Ansichtssache Elterntaxis nicht vorschnell verbannen

Meinung | Remscheid · Die Stadt will jetzt prüfen, ob eine Umsetzung des NRW-Elterntaxi-Erlasses auch vor Remscheider Schulen möglich ist. Hier sollte jedoch gut geprüft werden, was Sinn macht und was das Problem nur verlagert.

 Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Statt ihre Kinder mit dem Bus oder Rad fahren zu lassen, kutschieren immer mehr Eltern ihre Jüngsten mit dem Privatfahrzeug zum Unterricht. Das sorgt auch in Remscheid für lange Autokorsos vor manchen Schulen. Ein neuer NRW-Erlass gibt jetzt die Möglichkeit, das zu ändern. Doch ganz so einfach ist das nicht. Zumal bisher auch noch nicht absehbar ist, welche Wirkung eine Umsetzung auf kommunaler Ebene nach sich zieht.

Denn nur weil Eltern nicht mehr direkt vor der Schule parken dürfen, heißt das im Umkehrschluss nicht zwingend, dass die Kinder dann mit einem alternativen Transportmittel zum Unterricht kommen. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Eltern, die vermutlich aus ihrer Sicht handfeste Gründe haben, Taxi zu spielen, ihre Sprösslinge dann einfach in nächster Nähe zur Schule absetzen – vermutlich also vor der abgesperrten Straße. So könnte das Problem verlagert werden – schlimmstenfalls auf eine ohnehin stärker befahrene Straße. Dementsprechend sinnvoll ist es, im Einzelfall zu prüfen, an welcher Schule eine Umsetzung des Erlasses Sinn macht und an welcher womöglich neue Probleme entstehen, die die Vorteile überwiegen.

Und: Womöglich ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, wo Eltern ihre Kinder trotz gesperrter Straßen dann absetzen können. Denn solange man nicht die Gründe für das ständige Herumgurken und stattdessen nur die Auswirkungen bekämpft, werden Eltern die Jüngsten wohl weiterhin überall hinkutschieren. Ob es nun daran liegt, dass die Schulwege zu lang sind oder aus Sicht der Eltern zu gefährlich. Vielleicht hat es auch praktische Gründe, weil die Schule auf dem Arbeitsweg liegt.

Ebenfalls noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, wie man mit Anliegern umgeht und anderen Verkehrsteilnehmern, die neben den Eltern durch die Straße müssen, etwa Handwerker oder auch Lehrer. Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke merkte im Redaktionsgespräch an, dass es dann notwendig sein könnte, Ausnahmegenehmigungen auszustellen. Und die bedeuten Verwaltungsaufwand und damit womöglich auch Kosten für diejenigen, die die Genehmigung brauchen. Andererseits ist es bestimmt auch mal eine nette Erleichterung für Anwohner in Schulnähe, wenn sie um 8 Uhr morgens problemlos aus ihrer Ausfahrt rausrollen können.

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