Flugzeugabsturz in Remscheid Entschädigungsfrage ungeklärt

Remscheid · Der Bürgerinitiative Flugzeugabsturz liegen 40 Erklärungen vor.

 Die Stockder Straße nach dem Absturz eines Flugzeugs 1988.

Die Stockder Straße nach dem Absturz eines Flugzeugs 1988.

Foto: Jürgen Körschgen

Ob Menschen, die durch den Flugzeugabsturz in Remscheid vor gut 30 Jahren nach eigener Ansicht zu Schaden gekommen sind, Anspruch auf eine Entschädigung haben, ist auch nach so langer Zeit weiterhin in der Schwebe. Wie Veronika Wolf, Sprecherin der Bürgerinitiative Flugzeugabsturz, auf Anfrage mitteilt, gilt es noch einige juristische Fragen zu klären.

Mehr als 60 Personen haben sich gemeldet, die einen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zwischen ihrer Erkrankung (oder der der Angehörigen) mit dem Flugzeugabsturz sehen. Das sind Wolf zufolge Anwohner im Gebiet rund um die Stockder Straße, frühere Anwohner und Beteiligte wie Feuerwehr, Katastrophenschutz, Polizei oder Bundeswehr. Wolf liegen bislang
40 Erklärungen für Schadensersatzansprüche vor. Ob das alle sind, kann sie nicht sagen. Wahrscheinlich haben nicht alle Anmelder ihr eine Kopie geschickt. Einige Anmeldungen seien noch in Vorbereitung, so Wolf.

Ob es überhaupt eine Frist auf Schadensersatz bei gesundheitlichen Schäden durch den Absturz gibt, sei juristisch offen. Es handelt sich laut Wolf dabei um langfristige gesundheitliche Schäden, die direkt nach dem Absturz nicht erkannt werden konnten. Grundsätzlich setze aber immer erst dann eine Verjährung ein, wenn Kenntnis über den Schaden und die Zusammenhänge besteht. Im Remscheider Fall habe man eine solche Kausalität nicht untersucht.

„Die Möglichkeit solcher Zusammenhänge wurde mehrfach von den Behörden bestritten und epidemiologische Untersuchungen abgelehnt“, schreibt Wolf. Sie rate daher allen Betroffenen, die selber einen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang ihrer gesundheitlichen Auffälligkeiten sehen, sich beim Amt für die Schadensregulierung und bei der Bürgerinitiative zu melden.

Ein Versäumnis vonseiten der Stadt hat Wolfgang Putz, früherer Leiter des Umweltamtes, immer von sich gewiesen. „Wir waren für das Wohl der Bevölkerung verantwortlich und haben alles getan, um herauszufinden, wie hoch die Belastung ist“, sagte Putz voriges Jahr anlässlich des 30. Jahrestages des Absturzes. Putz versicherte im Gespräch mit dieser Zeitung, es habe keine einzige wissenschaftliche Studie gegeben, die nachgewiesen hätte, dass durch den Absturz die Gesundheit der Bürger durch zu hohe Werte im Boden und in der Luft gefährdet war. „Mit unseren Proben haben sich damals mehrere Spitzenforscher beschäftigt“, sagte Putz. Über Verschwörungstheorien konnte er nur den Kopf schütteln. Für ihn zählten einzig und allein die belastbaren Messdaten.

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