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Remscheid: Fast 100 Jahren gibt es den Steinbildhauer Hundhausen

Familienbetrieb Hundhausen in Remscheid-Lennep : Grabsteingestaltung mit viel Herzblut

Fast 100 Jahren gibt es den Steinmetz- und Steinbildhauer-Meisterbetrieb Hundhausen in Lennep. In vierter Generation wird er seit genau 20 Jahren von den Geschwistern Annette und Thomas Hundhausen geführt.

Es ist zwar ein Herz aus Stein, und doch wirkt es so weich, so anmutend und liebevoll. Fische, Quallen, eine Palme, Engel, den Namen, Geburtstag und Sterbedatum – all das hat Steinmetz Thomas Hundhausen hineingemeißelt, viele Stunden mit viel Liebe daran gefeilt. Nun ist es fertig und könnte abgeholt werden – von dem trauernden Ehemann und den beiden Kindern, die die junge Verstorbene (39) hinterlassen hat.

„Trauerarbeit braucht Zeit, dazu gehört auch, die einzelnen Schritte individuell zu gehen. Dieses Herz ist bereits im vergangenen September in Auftrag gegeben worden, aber anscheinend ist die Familie noch nicht so weit es zu holen, und das ist für uns absolut in Ordnung“, erklärt der 53-Jährige, der gemeinsam mit seiner Schwester Annette den Steinmetz- und Steinbildhauer-Meisterbetrieb in Lennep betreibt. Es ist ein Betrieb in vierter Generation.

Vor 20 Jahren haben die Geschwister das Handwerk von Vater Winfried (heute 81 Jahre) übernommen. „Was uns ausmacht, ist sicherlich die Menschlichkeit, mit der wir den Kunden begegnen. Wir wissen, dass sie sich in ganz besonderen Ausnahmesituationen befinden, und es ist sehr wichtig, ihnen gut zuzuhören, um zu verstehen, was ihnen wichtig ist, wenn sie einen Grabstein in Auftrag geben.“

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Die Geschwister arbeiten Hand in Hand und ergänzen sich perfekt: Annette Hundhausen ist seit 2002 ausgebildete Trauerrednerin, sie erlebt die Menschen sehr zeitnah nach dem Verlust des geliebten Menschen. „Ich erfahre sehr viel und versuche in meiner Rede, den Gestorbenen so wiederzugeben wie er war, mit seiner einzigartigen Persönlichkeit, vielleicht sogar auch mit seinen Ecken und Kanten.“

Was beide verbindet, ist diese große Liebe zu dem, was sie tun. „Ich bin leidenschaftlicher Steinmetz, wenn ich in der Halle stehe, den Staub um mich rum, dann bin ich einfach glücklich“, schwärmt Thomas Hundhausen und spricht da wohl nicht nur für sich, sondern auch für seinen langjährigen Gesellen Robert Manski sowie seinen künftigen Auszubildenden Kai Kanehl. „Kai hat bei uns bereits ein Praktikum gemacht. Er bringt genau das mit, was meiner Meinung nach im Handwerk grundsätzlich wichtig ist: die Liebe zu den Materialien, die Lust daran, etwas zu erschaffen und die Freude am sensiblen Umgang mit Menschen“, betont Thomas Hundhausen.

Egal, mit welchen Wünschen der Kunde zu ihnen kommt, die Mitarbeiter des Betriebes versuchen immer, eine kreative, in Stein umsetzbare Idee daraus zu machen – sei sie noch so unkonventionell. Grenzen setzt nur das Friedhofsamt. „Ein Mann, der sehr jung an Krebs gestorben ist, hatte sich gewünscht, dass auf seinem Grabstein „Guck nicht so blöd, ich würde jetzt auch lieber am Strand liegen“ steht, erinnert sich der Steinmetz. „Das klingt für viele lustig, für viele andere aber eben nicht. Daher mussten wir eine Lösung finden. Ich habe dann in den harten Grabstein einen drehbaren Sandstein hineingesetzt. Auf der einen Seite wurde ein Liegestuhl eingemeißelt, auf der anderen dieser Spruch. Das war für alle eine gute Lösung.“

Zum 20-jährigen Bestehen sagen die Geschwister Hundhausen: „Wir sind sehr glücklich mit dem, was wir tun. Wir merken, dass wir den Menschen in ihrer Trauer Gutes tun können, und wir können uns kreativ entfalten.“ „Besonders schön ist es“, sagt Annette Hundhausen und strahlt dabei glücklich, „dass wir mit unserem neuen Azubi Kai und unserer neuen Büromitarbeiterin Sonja Köpsel zu einer richtigen fünfköpfigen Familie geworden sind. Denn wir lieben den Umgang mit Menschen und begleiten sie gern in ihren schweren Zeiten.“