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Remscheid: Fabrikant verschenkte ein Schullandheim

Edelhoff-Stiftung in Remscheid : Fabrikant verschenkte ein Schullandheim

Richard Heinrich Edelhoff hat Spuren hinterlassen. In Bad Honnef erwarb er ein spätklassizistisches Gebäude und vermachte es seiner Heimatstadt Remscheid. Später gründete sich die Edelhoff-Stiftung, die die Jugendhilfe unterstützt.

Sven Wiertz ist mit Sicherheit nicht der einzige Remscheider, der noch lebhafte Erinnerungen an das Schullandheim Bernau hat. „Vor allem im Winter, wenn Schnee lag, war es dort wunderschön“, blickt der Kämmerer zurück. Lange war die Einrichtung im Schwarzwald ein beliebtes Klassenfahrtsziel Remscheider Schulen. Vor fast zehn Jahren verkaufte die Stadt das Haus allerdings. Dieser Schritt hatte auch Auswirkungen auf die Edelhoff-Stiftung, deren Vermögen bis dahin aus dem Schullandheim bestand.

Ihren Namen verdankt die rechtlich unselbstständige Stiftung der Stadt Remscheid dem Fabrikanten Richard Heinrich Edelhoff. Auch eine Straße in Hasten ist nach ihm benannt. Er kam im März 1857 in Remscheid zur Welt und starb 1937. Von 1910 bis 1929 war er Stadtverordneter. In Bad Honnef erwarb Edelhoff ein spätklassizistisches Gebäude und vermachte es seiner Heimatstadt, um dort ein Kindererholungsheim einzurichten. Es war der Vorläufer des Schullandheims, das 1967 erbaut wurde.

„Das Heim war immer topgepflegt“, erinnert sich Sven Wiertz. Dennoch hatte die Einrichtung zu kämpfen. Denn zum einen ging die Nachfrage im Laufe der Jahre zurück. Die Schulen hatten zum Teil andere Vorstellungen von der Gestaltung ihrer Klassenfahrten. Zum anderen waren Technik und Ausstattung irgendwann nicht mehr zeitgemäß, das Gebäude sanierungsbedürftig.

„Die Stadt Remscheid als Eigentümerin war als Kommune in der Haushaltssicherung nicht in der Lage, entsprechende Beträge aufzubringen“, erklärt Peter Osenberg. Der Kämmerei-Mitarbeiter ist im Rathaus für die Verwaltung der Edelhoff-Stiftung zuständig. 2009 schloss die Stadt das Heim, fünf Angestellte waren davon betroffen. „Ich war mehrfach für Gespräche vor Ort. Das war keine schöne Situation – die Fünf haben sich rührend um das Heim gekümmert“, sagt Sven Wiertz.

Im September 2011 fand die Stadt nach einer schwierigen Suche schließlich einen Käufer für das Gebäude. Es flossen 155.000 Euro. Von dem Ertrag musste allerdings unter anderem noch ein auf dem Gebäude lastendes Darlehen getilgt werden. Letztlich bilden 68.306,23 Euro das Vermögen der Edelhoff-Stiftung. Ihr Zweck ist seitdem die Förderung der Jugendhilfe.

Die Summe ist ein Sondervermögen der Stadt Remscheid. Das ist gesondert auszuweisen und darf nicht zur Deckung der laufenden Ausgaben der Stadt genutzt werden, betont Peter Osenberg. Er ist bemüht, trotz der aktuellen Niedrigzinsphase für Erträge aus dem Kapital zu sorgen. Knapp 7000 Euro seien bislang ausgeschüttet worden. Der Großteil wurde für Freizeitmaßnahmen in den Sommerferien verwendet.

So habe die Stiftung etwa dazu beigetragen, dass Kinder aus finanzschwachen Haushalten an Schulfahrten oder Angeboten wie der Kinderstadt und dem Casselly-Mitmach-Zirkus für Kinder und Jugendliche teilnehmen konnten. „Wenn ein Bedarf offensichtlich wird, wenden sich die Einrichtungen an die Kämmerei und fragen, ob eine Bezuschussung möglich ist“, erläutert Wiertz.

Die Stadt Remscheid verwaltet vier Stiftungen: die Thomas-Labetzke-, die Edelhoff und die Stockder-Stiftung sowie die Stiftung Dausend. Die drei letztgenannten Organisationen sind rechtlich unselbstständig.

„Wir nehmen diese Aufgabe gerne wahr“, betont Sven Wiertz. In den Augen des Remscheider Kämmerers ist das Gründen einer Stiftung eine gute Möglichkeit, um die Gemeinde zu unterstützen und außerdem dafür zu sorgen, dass der Name des Stifters über dessen Tod hinaus bekannt bleibt.

Seit fast zehn Jahren unterhält die Stadt kein Schullandheim mehr im Schwarzwald. Das Gebäude existiert allerdings noch und beherbergt unter dem Namen Konfuzius-Haus weiterhin Gäste. „Viel wurde renoviert, einiges dürften die Remscheider aber wiedererkennen“, sagt Sven Wiertz.

Auf einem Online-Buchungsportal gibt es viele Bilder aus dem Inneren
des Gebäudes zu sehen:

www.t1p.de/9xl8