Remscheid: Ein Requiem mit opernhaften Zügen

Kultur in Remscheid : Ein Requiem mit opernhaften Zügen

Christoph Spengler und der Mozartchor führen ein Werk des Österreichers Franz von Suppè in der Lutherkirche auf. Das russische Staatsorchester aus Kaliningrad begleitet die Aufführung.

Franz von Suppè (1819 - 1895) gehört zu den Außenseitern der Musikgeschichte. Er war ein Workaholic, musikalisch hochbegabt, und er brachte das Genre der Wiener Operette hervor. Das damalige Publikum liebte seine wiegenden Melodien im Dreivierteltakt, bis er in der NS-Zeit verboten wurde und danach in Vergessenheit geriet.

Dass der Wiener auch ein Requiem geschrieben hat, überraschte selbst Kirchenmusikdirektor Christoph Spengler. Es sei reiner Zufall gewesen, dass er auf dieses Werk stieß, erzählt er. Bis in die 90er-Jahre galt es als verschollen. Da Spengler ein Verehrer der romantischen Musik ist, war für ihn schnell klar, dieses Werk zum ersten Mal in Remscheid aufführen zu wollen. Ungewöhnlich an Suppès Requiem sei, dass es viele opernhafte Züge aufweist. „Mit seiner Musik war er auf dem Weg zu Verdi“, sagt Spengler.

Die Aufführung in der Lutherkirche versteht sich nicht als Ausgrabung eines Werkes. Im Gegenteil. Alles akademisch Verdrehte und pädagogisch Aufgesetzte liegen Spengler und seiner Kollegin Ursula Wilhelm (City-Kirche) fern. Sie wollen allen Besuchern die Schwellenangst zu dieser Musik nehmen und mit einer Einführung auf vergnügliche Art auf das Konzert aufmerksam machen. Anekdoten, ein lockerer Plausch, ein paar Tonbeispiele sollen am Freitag, 15. November, Vorfreude auf Suppè wecken.

„Die Musik bringt ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Ursula Wilhelm. Alles habe eine dramatische Note. Fünf Jahre schrieb der Komponist der leichten Muse an diesem Requiem. Der frühe Tod seines Förderers Franz Pokorny regte Suppè zu dieser Trauerarbeit an. In acht Proben muss die Aufführung sitzen. Die Mitglieder des Mozartchores haben bereits fünf Proben hinter sich.

„Jetzt kommt noch der Feinschliff“, sagt Spengler. Die Aufführung des Requiems gehört zu der Reihe von Chorprojekten, die Spengler schon seit mehreren Jahren anbietet. „Viele Sängerinnen und Sänger wollen sich nicht auf eine Probe pro Woche festlegen“, sagt er. Aber ein Projekt mit dreistündigen Proben am Samstag – daran finden viele Gefallen. Bei der Aufführung steht ein Chor mit 80 Frauen und Männern in der Lutherkirche. Zur Vorbereitung verschickt der Dirigent die einzelnen Stimmen auf CD an die Chormitglieder. So kann bereits beim ersten Treffen mehrstimmig gesungen werden. Der Chorleiter erzählt von einer Sängerin, die keine Noten lesen kann, sich aber im Auto wieder und wieder die Passagen anhört und einübt. „Ich habe Respekt vor so einem Engagement“, sagt Christoph Spengler.

Gesungen wird in lateinischer Sprache, wie es sich für ein Requiem gehört. Spenglers Musiker-Freunde aus Kaliningrad bilden ein Orchester mit 40 Musikerinnen und Musikern. Das eingespielte Team aus dem Dirigenten und dem russischen Staatsorchester eröffnet den Abend mit Beethovens Coreolan-Ouvertüre. Ein Ausblick auf nächstes Jahr. Dann feiert die Musikwelt den
250. Geburtstag des Komponisten.

Den 200. Geburtstag von Suppè hätte man in diesem Jahr feiern können. Aber Suppè steht heute weiter im Schatten seines Konkurrenten Jacques Offenbach.

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