An Festival-Gelände in Remscheid Dosenwurf in der Innenstadt wird erneut verhandelt

Remscheid · Ist eine Bierdose ein gefährliches Werkzeug? Eine Antwort auf diese Frage gab es im Prozess gegen einen Remscheider, der wegen des tätlichen Angriffs und wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte nun schon zum zweiten Mal auf der Anklagebank saß.

Eine Statue der Justitia.

Eine Statue der Justitia.

Foto: dpa/Peter Steffen

Das Amtsgericht hatte den Familienvater zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft war gegen das Urteil in Berufung gegangen, man wollte die Sache mit der Bierdose geklärt haben.

Dass der Angeklagte sie geworfen hatte, war unbestritten. Aber in welche Richtung? Ist sie an einem Mülleimer abgeprallt, wie der Remscheider selbst sagt. War sie voll? Ist sie auf dem Boden zerplatzt? Hat sich das Bier in einem Schwall ergossen, vor die Füße von herbeigeeilten Polizeibeamten? So hatte es ein Polizist aufgeschrieben, der nun als Zeuge nicht vernommen werden konnte. Ein Kollege sagte derweil im Zeugenstand das: Die Dose war offen, ein paar Spritzer kamen noch heraus und zerknautscht sei sie auch gewesen. Das hatte auch der Angeklagte selbst über den Zustand des „Wurfobjektes“ gesagt, die Dose sei dazu auch noch leer gewesen.

Kann eine leere Bierdose zusammengedrückt werden, wenn man sie auf den Boden wirft? „Das glaube ich eher nicht!“, war dazu vom Berufungsrichter zu hören, der gleich auch noch klarstellte: „Eine leere Bierdose ist kein gefährliches Werkzeug.“ Bei Alltagsgegenständen sei es schwierig zu beurteilen, ob man sie mit sich führen würde, um jemanden damit anzugreifen. Das, so pflichtete die Staatsanwältin bei, gelte dann ja wohl auch für ihren Schal: Auch damit könne man jemanden erdrosseln. Und dennoch: Man müsse sich den Sachverhalt gründlich anschauen.

Nachdem die juristischen Fragen geklärt waren, hörte man dann auch, was zu dem Dosenwurf geführt hatte: Der Angeklagte hatte im Juni 2022 versucht, auf das Gelände eines Open Air-Festivals auf dem Theodor-Heuss-Platz zu kommen. Er habe seine 14-jährige Tochter nach Hause holen wollen. Der Sicherheitsdienst hatte den Zutritt zum Gelände verboten – der 38-Jährige wurde wütend, brüllte herum und warf erst eine Bierflasche an die Wand. Die Polizei wurde gerufen, am Ende standen dem Mann zehn Einsatzkräfte gegenüber – und er warf die Dose.

Zur Wache wollte er sich auch nicht bringen lassen. Ob Alkohol im Spiel war? Der Angeklagte sagt nein – zwei Dosen Bier, nicht mehr. Auf der Wache wurden später knapp 0,4 Promille festgestellt. Wegen der vermutlich leeren Dose, mit der er geworfen hatte, lenkte die Staatsanwältin ein: Sie nahm die Berufung zurück.

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