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Remscheid: Evangelische Kirchengemeinde Lüttringhausen schließt Kita

Evangelische Kirchengemeinde Lüttringhausen schließt Kita : Trauriger Abschied an der Linde

Evangelische Kirche muss die Kindertagesstätte aus finanziellen Gründen schließen. Die künftige Nutzung der Immobilie ist momentan noch offen.

Auf dem Banner am Zaun zur Einfahrt auf das Gelände der Evangelischen Kita Linde steht: „Wir sagen: Auf Wiedersehen!“ Doch das ist kein normaler Gruß zu den Sommerferien, sondern ein Abschied für immer. Die Einrichtung an der Linde wird geschlossen. Am Freitag war der letzte Tag für das vierköpfige Team, die 20 Kinder sowie die Eltern.

Die Entscheidung zur Schließung fällte der Träger, die Evangelische Kirchengemeinde Lüttringhausen, schweren Herzens bereits Ende November 2019. Der Grund: Die Finanzen. Denn die Einrichtung an der Linde ist eine eingruppige Einrichtung und diese zu betreiben ist teuer.

 Ein letzter Gruß für die Kinder und ihre Eltern an der Kita.
Ein letzter Gruß für die Kinder und ihre Eltern an der Kita. Foto: Jürgen Moll

Rund 50.000 Euro zusätzlich zu den ohnehin schon zwölf Prozent Eigenanteil, den die Kirchengemeinde zur Finanzierung in Remscheid leisten muss, wurde jährlich für den Betrieb der Kita investiert. Das Personal sei zum Teil schon Jahrzehnte im Dienst der Gemeinde und erhalte ein entsprechend hohes Gehalt im Vergleich zu jungen Fachkräften, erklärt Pfarrerin Kristiane Voll, Vorsitzende des Presbyteriums. Und der Personalbedarf sei trotz der geringeren Größe ähnlich zu dem einer größeren Einrichtung. Das kann sich die Gemeinde, auch mit Blick auf die Anforderungen durch das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) sowie die immer geringer ausfallenden Kirchensteuern, nicht mehr leisten. Aus demselben Grund schließt die Kirche 2024 auch die eingruppige Kita in Goldenberg.

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„Die Kirche hat sich lange den Luxus geleistet, eingruppige Einrichtungen zu führen“, ergänzt Pfarrer Oliver Rolla, in dessen Bezirk die Kita Linde auf Wuppertaler Stadtgebiet fällt. Andere Gemeinden hätte diese Art bereits vor 20 Jahren aufgegeben. Der Prozess der Schließung sei für alle Beteiligten dennoch ein emotionaler Akt gewesen, der viel Kraft gekostet habe, betont er.

Das merkt man auch Sabine Hoch an, die erst 2018 die Leitung an der Linde übernahm: „Das Herz hängt an der Kita, an dem Gebäude, dem Team, den Kindern und den Eltern“, merkte sie sichtlich bewegt mit Tränen in den Augen beim Abschied an. Der letzte Tag mit den Schützlingen sei dennoch sehr schön gewesen. Emotional sei es erst geworden, als die Eltern ihren Nachwuchs abgeholt haben.

Anders als die übrigen vier Erzieherinnen, die in die beiden zweigruppigen Gemeinde-Kitas Klausen und Gertenbachstraße wechseln, übernimmt Sabine Hoch auf eigenen Wunsch eine Leitung in einer Kita in Wuppertal-Vohwinkel.

Kristiane Voll ist froh, dass man allen Mitarbeitern eine Möglichkeit zur Weiterarbeit und den Eltern bei bedarf einen Kita-Platz habe anbieten können. Von den letzten 20 Kindern der Einrichtung haben sechs Eltern das Angebot angenommen, einen Platz in der Kita Klausen oder Gertenbach zu nutzen. Weitere sechs Kinder kommen nun in die Schule. Die übrigen Eltern haben anderen Alternativen gefunden. „Es war uns wichtig, allen etwas anbieten zu können, und das haben wir geschafft. Es war ein Kraftakt“, hebt sie hervor.

Möbel, Spielzeug und anderes Inventar von der Linde wurden bereits auf die übrigen Einrichtungen der Kirche verteilt. Auf diese Weise haben die Linde-Kinder etwas Vertrautes in der für sie neuen Einrichtung.

Was mit dem Gebäude und dem Gelände, das zum Besitz der Kirche gehört, passieren sollen, ist noch ungewiss. Bisher habe es seitens der Kirche noch keine Gespräche dazu geben. Ideen und Anfragen von außerhalb für eine Weiternutzung gebe es aber durchaus, sagt Pfarrer Oliver Rolla.