Remscheid: Eindrucksvolle Erinnerungen

Ausstellung in Remscheid : Eindrucksvolle Erinnerungen

Bis zum 5. Juli ist eine Wanderausstellung von Birgit Mair in der Remscheider Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall zu sehen. Thema sind die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen.

Die Plakate hinterlassen beim Betrachter einen nachhaltigen Eindruck. Zu sehen sind Porträts von Menschen, die nebenan wohnten. Die freundlich, offen und hilfsbereit waren. Menschen, die einen kleinen Gemüseladen betrieben, Inhaber eines Kiosks waren. Menschen, die brutal aus dem Leben gerissen wurden – nur, weil sie ausländische Wurzeln hatten.

Von 2000 bis 2007 tötete die Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, zehn Menschen. Die Neonazis handelten aus rassistischen, fremdenfeindlichen Motiven, verübten 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Banküberfälle. Die Namen des Täter-Trios – Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe – sind fast allen bekannt. Doch die der Opfer nicht. Genau hier setzt die Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ von Diplom-Sozialwirtin Brigit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung Nürnberg an.

Am Dienstag wurde sie in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall eröffnet. Weil über ein halbes Jahr lang nichts über die Opfer in der Presse zu lesen war, entschied sich Mair dazu, die einzelnen Biografien und Schicksale zusammenzustellen. Auch die Angehörigen und Betroffenen kommen zu Wort. Zudem greift die Ausstellung den NSU-Prozess sowie das Versagen von Behörden und Staat eindrücklich auf. Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall, habe nicht lange überlegen müssen, ob die Ausstellung hier stattfinden solle. Aufgabe der Gedenkstätte sei es, durch Aufklärung dafür zu sorgen, dass sich Jugendliche politisch engagieren und sich rechtem Gedankengut entgegenstellen. Die Ergebnisse der EU-Wahl hätten gezeigt, dass das nötiger sei denn je.

Als feige Angriffe auf die Demokratie und Freiheit bezeichnete Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz die NSU-Verbrechen. Rechte Hetze und Antisemitismus, gerade in Sozialen Netzwerken, sei ein „schleichendes Gift“. „Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen die Stimme erheben“, appellierte der OB. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit den einzelnen Schicksalen auseinanderzusetzen“, sagte der Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD). Er ist Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses NRW, der sich vor allem mit den zwei Sprengstoffanschläge in Köln sowie dem Mord in Dortmund beschäftigte.

Durch die Ausstellung führen 28 Schüler des Gertrud-Bäumer- und des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums. Sie haben sich zu Guides ausbilden lassen. „Das waren Menschen genau wie wir“, erklärte Gini (15), was sie an der Ausstellung am meisten berührt und warum sie sich freiwillig gemeldet hat. In ihrer Generation merke man gar nicht, wie sehr sich rechtes Gedankengut verbreite. Umso wichtiger finden es auch Ebru (15) und Aysenur (15), mit der Ausstellung an die Geschehnisse zu erinnern, um eine Wiederholung zu verhindern. Finn (15) interessiert sich vor allem für den Vorgang des NSU-Prozesses. „Die Taten sind nicht irgendwo passiert, sondern in Deutschland“, betonte sie.

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