Remscheid: Ein neuer Platz an der Sonne

Wirtschaft in Remscheid : Ein neuer Platz an der Sonne

Das Unternehmen enerix Remscheid, Spezialist für alternative Energietechnik, baut auf dem Gelände der früheren Kipper-Brauerei in Remscheid westlich der Haddenbacher Straße.

Der Tipp kam von einem Kunden: Auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Kipper sei noch ein rund 1200 Quadratmeter großes Grundstück frei, erzählte Stefan Grote, als er eine Photovoltaik-Anlage für seinen neuen Firmensitz bestellte. Pascal Postler und Julian Kirsch horchten auf.

Ähnlich wie Grote, der Ersatzteile für Maschinen, Motoren und Anlagen liefert, sind auch die beiden jungen Männer auf Expansionskurs. Und mit den Solar-Paneelen, die das 1000 Quadratmeter große Dach der Grote-Halle bedecken, hätten sie gleich ein Referenzobjekt vor der Haustür.

Während Stefan Grote kurz vor dem Einzug steht, stecken Postler und Kirsch aber noch in der Planung. Rund 300 Quadratmeter groß soll ihre Halle direkt am Eingang des neuen Gewerbeparks werden.

180 Quadratmeter soll das „repräsentative“ Bürogebäude mit Dachterrasse bieten. Ein großer Unterschied zu den eher bescheidenen Räumen, die das junge Team in der Technologiefabrik an der Berghauser Straße nutzt. „Als ich im September 2014 Franchisepartner von enerix wurde, habe ich rund 200.000 Euro umgesetzt“, blickt Pascal Postler zurück. „2015 waren es schon 480.000 Euro, und im letzten Jahr dann 1,7 Millionen Euro.“ Im Juni 2018 wurde aus dem Einzelunternehmen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Julian Kirsch, der zwei Jahre zuvor als Werkstudent zu enerix gekommen war, wurde ebenfalls Inhaber.

Die Chefs ergänzen sich gut: Pascal Postler (31) ist gelernter Elektrotechniker und Betriebswirt, Julian Kirsch (27) ist Bankkaufmann. Zum Team gehören außerdem zwei Mitarbeiterinnen, ein Werkstudent und seit dem 6. Januar dieses Jahres ein Elektriker. Weitere werden gesucht.

Das Geschäftsmodell? „Wir liefern Konzepte und schlüsselfertige Speziallösungen“, sagt Postler: „Wir haben bisher 250 Anlagen gebaut.“ Neun von zehn gingen an Privatleute in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern.

Die meisten Anlagen haben einen Stromspeicher, jede zweite oder dritte inzwischen auch eine private oder halböffentliche Ladestation bis 22 Kilowatt. Postler: „Das Land fördert sie extrem.“

„Die Kunden wollen den Strom selbst nutzen“, wissen die Inhaber. „Die Kernfrage ist: Wie verteile ich die Energie intelligent im Haus? Die Anlage rechnet sich nach zehn oder elf Jahren, obwohl die Einspeisevergütung sinkt.“ Dass sie bei Anlagen, die vor 20 Jahren errichtet wurden, ganz wegfällt, sehen Postler und Kirsch als Chance für ihr Unternehmen: Sie wollen Großspeicheranlagen anbieten. „Da sehen wir unsere Zukunft.“ Die Spezialisten für alternative Energietechnik bauen nur Lithium-Eisenphosphat-Batterien ein. „Die brennen und explodieren nicht.“

Wettbewerbsvorteil der Firma sei ihre Spezialisierung. Postler: „Wir leben davon, dass eine Photovoltaik-Anlage nicht zu standardisieren ist. Da werden von manchen Anbietern falsche Erwartungen geweckt. Wir sind nicht die Billigsten, erforschen aber ständig den Markt und liefern vernünftige Komponenten.“

Kirsch: „Wir können uns nicht nur bei den Systemlieferanten, sondern auch am Markt bedienen. In der Region haben wir mit einigen Herstellern Exklusivverträge.“ Zum Service gehört auch die Beratung über Versicherungen und Stromlieferverträge. Last but not least: „Ich darf die Anlage selbst abnehmen“, betont Postler: „Das ist ein Riesenwettbewerbsvorteil.“

Dass der Neubau der Postler und Kirsch GbR eine Photovoltaik-Anlage (100 kW) erhält, versteht sich. „Das Gebäude soll möglichst autark werden“, erläutert Pascal Postler: „Über die Anlage kann man das Haus auch klimatisieren.“ Einziehen möchte er „am liebsten so schnell wie möglich“ – am besten schon Ende August, Anfang September. Dann soll es auch eine halböffentliche Ladestation für Elektrofahrzeuge geben.