Remscheid: Eine Lenneper Ruine verschwindet

Direkt am Bahnhof : Eine Lenneper Ruine verschwindet

Das alte Möbelhaus Giminski am Bahnhof in Lennep ist ein Schandfleck. Zwischen einem Investor und der Stadt zeichnet sich aber eine Einigung ab. Es soll ein „Gebäude für Wohngruppen und Wohnen mit Pflegedienst“ entstehen.

Wiederholt legten Zündler in dem Haus Feuer, und rechte Hetzer beschmierten seine Wände mit Parolen. Das alte Möbelhaus Giminski am Bahnhof in Lennep ist zur Ruine verkommen. Ein potenzieller Investor und die Stadt wurden sich derweil lange nicht einig. Nun zeichnet sich eine Einigung ab. Nach dem Abriss des Möbelhauses soll ein „Gebäude für Wohngruppen und Wohnen mit Pflegedienst“ an seiner Stelle entstehen.

„Wir stehen vor den letzten Abstimmungsgesprächen“, sagt Bauamtsleiter Jörg Schubert. Aus Sicht der Stadt gehe es dabei nur noch um Kleinigkeiten. Investor ist ein Unternehmen aus Düsseldorf. Einer Genehmigung des Bauantrages stehe „nichts Großes mehr im Wege“, sagt Schubert. Vor einem Jahr klang das noch anders. Die Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft, kurz BEG, deren Aufgabe es ist, ehemalige Bahnhöfe an den Mann zu bringen, hatte die Ruine da zwar schon verkauft. Doch Peter Heinze, Baudezernent der Stadt, musste den Politikern von Unstimmigkeiten berichten. Insbesondere die Brandschutzauflagen, die die Stadt dem neuen Eigentümer machte, ließen das Projekt ins Stocken geraten.

Stattdessen präsentierte BEG-Projektleiter Carsten Kirchhoff Anfang Juli einen anderen Erfolg am Lenneper Bahnhof. Die Straßen- und Tiefbaufirma Krasniqi aus Heiligenhaus hatte das alte Bahnbetriebswerk gekauft und ließ die Abrissbagger anrücken. Der alte Schornstein des ehemaligen Heizwerkes fiel, danach verschwanden das Kesselhaus, ein Tank, eine alte Trafostation.

Früher versorgte das Heizwerk das Empfangsgebäude mit Wärme. Heute lassen die Brüder Arben und Arsim Krasniqi, Geschäftsführer des Unternehmens, auf dem 728 Quadratmeter großen Grundstück an der Robert-Schumacher-Straße ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Das alte Bahnbetriebswerk ist eines der letzten Relikte, die an den einstigen Bahnhof Lennep als bedeutende Drehscheibe für den Bahnverkehr im Bergischen Land erinnern. Seiner wichtigen Funktion wegen war der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg mehrere Male aus der Luft mit Bomben angegriffen worden.

Davon zeugt nicht nur jener Ein-Mann-Bunker, den die Denkmalschützer am Eingang zur Balkantrasse postierten. Unter dem alten Möbelhaus Giminski befindet sich ein weit größerer massiver Bunker aus der Kriegszeit, der sich in Richtung der Bahngleise erstreckt. Dem Bau des Hauses für seniorengerechtes Wohnen soll er nicht im Weg stehen. Im Gegenteil. „Einen besseren Baugrund kann sich der Bauherr eigentlich nicht wünschen“, schätzt Jörg Schubert: „Stabiler geht’s nicht.“ Der Investor will den Bunker deshalb in sein Bauprojekt miteinbeziehen und möglicherweise als Keller nutzen.

Mit seinem Wohnprojekt, das alten Menschen möglichst lange ein Leben in den eigenen vier Wänden erlauben soll, kommt das Unternehmen in Remscheid zur rechten Zeit. Die Stadt altert. Bei insgesamt zurückgehenden Bevölkerungszahlen werde die Gruppe der älteren Menschen weiter wachsen, heißt es in einem aktuellen Bericht: „Insbesondere bei den hochaltrigen Menschen ab 80 Jahren steigt die Bevölkerungszahl gegenüber heute ab 2020 deutlich.“ Auch Lennep-Bürgermeister Markus Kötter (CDU) begrüßt deshalb die Pläne. Und freut sich, wenn die alte Möbelhaus-Ruine endlich aus Lennep verschwindet.

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