Remscheid: Ehrenamt ist kein Irrenamt

Tötter-Runde in Remscheid : Ehrenamt ist kein Irrenamt

Bei der Tötter-Runde, zu der der Kulturkreis des Lüttringhauser Heimatbundes am Donnerstagabend eingeladen hatte, drehte sich alles ums Thema Ehrenamt. Sprüche wie „Ehrenamt ist Irrenamt“ wollte niemand unterschreiben.

Wenn alle Ehrenamtler einmal für eine Woche streiken würden? Wenn dann die Stadtteilbücherei geschlossen bliebe, bei der Feuerwehr niemand anzutreffen sei, die Sportstunden im Verein ausfielen, würde dann das Ehrenamt mehr Beachtung und Ansehen finden?

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Nettekoven stellte beim „Töttern im Rathaus“ am Donnerstagabend diese Idee in den Raum. Bei der Tötter-Runde, zu der der Kulturkreis des Lüttringhauser Heimatbundes eingeladen hatte, ging es ums Ehrenamt. „Kommerz olé – Ehrenamt ade?“ war der etwas provokante Titel.

Die Bedeutung des Ehrenamtes wurde am Sport, besonders am Fußball, festgemacht. Dafür sorgten die Teilnehmer der Veranstaltung: Peter Frymuth, Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Ralf Niemeyer, 2. Vorsitzender des FC Remscheid, Jens Nettekoven, der sportpolitische Sprecher seiner Fraktion und ehrenamtlich engagiert im Deutschen Ringer-Bund ist, und Gerd Kirchhoff, Vorsitzender des FC Klausen.

Für den vor kurzem gestorbenen Leiter des Kulturkreises, Volker Beckmann, hatte Thorsten Greuling mit viel Fingerspitzengefühl die Gesprächsführung an dem Abend übernommen. Alle in der Runde stimmten überein, dass der Sport und besonders auch der Fußball von der Tätigkeit unzähliger Ehrenamtler abhängt.

Die Kinder und Jugendlichen müssten betreut werden, „Kümmerer“ nannte Kirchhoff sie. Der Fußballplatz müsse im Wohnquartier bleiben und zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbar sein. Nur so könne der Fußball mit den vielen anderen Freizeitangeboten konkurrieren. Der FC Klausen brauche dringend einen Platz mit Kunstrasen, der alte Ascheplatz blockiere mitunter die Entwicklung, weil ängstliche Mütter ihre Kinder nicht darauf kicken lassen oder weil junge Trainer absagen.

Den vielen Ehrenamtlern im Sport gehe es nicht ums Geld, darin waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. Sie wollten Anerkennung, sie wünschten sich häufig bessere Rahmenbedienungen für ihre Tätigkeit wie etwa neu Duschräume, aber nur selten materielle Vorteile.

Eine Anregung aus dem Publikum, langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten durch Rentenpunkte zu honorieren, wurde positiv aufgenommen. Auch der neue DFB-Präsident Fritz Keller habe bei seiner Antrittsrede über diesen Punkt gesprochen, erinnerte Peter Frymuth an der Stelle.

Jens Nettekoven, der finanziellen Zuwendungen für Ehrenamtler skeptisch gegenüberstand, fand diese Anregung eines Gastes zumindest sehr überlegenswert. Alle vier Töttergäste kommen aus Familien, in denen das Ehrenamt und der Verein Tradition haben. Sie wollen ihrem Sport, ihrem Verein durch ihr Engagement etwas zurückgeben.

Auch Ulla Wilberg, die neue Vorsitzende des Kulturkreises, sprach von der gesellschaftlichen Bedeutung. „Da werden Freundschaften fürs Leben geknüpft,“ sagte sie. Sprüche wie „Ehrenamt ist Irrenamt“ wollte in der Gesprächsrunde niemand unterschreiben. „Ein bisschen verrückt muss man für so etwas vielleicht sein,“ meinte Niemeyer, „aber das kann ja auch Spaß machen.“