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Remscheid: Facebook-Kontakt führt in die Prostitution​

Remscheider als „Lover-Boy“ angeklagt : Facebook-Kontakt führt in die Prostitution

Das Landgericht in Düsseldorf verhandelt gegen drei Männer, darunter einen Remscheider. Sie sollen eine 20-Jährige dazu gedrängt haben, anschaffen zu gehen.

Die Masche ist immer gleich: Erst wird der Kontakt geknüpft, dann stehen sie mit Rosen vor der Türe und gaukeln große Gefühle vor. Die Mädchen steigen stolz in Nobelkarossen und zuweilen hört man von den Opfern vor Gericht auch schon mal Sätze wie diese: „Er hat mich anfangs auf Händen getragen.“

So soll es auch bei der damals 20-Jährigen gelaufen sein, nachdem sie im Juni 2018 einen Remscheider über Facebook kennengelernt hatte. Was harmlos begann, soll sich für die junge Frau über Monate hinweg zum Alptraum entwickelt haben. Neben dem 30-Jährigen sitzen jetzt zwei weitere Männer auf der Anklagebank am Landgericht in Düsseldorf, die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Zwangsprostitution vor. Einer der beiden soll das Opfer in seiner Wohnung dazu auch noch vergewaltigt haben. Der andere ist wegen Beihilfe angeklagt.

Nach dem ersten Facebook-Kontakt scheint das Opfer schnell Vertrauen gefasst zu haben zu demjenigen, der sie auf Facebook angeschrieben hatte. Man traf sich in Remscheid, dabei soll die Frau auch von ihren Schulden erzählt haben. Der Angeklagte soll sein Opfer daraufhin in die Prostitution gedrängt haben. Einer der beiden Mitangeklagten soll die Kontakte zu „Kunden“ hergestellt haben, im August 2018 gab es dann das erste Treffen mit einem Freier. Den Lohn für die Sex-Arbeit kassierte offenbar nicht die Frau sondern der Remscheider. Danach soll es weitere sexuelle Kontakte zu Männern gegeben haben, unter anderem auch in zwei Bordellen.

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Es ist die klassische Loverboy-Masche, auf die offensichtlich auch die 20-Jährige reingefallen war. In der Anklageschrift steht dazu, dass deren Naivität ausgenutzt worden sei. Mit den großen Gefühlen war auch in diesem Fall schnell Schluss – und irgendwann ist die Seele der Opfer gebrochen.

Wie es dazu kommen kann? Dazu sagt Bärbel Kannemann, ehemalige Kriminalkommissarin und Initiatorin des Vereins „No Loverboy“: „Die Mädchen verlieben sich in einen Loverboy, weil er ihnen den Traumprinzen vorspielt. Gleichzeitig werden sie sozial isoliert und irgendwann haben sie nur noch ihn.“

Ähnliches wirft die Staatsanwaltschaft auch dem angeklagten Remscheider vor. Er soll der jungen Frau damit gedroht haben, deren Eltern anzurufen, um zu erzählen, dass die Tochter ihren Körper an Männer verkauft. Die 20-Jährige fürchtete die Konsequenzen inmitten eines konservativen Elternhauses – und machte weiter. Derweil bediente sich der „Loverboy“ an deren Konten und ließ sich das mittels der Prostitution verdiente Geld komplett auszahlen – teilweise sogar direkt über einen der Saunaclub-Betreiber.

Laut der Anklage soll der 30-Jährige die komplette Kontrolle über sein Opfer gehabt und die Frau auch dazu gedrängt haben, ihn mit dem Auto zu chauffieren. Einer der Mitangeklagten soll die Frau vergewaltigt haben.

Die Kammer am Düsseldorfer landgericht hat zur Beweisaufnahme sieben Verhandlungstage festgesetzt. Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. Am 14. Juli soll das Urteil verkündet werden.