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Remscheid: Eschbachtalsperre ist eine Pionierleistung​

Baudenkmäler in Remscheid : Eine wasserwirtschaftliche Pionierleistung

Vor 134 Jahren wurde der erste Spatenstich für die erste Trinkwassertalsperre in Deutschland vorgenommen – die Eschbachtalsperre wurde in knapp drei Jahren Bauzeit nach Plänen des Bauingenieurs Prof. Dr. Otto Intze fertiggestellt.

Es hat fast 100 Jahre gedauert, bis die Eschbachtalsperre auf der Denkmalliste der Stadt Remscheid gelandet ist. Dabei ist die Talsperre, deren westlicher Ausläufer sich direkt an der Bundesautobahn 1 befindet – die Zufahrt ist über die Raststätte Remscheid möglich –, in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zuvorderst, was auch direkt auf der Jubiläumsschrift der Stadtwerke Remscheid zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1991 zu lesen ist, handelt es sich um die erste deutsche Trinkwassertalsperre. Eingeweiht wurde sie folglich im Jahr 1891, auf die Denkmalliste kam sie am 15. Juni 1987 mit der Listennummer 494.

Notwendig geworden ist die Talsperre aus dem ganz einfachen Grund: „Mehr Menschen brauchen mehr Wasser“, so steht es in der Jubiläumsschrift geschrieben. Remscheid war im mittleren und ausgehenden 19. Jahrhundert das, was man als Zuwanderungsstadt bezeichnet: die Zahl der Einwohner stieg von 1808 bis 1908 um das Zwölffache – von 5854 auf 67.807 Menschen.

Entsprechend hatte man sich Gedanken gemacht, wie man diese vielen Menschen mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen könnte. Besonders drastisch sei die Situation im Dürrejahr 1865 gewesen. Dass die Menschen ihr Wasser aus den Bächen holen mussten, sei eine sehr prekäre Situation gewesen – der man mit Hilfe eines Städtischen Wasserwerks begegnen wollte. Allerdings war es nur der Initiative und Hartnäckigkeit des Industriellen und Stadtverordneten Robert Böker zu verdanken, von dem es in der Jubiläumsschrift heißt: „Der Versorgung der Stadt mit dem erforderlichen Trink- und Brauchwasser widmete Böker ab 1880 seine volle Aufmerksamkeit.“

 Bauingenieur Otto Intze wird mit einer Gedenkplatte geehrt.
Bauingenieur Otto Intze wird mit einer Gedenkplatte geehrt. Foto: Jürgen Moll
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Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis es dann tatsächlich zum Bau der Eschbachtalsperre kommen sollte. 1887, es hatte seit 1880 wieder mehrere Dürresommer gegeben, die für leere Brunnen gesorgt hatten, war es dann soweit. Im August des Jahres wurde der Aachener Bauingenieur Prof. Dr. Otto Intze damit beauftrag, das Eschbachtal auf seine Wasserspeicher-Möglichkeiten hin zu untersuchen. Damals war es übrigens gang und gäbe, entsprechende Bauwerke nicht nach dem aufgestauten Gewässer zu benennen – in diesem Fall aus dem Eschbach –, sondern vielmehr nach der Stadt, in der sie gebaut wurden. Deswegen ist in der historischen Literatur auch immer von der „Remscheider Talsperre“ die Rede. Im Mai 1888 wandte sich Intze an die Öffentlichkeit und die Remscheider Stadtverordneten.

Es muss ein sehr überzeugender Auftritt gewesen sein, den der junge Professor im Hotel Weinberg gehalten hatte – denn nur vier Tage später bekam er den Auftrag, die „Remscheider Talsperre“ zu bauen. Ende des Jahres 1888 legte Intze der Stadtverordnetenversammlung seine Pläne für die Talsperre vor – bis dahin hatte die Stadt insgesamt 35 Hektar Wiesen-, Busch- und Waldland erworben. 14 davon für die Talsperre, den Rest als Wasserschutzzone.

 Die Talsperre wurde von Mai 1889 bis 1891 als Gewichtsstaumauer gebaut.
Die Talsperre wurde von Mai 1889 bis 1891 als Gewichtsstaumauer gebaut. Foto: Jürgen Moll

Ein solcher Bau, man denke nur etwa daran, dass das Mauerwerk ein Volumen von 17.000 Kubikmeter umfassen solle, ist natürlich nicht billig. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte 643.000 Mark sowie 82.000 Mark Nebenkosten. Ein historischer Moment, nicht nur für die Remscheider Wasserversorgung, sondern auch für das Konzept Trinkwassertalsperre. Wenige Monate später, am 4. Mai 1889, folgte dann der Spatenstich. Die Bauzeit, von der es in der Jubiläumsschrift einige eindrucksvolle Bilder zu sehen gibt, dauerte nur gut zweidreiviertel Jahre. Endgültig freigegeben wurde die Eschbachtalsperre dann am 12. Januar 1892.

 Die Eschbachtalsperre ist auch bei Spaziergängern beliebt.
Die Eschbachtalsperre ist auch bei Spaziergängern beliebt. Foto: Jürgen Moll

Ein deutliches Beispiel dafür, wie sorgfältig und vorausschauend Intze geplant und gebaut hatte, ist die Tatsache, dass selbst die Renovierung der Staumauer in den Jahr 1991 bis 1994 lediglich wegen völlig normaler Altersabnutzung nötig geworden ist. Kein Wunder bei einem 100 Jahre alten Bauwerk. Über die Konstruktion fanden und finden bis heute Bevölkerung wie Fachwelt ausschließlich lobende Worte – am 12. August 1899 äußerte sich sogar Kaiser Wilhelm II. vor Ort an der Staumauer sehr wohlwollend über „die bautechnische und wasserwirtschaftliche Pioniertat“, wie es in der Jubiläumsschrift heißt. So aufregend die Planungs- und Bauzeit Ende der 19. Jahrhunderts für alle Beteiligten gewesen sein muss, so ruhig war die Folgezeit bis heute.

Eindrucksvoll war indes, dass die Eschbachtalsperre sich schnell zu einem beliebten Ausflugs- und Naherholungsziel entwickelte – und dass das Bauwerk beide Weltenbrände 1914 bis 1918 sowie 1939 bis 1945 ohne Beschädigung überstanden hat. Die älteste erhaltene Ansichtskarte des Naherholungsziels stammt bereits aus dem Jahr 1893 – gut 90 Jahre später hat die Deutsche Bundespost das damalige Motiv wiederaufgelegt und 1985 eine entsprechende Postkarte veröffentlicht. 1977 wurde der Rundweg um den Stausee zum Waldlehrpfad umgewandelt – auch das sorgte für weitere Besucher.