Remscheid: Ein traditionsreiches Fachgeschäft

Einkaufen in Remscheid : Ein traditionsreiches Fachgeschäft

Im Fachgeschäft von Familie Keller gibt es auf der Alleestraße Pelze und Schmuck. Der Beruf ist Familientradition.

Die Voraussetzungen, unter denen sich die Familie Keller seit nunmehr 60 Jahren an der Alleestraße in der Innenstadt behauptet, sind wahrlich keine einfachen. Zum einen, weil die Einkaufsstraße längst nicht mehr das ist, was sie zur Anfangszeit des Geschäfts war. Zum anderen aber auch, weil eines der Produkte, das die Kellers anbieten, heute gesellschaftlich in einem anderen Licht steht als noch in den 1960er-Jahren.

Marian Keller verkauft in dem Geschäft Pelze. „Früher gehörte das zur Mode einfach dazu. Wie im Sommer der Bikini“, sagt der Kürschnermeister. Der Beruf ist dabei so etwas wie Familientradition. Denn seit nunmehr acht Generationen wird er weitergegeben. Seine Mutter sei die erste und einzige Kürschnermeisterin Deutschlands gewesen, sagt Marian Keller. Und auch sein Sohn Marijan trat in seine Fußstapfen. Er ergänzt das Geschäft seit rund 30 Jahren zudem mit seinem Schmuckgeschäft.

Die harsche und zum Teil aggressive Kritik am Pelzhandel weisen die Kellers zurück. „Die kommt oft von Organisationen, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes Geld verdienen wollen“, sagt Marian Keller. Zumal viele der von Gegnern vorgebrachten Argumente bigott seien. Denn gegen Schuhe, Gürtel oder Taschen aus Leder würde niemand Einspruch erheben. „Aber sobald das Fell noch dran ist und es Pelz heißt, solle es unmoralisch sein“, erklären Kellers.

In ihren Augen ist die Verarbeitung von Tierfellen sogar eine Frage von Nachhaltigkeit. So würden beispielsweise Füchse zur Regulierung der Population ohnehin geschossen, Lämmer für den Fleischkonsum ohnehin geschlachtet und stellten etwa in Australien Opossums eine echte Plage dar und würden deshalb auch bejagt. „Dann ist es doch besser, wenn das Fell verwertet und nicht einfach weggeschmissen wird“, findet Marijan Keller.

Das Remscheider Familienunternehmen beschaffe sich seine Felle bei Großhändlern, mit denen sie seit Jahren zusammenarbeiteten. Das gewährleiste, dass Herkunft und der Prozess der Verarbeitung strenger staatlicher Kontrolle unterliege. Zwar wissen auch die Kellers von schwarzen Schafen in ihrer Branche. Doch schon allein aus wirtschaftlichen Gründen mache es keinen Sinn, Fell von obskuren Tierfarmen für die Pelze zu verwenden. „Ein Tier, das sich nicht wohlfühlt, hat am Ende auch kein schönes Fell. Der Ertrag ist dann am höchsten, wenn es den Tieren gutgeht“, betont Marijan Keller.

Auch wenn Pelze heute nicht mehr so modern seien wie noch in den 1960er-Jahren: Die Kunden, die den Händlern zufolge aus „allen Altersklassen und gesellschaftlichen Schichten“ stammen, wissen das Angebot an der Alleestraße zu schätzen. Das hat auch damit zu tun, dass Marijan Keller das Pelzgeschäft durch sein Schmucksortiment ergänzt. „Jeder Mensch, der Sinn für Ästhetik und das Schöne hat, mag Pelz, aber auch Schmuck“, findet Marian Keller. Sortiment und Kombination seien exklusiv und würden eben auch auf der Alleestraße ein Alleinstellungsmerkmal bedeuten.

Sein Sohn, als Kürschner, Juwelier und Gemmologe ein echter Fachmann auf sämtlichen Gebieten, setzt auf professionelle Beratung. Das gilt sowohl für die Gutachten, die er etwa über Erbstücke der Kunden erstellt, als auch für spezielle Wünsche. „Wenn der Kunde etwas wünscht, das wir nicht vorrätig haben, versuchen wir es zu besorgen“, sagt Marijan Keller. Dieses Herzblut sei auch nötig, um sich als Fachgeschäft an der Alleestraße zu behaupten.

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