Remscheid: Experte sorgt für sattes Grün

Wirtschaft in Remscheid : Experte sorgt für sattes Grün

Michael Diedrichs hat sich zum Rasen-Experten entwickelt. Seit November 2018 kümmert sich der Remscheider mit seinem Unternehmen „Top-Rasenpflege.de“ nicht mehr nur um sein heimisches Grün.

Im ersten Moment kostet es Überwindung. Wer auf der Terrasse im Garten des Hauses von Michael Diedrichs in Reinshagen steht, der wagt den Schritt auf den angrenzenden Rasen nicht so einfach. „Machen Sie ruhig. Der ist robust“, nimmt der 38-Jährige Gästen die Sorge, etwas auf der Grünfläche kaputt zu machen.

Wenn Diedrichs das sagt, muss es stimmen. Er ist schließlich Experte – und zwar ganz offiziell. Seit November 2018 kümmert sich der Remscheider mit seinem Unternehmen „Top-Rasenpflege.de“ nicht mehr nur um sein heimisches Grün, sondern setzt sein Wissen und seine Leidenschaft für die Rasen von Kunden ein.

Bis zur Gründung des eigenen Betriebs lag hinter Michael Diedrichs ein steiniger Weg, der ihm blaue Zehen, einen Gewichtsverlust von zwölf Kilo und manches ungläubige Kopfschütteln seiner Frau Elena eintrug.

Doch von vorn: Der Keim von Michael Diedrichs Leidenschaft ging 2014 in einem Erdhügel auf. Damals hatte das Ehepaar ein Haus an der Voßnackstraße bauen lassen. Nach dessen Fertigstellung blickten die Diedrichs hinter dem Haus jedoch eher auf ein Brachgelände als auf einen Garten. Die Bagger hatten die Fläche zerfurcht. Das, was die Baufirma als Boden hinterlassen hatte, bestand aus lehmiger Erde, Steinen und sogar Überresten von Abflussrohren.

Um aus dem Braun ein Grün zu machen, versuchte Michael Diedrichs das, was alle Laien in dieser Situation tun. „Ich habe erst einmal Rasensamen aus dem Baumarkt verstreut“, erinnert sich der 38-Jährige, der gelernter Industriemechaniker ist und im Hauptberuf bei Edscha arbeitet. Dort wechselt er am 1. Oktober vom Risiko- ins Projektmanagement. Als ein Projekt entpuppte sich bald auch der heimische Garten. Denn was dort wuchs, hatte mit einer Rasenfläche wenig zu tun. „Das Unkraut wuchs schneller als der Rasen. Es bildeten sich Pfützen, weil in den verdichteten Boden kein Wasser eindrang. Zum Teil wuchsen sogar Pilze“, schildert Diedrichs. Das wollte der 38-Jährige nicht akzeptieren. Er holte das Unkraut raus, entfernte Steine, ebnete den Boden und vertikutierte den Rasen. Um Wasser und Sauerstoff an die Wurzeln der Halme zu bringen, schaute sich Diedrichs eine Technik ab, die sonst auf Golfplätzen zum Einsatz kommt: Mit einer sogenannten Aerifiziergabel trat er über die gesamte Fläche von rund 70 Quadratmetern Löcher in die Erde und befüllte sie mit rund einer Tonne Sand.

„Das war eine Plackerei. Nach zwei Tagen Arbeit waren meine Zehen blau“, sagt der 38-Jährige. Mit der Idee, Regenwürmer einzusetzen, um den Boden zusätzlich zu vitalisieren, „überraschte“ Diedrichs sogar seine Frau, die schon so manche wilde Idee ihres Mannes mitgemacht hat. „Als sie den Karton mit der Aufschrift ,Achtung! Lebende Tiere’ sah, dachte sie: Was hat er nun wieder vor“, schildert Diedrichs, den der Ehrgeiz gepackt hatte. Aus dem einstigen Acker sollte ein echter Golfrasen werden.

Zunächst ließ er den Mähroboter, den er inzwischen gekauft hatte, seine Arbeit machen. Weil der die Halme aber immer noch zu lang ließ, rüstete Diedrichs auf. Seine Antwort: der Edwin 2.0 der tschechischen Firma Swardman. „Der kann alles. Mähen, lüften, vertikutieren, bürsten“, sagt der Remscheider über den Spindelmäher. Das Universal-Gerät hat seinen Preis: Rund 4000 Euro blätterte Diedrichs für das Produkt hin. „Als Zubehör gibt es noch einen Dosenhalter. Auf den habe ich aber verzichtet“, sagt der umtriebige 38-Jährige.

Durch Edwin 2.0 und der Beimischung von echtem Golfrasensamen finalisierte Diedrichs im Mai dieses Jahres sein Projekt. Der Samen enthalte im Unterschied zum handelsüblichen Rasen aus dem Baumarkt, bei dem es sich oft um Futtermischungen handele, sechs Samenarten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Heute ähnelt der Rasen im Garten von Michael Diedrichs einem Teppich. Das ist auch der Nachbarschaft nicht verborgen geblieben. „Meinen ersten Auftrag habe ich von meinem direkten Nachbarn erhalten. Er wollte auch so einen Rasen“, sagt Diedrichs.

Mittlerweile sei er bei noch mehr Nachbarn, deren Freunden und Verwandten und anderen, die per Mund-zu-Mund-Propaganda von seiner Dienstleistung erfahren haben, im Einsatz. Sogar Aufträge aus Düsseldorf habe er bekommen. Als Belastung zu seinem Hauptberuf empfinde er die zum Teil recht körperliche Arbeit in den Gärten nicht. „Für mich ist das ein Ausgleich“, sagt Diedrichs – trotz blauer Zehen und einer kopfschüttelnden Frau.

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