Remscheid: Dr. Neveling warnt vor der Grippe

Remscheider Gesundheitsamtsleiter : Dr. Neveling warnt vor der Grippe

Dr. Frank Neveling rät jetzt zur Grippeimpfung.

Die Prognose ist düster, doch auch diesmal überleben bis zu 40 Remscheider, Wuppertaler und Solinger die kalte Jahreszeit nicht. Die Verstorbenen, die Dr. Frank Neveling, Leiter des Remscheider Gesundheitsamtes, in den Wintermonaten zur Obduktion im Bergischen Krematorium in Wuppertal-Vohwinkel auf den Seziertisch bekommt, sind Opfer der Grippe oder einer Folgeerkrankung, zum Beispiel einer Lungenentzündung.

Neveling rät deshalb jetzt zur Impfung. Zwar setze die Grippewelle in Deutschland meist erst nach der Jahreswende ein. Da der Impfschutz aber erst nach zehn bis zu 14 Tagen vollständig aufgebaut ist, sei eine Impfung im Oktober oder November optimal, sagt der Mediziner.

Anders als im Vorjahr sollte der von den Pharmafirmen produzierte Impfstoff diesmal ausreichen. Zum bundesweiten Gebrauch hat das Paul-Ehrlich-Institut im südhessischen Langen bereits 16,5 Millionen Dosen freigegeben. Bis Ende November sollen weitere Chargen folgen. In der gesamten Vorsaison waren es nur 15,7 Millionen.

Das war deutlich zu wenig. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung nahmen in der Saison 2018/2019 allein im Rheinland annähernd 1,1 Millionen Menschen die Grippeschutzimpfung in Anspruch. In den Jahren davor waren es zwischen 985.000 und 990.000.

Als ein Grund für den Anstieg gilt der Umstand, dass die gesetzlichen Krankenkassen 2018 erstmals die Kosten für den erweiterten Vierfachimpfstoff übernommen haben. Zuvor musste selbst zahlen, wer sich gegen vier statt nur gegen drei Grippestämme schützen wollte.

Die Folge: In Apotheken und Arztpraxen wurde das Serum knapp. Wie viele seiner Kollegen musste auch Guido Dasbach, Chef der Vieringhauser Apotheke, deshalb zahlreiche Kunden vertrösten. Weil die Hersteller auch nicht nachproduzierten, gingen viele Remscheider leer aus. Einige haben daraus vermutlich ihre eigenen Schlüsse gezogen. Bereits nach den Sommerferien fragten in der Vieringhauser Apotheke die Ersten den Impfstoff in den Apotheken nach.

Die Krankenkassen sehen die gestiegene Impfbereitschaft grundsätzlich positiv. Schließlich geht es im schlimmsten Fall um Leben und Tod, sagt Oliver Hartmann, Leiter der AOK-Regionaldirektion Rheinland-Hamburg. Sie betrachten die steigenden Kosten darüber hinaus als Investition in die Zukunft. „Man stelle sich nur einmal die Folgen einer Pandemie vor“, sagt er. Vor einer solchen Epidemie weltweiten Ausmaßes warnt Gesundheitsamtsleiter Neveling seit Jahren. Ein bisher unbekannter Grippevirus, gegen den es noch keinen Impfschutz gibt, dürfte vielen Menschen zum Verhängnis werden. 2009 brachte der Schweinegrippe-Virus dafür alle Voraussetzungen mit. Am Ende hatten die Menschen Glück. Er erwies sich als zu wenig aggressiv. Dass die nächste Welle kommt, steht für den Mediziner außer Frage. „Es gibt weltweit immer mehr Erreger. Wenigstens gegen die Bekannten sollten wir uns schützen“, sagt Neveling.

Das gilt insbesondere für alte Menschen, Schwangere und chronisch Kranke. Vor allem für sie stellt die Influenza „eine ernsthafte, mitunter auch lebensbedrohliche Erkrankung“ dar, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dr. Frank Neveling kennt die Folgen: „Nach Weihnachten steigt die Sterblichkeitsrate rapide an.“

Symptome Häufige Anzeichen einer Grippe sind dem Robert-Koch-Institut zufolge Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Schnupfen, Schüttelfrost, Mattigkeit und hohes Fieber.

Schutz Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit November 2017 die Nutzung eines Vierfachimpfstoffs. Er enthält zwei Linien des Influenza-B-Virus und zwei Subtypen des Influenza-A-Virus.