Remscheid: Ein moderner Kirchenbau

Gotteshäuser in Remscheid : Ein moderner Kirchenbau

St. Engelbert in Vieringhausen ist die wohl modernste katholische Kirche in Remscheid. Sie wurde erst im Jahr 1990 geweiht.

Kirchen, zumindest als Gebäude, gehen ganz eindeutig mit der Zeit. Das lässt sich natürlich vor allem an der Architektur festmachen. Ein wunderschönes Beispiel für moderne und gleichzeitig Würde ausstrahlende Kirchenarchitektur ist die Vieringhauser Kirche St. Engelbert, die ab 1989 vom Düsseldorfer Architekten Wilhelm Dahmen erbaut worden ist. Stellt man sich hinter den Altar, kann man ganz schnell nachvollziehen, was Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster meint, wenn er sagt: „Was mir an St. Engelbert so gut gefällt, ist die runde Anordnung.“

Und in der Tat, der Altar ist genau mittig positioniert, links und rechts sind dicke Säulen. Und wie ein ebenes Amphitheater ziehen sich die Sitzreihen im Halbrund nach hinten. Es muss ein erhabenes Gefühl sein, hier zu stehen und eine Messe zu zelebrieren. „Diese nachkonziliare Anordnung ist tatsächlich die einzige in Remscheid, die nicht erst nachträglich geschaffen werden musste. In St. Engelbert ist die Gemeinde um den Altar versammelt und kann so den Gottesdienst auch direkt in Gemeinschaft feiern“, sagt Kaster.

Den Altar krönt ein Kreuz des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim. „Der Künstler hat in Düsseldorf einige Kreuze gestaltet, unter anderem das Großkreuz zum Katholikentag 1982, das am Turm der Rochuskirche in Düsseldorf hängt und dem in Auschwitz ermordeten Franziskanerpater Maximilian Kolbe gewidmet ist“, sagt Kaster.

Die Kirche St. Engelbert ist 1990 geweiht worden, die ihr zugehörige Gemeinde ist indes wesentlich älter. „Über viele Jahrzehnte hat es in Vieringhausen einen Behelf gegeben, in dem Gottesdienste gefeiert wurden“, sagt der Stadtdechant. Es sei dem langen Atem und dem großen Engagement der Gemeindemitglieder zu verdanken, dass es zum Neubau kam. „Und das in einer Zeit, in der kaum noch neue Kirchen erbaut wurden“, sagt Kaster.

Überhaupt ist hier in St. Engelbert alles neuer, moderner und ein wenig anders als in den übrigen katholischen Kirchen im Stadtgebiet, die zudem alle älter sind. So gibt es ausschließlich in Vieringhausen ein Beichtzimmer anstelle der üblichen Beichtstühle. „Man kann hier also ein Beichtgespräch von Angesicht zu Angesicht führen, wenn man das will. Genutzt wird das hauptsächlich von der Remscheider polnischen Gemeinde, die nach der Entweihung von St. Bonifatius hier eine neue Heimat gefunden hat“, sagt Kaster. Traditionell werde in polnischen Gemeinden das Sakrament der Beichte noch verstärkt genutzt.

Auch sonst seien die polnischstämmigen Gläubigen in St. Engelbert sehr aktiv. „So haben sie etwa ein Madonnenbild aus St. Bonifatius mitgebracht. Es zeigt die Muttergottes von Tschenstochau, einem polnischen Wallfahrtsort“, sagt der Stadtdechant. Da es stilistisch nicht so ganz zum modernen Bild der Vieringhauser Kirche gepasst habe, sei es etwas seitlich platziert worden. „Es gibt aber insgesamt eine sehr schöne und fruchtbare Zusammenarbeit mit der polnischen Gemeinde. Das zeigt sich übrigens auch in anderen Remscheider Gemeinden, etwa mit der italienischen oder der kroatischen Gemeinde“, sagt Kaster.

Diese Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg sei etwas, das er an der katholischen Kirche besonders schätze, sagt der Stadtdechant. „Das zeigt sich auch in der Jugendarbeit, die in St. Engelbert genauso schwierig ist wie in den anderen Gemeinden.“ Aber dennoch habe sich ein kleiner Kreis von aktiven Jugendlichen gefunden – deutschen wie polnischen –, die seit einiger Zeit die Sonntagabendmesse als Jugendmesse mitgestalten.

Eine weitere Besonderheit, auch diese wiederum sehr modern, sind in St. Engelbert die schmalen, hohen Fenster. „Als ich im Jahr 2000 hier nach Remscheid kam, waren die Fenster noch ganz normale Glasfenster“, sagt Kaster. Das habe sich jedoch schnell geändert. Denn die acht rückseitigen Fenster und die zwei im Altarraum wurden von Professor Johannes Schreiter mit ungegenständlichen Glaskompositionen verziert.

Die modern gestalteten Fenster erschließen sich dem Betrachter erst bei näherem Hinsehen. Gegenständlicher und konkreter ist da schon der schlichte, aber dennoch sehr schöne Kreuzweg, der vom Kölner Künstler Egino Weinert gestaltet wurde.

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