nach Remscheid, wo sie sich viele Jahre und bis heute lokalpolitisch als liberale FDP-Politikerin engagiert, etwa im Sozialausschuss oder im Ausländerbeirat. Im Wahlkampfjahr 2014, wo in Remscheid erstmals die Partei Pro Deutschland kandidierte, sei Durach mutig auf die Akteure zugegangen und habe sie mit ihren Erfahrungen konfrontiert, berichtete Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in  seiner Laudatio. „Ihr tiefer Wunsch ist es, dass den jungen Leuten heute diese Zeit des Faschismus erspart bleibt und wir uns daher konsequent dagegen positionieren müssen.“ Durach nickte und warnte im Anschluss vor Verharmlosung der rechten Hetze. Sven Wolf widmete dem zweiten Preisträger Siegmund Freund warmherzige Worte und bedankte sich für dessen Einsatz, den Schülern regelmäßig von seiner Erfahrung als jüdischer Schüler während der NS-Zeit zu berichten.