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Remscheid: Ein Museum zum Anfassen

Serie Museumsspaziergänge : Ein Museum zum Anfassen

Seit 1997 wird im Tuchmuseum in Lennep die Geschichte des Tuchmacherhandwerks im Bergischen Land wieder lebendig. Hervorgegangen ist es aus dem Firmenmuseum Johann Wülfing & Sohn.

Auf den ersten Blick ist es nur eines von vielen schönen alten Gebäuden am Rande der Lenneper Altstadt. Gegenüber des Röntgenmuseums an der Hardtstraße weist nur ein Banner am Treppengeländer darauf hin, dass sich hinter der Tür ein museales Kleinod befindet: das Tuchmuseum Lennep. Gegründet wurde das Museum 1997, es ist aus dem Firmenmuseum der ehemaligen Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn hervorgegangen. Der Eintritt ist frei, lediglich für die Führungen wird ein Entgelt erhoben.

Denn das Museum finanziert sich über die Anna-Hardt-Stiftung. „Die Stiftung wurde erstmals 1838 erwähnt. Über die Jahre geriet sie in Vergessenheit, ehe sie dann tatsächlich für die Finanzierung des Tuchmuseum eingesetzt werden konnte“, sagt Franz von Wismar, der schon seit der Einweihung des Museums mit dabei ist. Unterstützt wird er seit drei Jahren von Ulrich Kühn vom Museumsverein Wülfing.

Denn natürlich überschneiden sich die beiden Einrichtungen – das Wülfing-Museum in Radevormwald und das Lenneper Tuchmuseum – thematisch. Es gibt zwischen den beiden eine enge Zusammenarbeit, wie von Wismar ergänzt: „Man hilft und unterstützt sich gegenseitig. Und die beiden Museen ergänzen einander auch sehr gut.“ Bei der Einweihungsfeier sind Vertreter der beiden Städte Remscheid und Radevormwald mit dabei gewesen.

Allerdings gibt es natürlich Unterschiede. So ist das Wülfing-Museum wesentlich mehr von der Industriekultur geprägt, es gibt große und noch funktionstüchtige Maschinen in den ehemaligen Produktionsstätten zu sehen. Das Tuchmuseum hingegen liefert auf einer Etage in sechs Räumen einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung dieses wichtigen Industriezweigs des Bergischen Landes.

Es sei ein Museum zum Anfassen, das betonen sowohl von Wismar als auch Kühn bei unserem Rundgang. Beide sind ausgemachte Experten auf dem Gebiet der Textilindustrie im Bergischen. So schaffen sie es, eine Führung zu einer lebendigen Rundreise durch die Textilgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts werden zu lassen. „Wir haben viele Dinge, die die Besucher anfassen können. Wir haben etwa einen Webstuhl im Kleinen, so dass man das Weben nicht nur theoretisch verstehen, sondern auch praktisch begreifen kann“, sagt Kühn. Von Wismar ergänzt: „Es gibt auch unterschiedliche Proben, von der einfachen unbehandelten Wollfaser bis zur Mustermappe mit verschiedenen Stoffen und Tüchern.“

Das Tuchmuseum beschäftigt sich mit der Geschichte. Also gibt es auch jede Menge historischer Dokumente oder Urkunden. „Aber auch einen Überblick über die soziale Verantwortung der Unternehmer, die in der Fürsorge für die Arbeiter resultierte, die ihrer Zeit weit voraus war“, sagt Kühn. Interessant ist auch der Raum, in dem die weltweite Vernetzung der Firma Johann Wülfing & Sohn zu betrachten ist. Denn dadurch wird deutlich, wie die Globalisierung in einer Zeit funktioniert hat, als es dieses Wort noch gar nicht gegeben hat. „Ein anderer wichtiger Bereich ist die Qualitätssicherung gewesen. Dafür haben wir einen Apparat, der verschiedenes Licht bietet, unter dem die Stoffe begutachtet werden können“, sagt Kühn.

Die dritte Etage im Gebäude ist weitläufig, man sollte sich für die Betrachtung der Ausstellung Zeit mitbringen. Liebevoll sind die Ausstellungsstücke in thematisch passender Reihenfolge aufgestellt, so dass der Besucher tatsächlich auf gänzlich analoge Art und Weise eine Zeitreise unternehmen kann. Nun, nicht ganz analog. In den Räumen befinden sich Infoboxen, über die man in gesprochener Form Informationen abhören kann und im letzten Raum, in dem es um Mode im Laufe der Jahrhunderte geht, kann man sich auch einen kleinen Film ansehen.

Ergänzt wird das Museum durch einen Flur, in dem wechselnde Sonderausstellungen sind. „Im Moment gibt es eine über 200 Jahre Wasser in Lennep“, sagt Kühn. Im Tuchmuseum kann man übrigens auch Geburtstag feiern. „Wir haben einen Raum, in dem regelmäßig Webkurse angeboten werden. Dieser Raum kann auch für Feiern oder Vereinsausflüge gemietet werden“, sagt von Wismar.