Remscheid: Ein neuer Blick auf den Honsberg

Projekt in Remscheid : Ein neuer Blick auf den Honsberg

Spanisches Planungsbüro sucht in einer Aktionswoche Strategien für den Stadtteil.

Seit rund fünf Jahren verspürt Hans-Joachim Behrendt, Geschäftsführer der gemeinnützigen Remscheider Wohnungsbaugesellschaft Gewag, „Aufbruchstimmung am Honsberg“. Im einst als „Bergisch Moskau“ bekannten Arbeiterviertel, in dem die Gewag vor 101 Jahren ihr erstes Büro hatte und wo sie fast 550 Wohneinheiten vermietet, ist etwas in Bewegung geraten. Der Bau des Stadtteilzentrums Neuer Lindenhof und vor allem das Engagement der Künstlerinitiative „Ins Blaue“ bringen dem Stadtteil neue Aufmerksamkeit, locken eine andere Zielgruppe ins Quartier.

Für einen nachhaltig spürbaren Imagewandel des Honsbergs aber hat das noch nicht ausgereicht, sagt Behrendt. „Es bedarf noch anderer Impulse.“ Die soll eine Werkstatt-Woche liefern, die nach Karneval stattfindet. Aus Spanien reisen dann drei Mitarbeiter des Planungsbüros Taller der Casqueria aus Madrid an. In einer offenen Stadtteil-Werkstatt wollen sie zwischen dem 11. und 17. März zusammen mit Bewohnern, Vereinen und Initiativen aus dem Stadtteil eine „Honsberg-Strategie“ entwickeln.

Die Ziele sind im Konzept der Spanier, die sich im Auswahlverfahren gegen Büros aus der Türkei und Österreich durchsetzten, hoch gesteckt. Gesucht werden Konzepte für eine bauliche Erneuerung des Stadtteils. Und die soll, so die Vorstellung der Spanier, aus dem Stadtteil heraus erfolgen – und damit zugleich Beschäftigung in diesem Stadtteil mit hoher Arbeitslosigkeit schaffen. Heißt praktisch: Die Honsberger planen ihren Stadtteil erst auf dem Papier um und greifen dann selber zum Hammer. In ihrem Konzeptpapier haben sie dafür das Projekt der „Honsberger Gilden“ geprägt.

Eine Woche, das klingt kurz für solche ein Projekt. Die Spanier werden die Ergebnisse der Werkstatt dokumentieren und an Remscheid übergeben, sagt Johanna Debik von der gemeinnützigen Montag-Stiftung Urbane Räume aus Bonn, die das Projekt finanziell fördert. Die Stiftung investiert in Immobilien, um damit Impulse für die Stadterneuerung zu geben. Hier sollen dann Projekte entstehen, von denen die Gemeinschaft profitiert. In Wuppertal läuft ein solches Projekt in einer alten Textilfabrik. Auch am Honsberg erkennt Debik Potenzial für die sinnvolle Investition von „Initialkapital“, wie es bei der Stiftung heißt.

Erstes sichtbares Zeichen der Werkstatt-Woche soll eine Lichtinstallation sein, bei der die Bewohner zum Mitmachen aktiviert werden. Die Gäste aus Spanien verteilen dazu während ihres Aufenthalts blaue Leuchtmittel an alle, mit denen sie in Kontakt treten. Am Ende des Besuchs soll der Honsberg in blaues Licht getaucht werden.