Remscheid: Ein Assistenzhund für Jan

Erfolgreiche Spendenaktion in Remscheid : Ein Assistenzhund für Jan

Remscheider haben etwa 26.000 Euro für den vierjährigen Jan gespendet, der an einer seltenen Form des Muskelschwunds leidet. Der Welpe, ein Großer Schweizer Sennenhund, zieht am Valentinstag ein.

Alle Zeichen stehen auf Glück: Etwa ein Jahr, nachdem die Remscheider rund 26.000 Euro für den an einer seltenen Form des Muskelschwunds erkrankten Jan G. gespendet haben, erhält der Vierjährige endlich seinen benötigten Assistenzhund. Ein Großer Schweizer Sennenhund soll es sein.

Nach einer langen Odyssee mit vielen Rückschlägen hat die Familie nun ihren vierbeinigen Glücksbringer gefunden. „Ich sitze hier ein wenig ungläubig vor meinem PC. Spüre Feuchtigkeit auf meinen Wangen. Es sind Freudentränen“, teilte Vater Jens G. (33) kurz vor Weihnachten auf der Facebook-Seite „Expecto patronum: Jan FC zwingt das Glück“ mit.

Die Familie durfte ihr neues Familienmitglied bereits in Hückelhoven im Kreis Heinsberg besuchen. „Als ich Jans leuchtende Augen, sein Lächeln sah, als er vor Ort die tobenden Welpen beobachtete, ging mir das Herz auf“, sagt Jens G.

Für ihn hat die Glückshund-Geschichte gleich mehrere gute Omen: Die Mutter heiße April – der Geburtsmonat von Jens G. Und die Züchter seien in der Nähe. Das ist gar nicht so leicht, denn nur wenige züchten diese Rasse in Deutschland. Züchter-Familie Krybus ist auch noch FC-Fan, genauso wie die gesamte Familie G., die in Köln-Porz lebt, aber aus Remscheid stammt. Noch heute haben Jens und Heike G. (39) viele Freunde, die sie hier besuchen, halten Kontakt zu Vereinen wie Wildschütz Aue und den Footballern vom Amboss.

Am Valentinstag, 14. Februar, dem Hochzeitstag von Jens G. und seiner Frau Heike, zieht der kleine Glücksbringer dann schließlich bei der Familie ein. Aus dem Wurf von neun Welpen wird es eine Hündin werden, das steht schon fest. Welche, entscheidet sich am kommenden Sonntag. Auf der Facebookseite sucht die Familie nun einen Namen für die Hündin.

All das zusammen gibt dem Familienvater ein Stück Hoffnung für die Zukunft – denn die fortschreitende Erkrankung des kleinen Jan und seiner Frau Heike, die an einer lähmenden Erkrankung des Nervensystems leidet, ist nicht aufzuhalten. Durch die myotone Muskeldystrophie Typ 1 werden sich Jans Muskeln zurückbilden. Auch Heike leidet unter demselben, erblichen Gendefekt. Der Alltag wird also künftig zunehmend schwerer.

Hier soll der Große Schweizer Sennenhund helfen. Denn der Hund soll den erkrankten Jungen künftig überall hin begleiten, hauptsächlich zu Arzt- und Therapiegängen, ihm einen Stuhl hinschieben, wenn er fällt, damit er sich hochziehen kann, und Mutter Heike die Einkäufe nach Hause tragen.

„Meiner Frau und dem Kleinen fehlt die Kraft. Der Hund wird künftig ein Geschirr tragen, mit dem er Taschen transportieren kann“, erklärt Jens G. die Aufgaben des Vierbeiners im Haushalt. Kleinere Dinge wird die Große Schweizer Sennenhündin auch in ihrem Maul tragen können.

Bis es soweit ist, muss das Tier, das ausgewachsen rund 60 Kilogramm wiegt und eine Lebenserwartung von etwa zwölf Jahren hat, aber noch ausgebildet werden. Familie G. hat sich dazu entschieden, dass die Hündin bei ihr zu Hause in Porz aufwächst und eine Trainerin das Tier zum Assistenzhund ausbildet – sanft und ohne Bestrafung.

Anderthalb bis zwei Jahre dauert diese spezielle Ausbildung, die nur dank der enormen Spendenbereitschaft der Remscheider möglich wurde. Dafür ist die Familie sehr dankbar.

Die Eltern von Jens G. haben mittlerweile ihr Haus in Remscheid verkauft und sind mit in das Haus nach Porz gezogen, um der Familie zu helfen. „Meine Mutter arbeitet noch in Teilzeit in Remscheid und pendelt jeden Tag“, erzählt Jens G., der kürzlich eine verantwortungsvolle Position in der Verwaltung angetreten hat. Dadurch und weil das nötige Geld fehlt, verzögert sich der Hausumbau weiter. Es soll behindertengerecht werden. Der Kostenpunkt: immer noch etwa 180.000 Euro. „Wir baden Jan im Kellerraum in einer provisorischen Wanne. Wir haben einen Lift, der vom Erdgeschoss in den Keller führt.“ Noch immer hat das Ehepaar kein Elternschlafzimmer. „Wir teilen uns mit unserem Sohn das Kinderzimmer.“

Auch ein neues Auto wird nötig sein. Die Assistenzhündin soll schließlich überall mit hinfahren. Dazu die Gehhilfen, ein Buggy, Taschen – es muss schon ein Bus sein, sagt Jens G. Von der Hundesteuer befreit ist die Assistenzhündin der Familie übrigens nicht. Die Regel in Köln: „Erst bei einem Grad der Behinderung von 100 Prozent“, erklärt Jens G. Seine Frau habe 90, Jan
80 Prozent. Aber auch davon lässt sich die Familie nicht entmutigen. Schließlich haben sie nun einen Glücksbringer an ihrer Seite.