Remscheid: Die Wünsche der Jugendlichen passen nicht zur Ausbildung

Ausbildungsmarkt im Bergischen : Die Wünsche der Jugendlichen passen nicht zur Ausbildung

Zum ersten Mal fand ein „Tag der Ausbildungschancen“ der IHK in einer Gesamtschule in Remscheid statt. Eltern haben großen Einfluss auf Berufswahl.

Miriam Schöpp ist die Mitarbeiterin bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer, die den passenden Betrieb für den Bewerber sucht und umgekehrt. Am Montagnachmittag saß sie im ersten Stock der Albert-Einstein-Gesamtschule, um die Ausbildungswünsche der Bewerber entgegenzunehmen. Ein ordentlicher Packen an Unterlagen stapelte sich auf ihrem Tisch. Ob es nach dem ersten Kontakt zu einem unterschriebenen Ausbildungsvertrag kommt oder nicht, ist längst nicht entschieden.

Das größte Problem: Die Vorstellungen der Bewerber passen mit der Realität auf dem Ausbildungsmarkt nicht zusammen. Schöpps Aufgabe ist es, den Blick etwas zu weiten und andere Berufswege interessant zu machen. „Alle wollen Industriekaufmann werden“, sagt die Beraterin. Diese Stellen sind schnell besetzt. Aber der Ausbildungsplatz zum Fachlagerist ist schon seit sechs Monaten vakant. Viele junge Menschen hätten die Vorstellung, sie müssten den ganzen Tag Gabelstapler fahren. Weit gefehlt, sagt Schöpp.

Der 16-jährige Ucan Vittorio hat bei zwei Betrieben eine Bewerbung abgegeben. Sein Lehrer hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass in seiner Schule der „Tag der Ausbildungschancen“ stattfindet. Er hat einen Realabschluss in der Tasche und strebt eine duale Ausbildung im Elektronik-Bereich an. „Oder ich mache noch das Fachabitur“, sagt Vittorio. Die Generation von Ucan Vittorio kann sich nicht entscheiden, wie ihr beruflicher Weg einmal aussehen soll. So sieht es Carmen Bartl-Zorn, zuständig für den Bereich Ausbildung bei der IHK. Für die meisten ist das Ausmaß des Berufsspektrums nicht bekannt. In ihren Köpfen herrscht meist die Vorstellung, wer jetzt eine Entscheidung getroffen habe, der müsse danach ein Leben lang den gleichen Beruf ausüben.

Wie korrigiert man diese Schieflage an Information? Zum ersten Mal findet der „Tag der Ausbildungschancen“ in einer Remscheider Gesamtschule statt. Mit dabei ist auch ein Ausbildungsbotschafter. Das ist ein Azubi, der seiner Altersgruppe beschreibt, wie der Tag und die Chance eines Azubis aussehen. „Es hat keinen Zweck, eine Klasse zu besuchen und dort einen Vortrag zu halten“, sagt Bartl-Zorn. Jugendliche kann man nur auf Augenhöhe ansprechen. Einen wesentlichen Anteil an der Berufswahl haben die Eltern. Diese versuchen die IHK und die Arbeitsagentur auf allen Kanälen zu erreichen. „Es ist wichtig, dass die Eltern wissen, was sich geändert hat,“ sagt Bart-Zorn. Viele denken, es sei genauso schwierig wie zu ihrer Zeit. Doch das Gegenteil ist wahr. Noch nie war es so leicht, mit etwas Mut eine Stelle zu finden.

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