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Remscheid: Familienvater muss ins Gefängnis

Remscheider soll Tochter vergewaltigt haben : Familienvater muss ins Gefängnis

Obwohl es in vielen Punkten Aussage gegen Aussage stand, wurde der 45-jährige Remscheider, der in Burgdorf seine damals 15-jährige Tochter vergewaltigt haben soll, am Landgericht Wuppertal zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Davon werden ihm drei Monate erlassen, weil sich das Verfahren unverhältnismäßig lange hingezogen hatte – alleine für das erste von zwei Gutachten hatte der ursprünglich beauftragte Psychologe über zwei Jahre gebraucht.

Dass vor allem die gegensätzlichen Aussagen des Opfers und der jüngeren Schwester maßgebend sein würden, war bereits vor den Plädoyers klar geworden. Da aber auch diese, wie auch die Zeugenaussagen der beiden Mädchen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, kann sich der Prozessbeobachter nur an der Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters Ulrich Krege orientieren.

Danach sollen die Aussagen des Opfers gegen den Vater in der Summe präziser und letztendlich glaubhafter gewesen sein. Zur Glaubwürdigkeit habe auch beigetragen, dass der Fall nicht von der Betroffenen angezeigt, sondern von der Polizei mehr durch Zufall aufgedeckt worden sei. Ein in anderen Fällen verdächtiger „Belastungseifer“ sei hier nicht sichtbar, selbst bei einer Familientherapie im Jahr darauf habe das Opfer kein Wort darüber verloren.

Die Gewalttätigkeit des Angeklagten sei erwiesen. Die Tochter habe seinen 26-jährigen Freund als Partner vorgezogen, das habe ihn aus dem Gleis geworfen. Nach dem Muster seiner eigenen frühkindlichen Erfahrungen habe er seine Ansprüche auf die Tochter verbal, dann mit Schlägen ins Gesicht und schließlich mit der Vergewaltigung als Ausdruck „sexueller Machtausübung“ durchsetzen wollen.

Es sei nicht gut gewesen, ihm zu widersprechen, erklärte der Richter. Deshalb sei das gehorsame Befolgen der Aufforderung, zu ihm zum Kuscheln ins Bett zu kommen, durchaus nachvollziehbar. Von der Familie sei niemand anwesend gewesen. Dass die jüngere Schwester tatsächlich noch in der Wohnung gewesen sei, bezweifelte das Gericht. Mit dieser Aussage habe sich die jüngere Tochter auf die Seite des Vaters geschlagen. Auch dass es nach der hier erkannten Tat noch gemeinsame Familienunternehmungen gegeben habe, spreche nicht gegen die Schuld des Angeklagten. Das sei in vielen derartigen Fällen zu beobachten.

Das positive Bild, das – Stand heute – trotz Vorstrafen und Drogengebrauch vom Sachverständigen gezeichnet wurde, müsse man relativieren, da es vor fünf Jahren noch durchaus anders ausgesehen habe. Zur Reduzierung eines möglichen höheren Strafmaßes im Urteil habe es aber beigetragen. Das Urteil nahm der Angeklagte sehr beherrscht entgegen, betonte aber noch einmal seine Unschuld und wird jetzt die Erfolgschancen einer Revision erwägen.