1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Die etwas andere Abiturfeier

Schule in Remscheid : Die etwas andere Abiturfeier

Janine Scholtyssek hat ihre Abiturprüfungen hinter sich. Dennoch kann sich die Schülerin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) nicht zurücklehnen. Denn Janine ist Teil eines mehrköpfigen Organisationsteams, das sich Gedanken um eine würdige Entlassfeier macht.

Und da wurde es gegen Ende ihrer achtjährigen Gymnasialzeit noch einmal richtig hektisch: „Bis vor kurzem ein neuer Erlass vom Schulministerium kam, war wegen des Corona-Risikos nicht einmal klar, ob unsere Eltern bei der Übergabe der Abschlusszeugnisse dabei sein dürfen.“

Das habe bedingt, „dass wir bis vor einer Woche nicht wussten, mit wie vielen Menschen wir die Feier planen dürfen“. Nun stehe zwar fest, dass die Anwesenheit der Eltern erlaubt ist: „Doch es gibt weiter viele offene Detailfragen.“ Immerhin haben die jungen Abiturientinnen – stellvertretend für ihren Jahrgang – die wichtigste Frage vermutlich geklärt: „Die Zeugnisverleihung kann voraussichtlich in der Konzertmuschel im Stadtpark stattfinden“, verraten die jungen Damen, die sich bereits am vergangenen Donnerstag vor der Muschel mit Sachbearbeiterin Anja Hamm vom zuständigen Fachdezernat der Stadt trafen, „um die Option auszuloten“.

Sollte nun wie erhofft das grüne Licht des Ordnungsamtes folgen, könnte das Team rund um Janine gemeinsam mit der Technik AG der Schule und den beiden Jahrgangsstufenleitern Susanne Guha und Florian Finkler loslegen. Viel Zeit ist nicht mehr: „Die Feier soll schon am 20. Juni über die Bühne gehen.“ Bis dahin hoffe man „auf gute Wetterprognosen“ und darauf, „wenigstens Dosen-Prosecco oder Piccolo-Sekt an die Anwesenden verteilen zu dürfen“. Denn ein Ausschenken von Getränken und das Anbieten von Speisen sei nicht gestattet. Lauter Restriktionen, die nicht nur die Abiturienten bedrücken, sondern auch Jahrgangsstufenleiterin Guha. Die Latein- und Französischlehrerin unterrichtet seit 2006 an der EMA und durfte viele Jahre miterleben, „wie alle Abiturienten aus Remscheid am Ende ihrer Gymnasialzeit im Teo Otto Theater stimmungsvoll und feierlich ihre Urkunden erhielten“. Nur einmal, als es wegen der Umstellung auf G8 einen Doppel-Jahrgang gab, habe man an die Uni Wuppertal ausweichen müssen, „weil das örtliche Theaterhaus zu klein gewesen wäre“.

Und nun das: „Ein ganzer Jahrgang, der völlig umsonst monatelang eine feucht-fröhliche Zeugnisübergabe und einen krönenden Abiball in der Alten Schlossfabrik vorbereitet hat.“ Das sei wirklich bitter. Denn um die Abikasse zu füllen, „haben ja nicht nur Eltern Anzahlungen geleistet“. Viel entscheidender sei, was die Schüler alles selbst getan haben: „Da wurde etwa ein Waffelverkauf organisiert und auch auf vielerlei andere Weise während des bunten Abends der Q2 im Februar Geld für die Abikasse gesammelt.“ Es wundere sie daher nicht, wenn Schülerin Janine zufolge die Stimmung unter den Abiturienten sehr bedrückt ist: „Man spürt deutlich, dass viele Mitschüler mit der Schule innerlich schon abgeschlossen haben“, verrät die 18-Jährige. Die Resignation habe sich auch daran gezeigt, „dass eine Mehrheit des Jahrgangs sich dagegen ausgesprochen hat, den Abiball im nächsten Jahr nachzuholen“. Das sei dann nicht mehr das Gleiche, habe es geheißen.

Immerhin können die EMA-Schüler froh sein, wenn sie hoffentlich nunmehr zumindest die Frage der Zeugnisübergabe gut gelöst haben. Damit wären sie schon weiter als die Abiturienten des Leibniz-Gymnasiums. Dort teilt Schulleiter Thomas Giebisch mit, „dass wir uns nach wie vor verschiedene Optionen offenhalten, darunter auch eine Feier auf dem Jahnplatz in Lüttringhausen“. Klarer ist die Situation am Röntgen-Gymnasium: „Bei uns bleibt es dabei, dass wir die Verleihung gestaffelt in der Aula vornehmen werden“, teilt Stefanie Pirags aus der erweiterten RöGy-Schulleitung mit.

Klarheit herrscht mittlerweile auch am Gertrud-Bäumer-Gymnasium: Man werde am 19. Juni in der Remscheider Sporthalle West die Entlassungsfeier durchführen, informiert Schulleiter Stephan Döring: „Wir können die Halle so bestuhlen, dass alle Schülerinnen und Schüler sitzen können, wir haben auf der Tribüne Platz für das Kollegium und sogar eine Bühne für die Präsentation.“ Der Wermutstropfen: „Leider werden die Eltern nicht an der Feier teilnehmen können, aber die Schüler haben noch einmal das Gemeinschaftserlebnis in der Schulgemeinde.“ Da die Feier um 18 Uhr beginne, „können die stolzen Eltern hinterher auch noch mit ihren Kindern im privaten Rahmen weiterfeiern“. Und weiter: „Wir denken, dass wir so eine würdige Veranstaltung anbieten können, die für die Schülerinnen und Schüler feierlich sein wird und zu Recht der Höhepunkt ihrer Schullaufbahn sein kann.“