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Remscheid: Die Kita-Not bleibt

Kinderbetreuung in Remscheid : Die Kita-Not bleibt

Der „eingeschränkte Regelbetrieb“ der Remscheider Kindertagesstätten sorgt bei berufstätigen Eltern für Probleme. Einige haben schlicht keine andere Möglichkeit, das Kind betreuen zu lassen.

Die schlechte Nachricht, sie kam vergangenen Donnerstag per WhatsApp. In einem kurzen Schreiben erfuhr Giulia Cataudella, dass sie ihren Sohn diese Woche Montag und Dienstag nicht in den Kindergarten bringen darf. Für die medizinische Fachangestellte, die wie ihr Mann im Sana-Klinikum arbeitet, ein Schock: „Wir müssen doch arbeiten gehen und haben keine andere Möglichkeit, das Kind betreuen zu lassen.“

Eigentlich sollten die Kitas an diesem Montag einen großen Schritt zurück in die Normalität machen, doch manchen fehlt dafür das Personal. In der Einrichtung, die Giulia Cataudellas Sohn besucht, können vier von zwölf Erziehern derzeit nicht arbeiten, weil sie zur Risikogruppe gehören. Die Folge: Die Kita schränkt den „eingeschränkten Regelbetrieb“ noch weiter ein, die Kinder dürfen nur an bestimmten Tagen kommen. In dieser Woche dank des Feiertags an gerade mal zwei Tagen. Das macht 14 Stunden Betreuung.

Und Eltern wie das Ehepaar Cataudella, die als Systemrelevante bis letzte Woche noch bis zu 45 Stunden Betreuung pro Woche in Anspruch nehmen konnten, stehen vor einem großen Problem: „Auf der einen Seite heißt es doch immer, dass wir als Schlüsselpersonen arbeiten gehen sollen“, sagt Giulia Cataudella. Auf der anderen Seite schaffe man nun die dafür notwendige Notbetreuung ab. „Ich habe schon überlegt, ob ich nicht einfach so dreist sein soll, meinen Sohn trotzdem zu bringen.“ Zumal die Nachricht so kurzfristig kam, dass sie keine andere Lösung habe finden können.

Doch selbst ohne zusätzliche Erschwernisse wie bei den Cataudellas bringt die neue Kita-Regelung für viele Eltern mit systemrelevanten Berufen erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Wie bei Familie Dreiner. Zwei der drei Kinder besuchen eine Kita im Südbezirk. Eigentlich 35 Stunden pro Woche. „Das habe ich bewusst so gewählt, passend zu meinen Arbeitszeiten“, sagt Kathleen Dreiner. Im „eingeschränkten Regelbetrieb“ allerdings werden die Betreuungszeiten aller Kinder pauschal um jeweils zehn Stunden gekürzt – und 25 Stunden pro Woche sind für die Dreiners einfach zu wenig.

„Ich verstehe nicht, welchen Sinn es macht, das für alle pauschal zu kürzen“, sagt Kathleen Dreiner. Vermutlich gebe es auch Eltern, die selbst die reduzierten Betreuungszeiten derzeit nicht komplett benötigen, während andere dringend ein paar Stunden mehr brauchen könnten. Doch für solche Vorschläge fühle sich wohl niemand zuständig, sagt Kathleen Dreiner: „Ich habe auch dem Jugendamt geschrieben, aber keine Antwort erhalten.“

Andere Remscheider Eltern berichten von ähnlichen Problemen: So seien zum Beispiel Vorschläge, die reduzierte Stundenzahl passend zur Arbeitszeit der Eltern statt auf fünf auf drei oder vier Tage zu verteilen, abgelehnt worden. Stattdessen habe das Jugendamt auf mögliche Härtefall-Regelungen verwiesen – und auch auf einen staatlichen Lohnersatz, wenn man wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten kann.

Sozialdezernent Thomas Neuhaus kann den Ärger der Eltern verstehen, verweist aber auf die Regelungen des Landes, die der Stadt und anderen Trägern wenig Möglichkeiten ließen. „Und die verbleibende Flexibilität löst sich auf, weil wir nicht genug Personal haben.“ Die derzeitige Lösung sei ein Kompromiss zwischen Elternverbänden und Landesregierung, sagt Neuhaus: „Jeder leistet seinen Beitrag, das ist fair.“

Für „absolute Härtefälle“ versuche man eigene Lösungen zu finden, verspricht der Sozialdezernent, der aber auch daran erinnert, unter welch erschwerten Bedingungen das Kita-Personal seit vielen Wochen arbeitet: „Wir sollten unsere Helden der Corona-Krise jetzt nicht noch mehr überlasten.“