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Remscheid: Ehrenamtszentrale „Brücke“ löst sich auf

Ehrenamtsvermittlung in Remscheid : „Die Brücke“ löst sich auf

Die Freiwilligenzentrale „Die Brücke“ beendet nach 14 Jahren Ehrenamtsvermittlung ihre Arbeit. Mit dem Ende soll ein Neuanfang verbunden sein: Mit der Stadt, weiteren Vereinen und Institutionen wollen die Akteure über neue Wege ins Ehrenamt nachdenken.

Etwas über 700 Menschen haben in den vergangenen 14 Jahren über die Freiwilligenzentrale „Die Brücke“ ein Ehrenamt gefunden, in dem sie sich zur beruflichen Orientierung oder in ihrer Freizeit oder als rüstige Rentner einbringen konnten. Von diesem Engagement profitiert haben im Laufe der Jahre insgesamt 110 Organisationen, die durch die Vermittlung der Brücke einige ihrer rund 200 Einsatzstellen besetzen konnten. Die Ehrenamtsvermittlung, eine Idee, die 2009 in Form eines Vereins „als Kind der Gemeinschaft“ das Licht der Welt erblickte – getragen durch die Wohlfahrtsverbände und Kirchengemeinden sowie einigen Einzelpersonen und weiteren Institutionen. Relativ schnell konnte der junge Verein Erfolge feiern. Doch nun verkünden Vorstandsmitglieder das überraschende Ende.

Auslöser für die Auflösung seien keine internen Querelen oder Streitigkeiten gewesen, „wie vielleicht sonst in solchen Fällen möglich“, betont Martin Rogalla, Pfarrer der City-Kirche und Gründungsmitglied der Brücke. Auch finanzielle Sorgen oder gar ein signifikanter Rückgang des Ehrenamts seien nicht die Gründe für diesen Schritt. Vielmehr seien es überalterte Strukturen, mangelnde Digitalisierung und nicht zuletzt eine Pandemie, die die Brücke seit nunmehr bald zwei Jahren komplett lahmlegt.

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Seit dem Frühjahr 2020, berichtet Christa Hellmann, die bis zur Vereinsauflösung vergangenen Montag zweite Vorsitzende des Vereins war, hätten aus Hygieneschutzgründen keine Vermittlungsgespräche mehr in der Brücke stattgefunden. Und als es dann möglich gewesen wäre, stand das Büro an der Alten Bismarckstraße durch einen Rohrbruch unter Wasser, ergänzt Rogalla. Doch die Vermittlungsgespräche waren auch schon vor Corona rückläufig, wie die Jahresberichte offenlegen: Den Höhepunkt erreichte der Verein ein Jahr nach seiner Gründung 2010 mit 83 Vermittlungsgesprächen. Seitdem hatte es sich bei rund 70 Vermittlungen im Jahr eingependelt und ging ab 2016 immer weiter zurück bis zum letzten Jahresbericht 2019, wo lediglich 46 Vermittlungen durchgeführt wurden. „Dann kam Corona, seitdem gab es keine Vermittlungen oder Jahresberichte“, stellt Hellmann klar.

Die rückläufigen Zahlen, das betonen auch die übrigen Vorstandsmitglieder wie Ralf Noll und Florian Schäfer, hätten nichts mit mangelndem Interesse an ehrenamtlichem Engagement zu tun. „Die Menschen nutzen heute einfach andere Wege, um ein Ehrenamt zu bewerben oder zu finden“, sagt Hellmann, „zum Beispiel digital.“ Wer heute einem Ehrenamt nachgehen will, informiere sich online. Ein Werkzeug, dass der Brücke beispielsweise fehlt. „Unsere Strukturen sind überaltert. Die Digitalisierung setzt eine andere Ehrenamtsorganisation voraus, die wir mit unseren Mitteln und Kräften nicht leisten können“, äußert Rogalla.

Außerdem, das hätte der Vorstand in den Jahren aus eigener Erfahrung festgestellt, „gibt es kein Ehrenamt ohne Hauptamt“, erklärt der Pfarrer. Eine hauptamtliche, verlässliche Stelle, die alles organisiert und koordiniert. Eine solche Stelle könne sich der Verein, der sich hauptsächlich aus Spenden finanziert, nicht leisten.

Deswegen hätten die Verantwortlichen vor einiger Zeit schon das Gespräch mit der Stadt gesucht, um die Ehrenamtsvermittlung auf ein breiteres Fundament zu stellen. Dort habe man ihnen Bereitschaft signalisiert. „Auch deswegen mussten wir jetzt zwar schweren Herzens, aber mit großer Hoffnung die Brücke auflösen, um den Weg für eine neue Anlaufstelle zu schaffen.“