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Remscheid: Die Rechtspopulisten als verdeckte Sieger

Ansichtssache in Remscheid : Die Rechtspopulisten als verdeckte Sieger

Wer geglaubt hat, eine Dämonenkehrmaschine würde dafür sorgen, dass der rechte Sumpf von alleine austrocknet, der ist hoffentlich aufgewacht.

Die Rechtspopulisten in Remscheid zählen zu den verdeckten Wahlsiegern. Pro Remscheid hat mit fünf Prozent ein besseres Ergebnis als 2014 erzielt. Und es ist wohl nur der strukturellen Schwäche der Mitglieder der AfD zu verdanken, dass diese Partei keine Vertreter in den neuen Rat senden darf.

In den sechs Wahlbezirken, in denen sie einen Kandidaten aufgestellt haben, lagen sie in der Mehrzahl vor den Vertretern von Pro Remscheid. In Honsberg, Rath, Zentralpunkt, Rosenhügel und Hackenberg holten sie fast doppelt so viele Stimmen wie ihre geistigen Zwillinge vom rechten Rand. Wäre die AfD in der Lage gewesen, in jedem Wahlkreis anzutreten, wäre sie bei diesem Trend vermutlich auf knapp zehn Prozent gekommen. Ihre erreichten 0,97 Prozent und ihr knappes Scheitern am Einzug in den Rat verschleiern die Tatsache, dass die Gruppe der Wähler, die rechtspopulistischen Positionen anhängen, weiter gewachsen ist. Man kann das eine Schande nennen. Aber wem hilft Empörung?

In diesem Wahlergebnis spiegelt sich Wut und das Gefühl, von den etablierten Parteien nicht repräsentiert zu werden. Knapp 44 Prozent Wahlbeteiligung ist zudem ein deutliches Zeichen: Über die Hälfte der Bürger interessiert sich nicht dafür, wie das Gemeinwohl in der Stadt organisiert wird. Wer regiert, scheint ihnen egal zu sein.

Diese Gleichgültigkeit bekommt noch eine weitere Facette, die sich in der Kandidatur des Pro Remscheid-Kandidaten Peter Keck zeigt. Unter den vier aussichtslosen Oberbürgermeister-Kandidaten erhielt er die meisten Stimmen. An seiner politischen Kompetenz kann es nicht liegen. Keck interessiert sich nicht für die Mühen des Alltags in der Kommunalpolitik. Er war noch nicht einmal Mitglied von Pro Remscheid. Man hätte auch den Räuber Hotzenplotz aufstellen können.

Das Establishment hat Pro Remscheid systematisch ausgegrenzt. Zum Beispiel bei Podiumsdiskussionen. Warum haben die Wirtschaftsjunioren Keck nicht eingeladen? Hier schwingt eine unangenehme Überheblichkeit und Besserwisserei mit, die zur Spaltung führt und nicht zu einer notwendigen Auseinandersetzung.

Wer geglaubt hat, eine Dämonenkehrmaschine würde dafür sorgen, dass der rechte Sumpf von alleine austrocknet, der ist nun hoffentlich endgültig aufgewacht.