Remscheid: „Die Eltern brauchen jetzt die Plätze“

Kita-Situation in Remscheid : „Die Eltern brauchen jetzt die Plätze“

Rund 600 Kinder werden zum Start des Kindergartenjahres im Sommer keinen Betreuungsplatz erhalten. Die Stadt sucht nach Lösungen, um die Not zumindest etwas zu lindern. Noch haben keine Eltern gegen die Stadt geklagt.

Am Mittwochabend nahm Jeanette Schmidt (34) erstmalig an einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses teil. Und die Mutter von zwei Kindern im Kindergarten-Alter sorgte sofort für eine lebhafte Diskussion. Wie die Stadt jenen Eltern helfen könne, die für das im Sommer 2019 startende Kindergartenjahr keinen Platz für ihr Kind bekommen hätten, wollte die Vorsitzende des neu gegründeten Jugendamtselternbeirates wissen.

Damit drehte sich der Wind im Ratssaal. Hatten die Politiker zuvor noch wohlwollend dem Bericht von Kita-Planer Werner Grimm gelauscht, der über den Stand bei der Realisierung der sechs neuen Kita-Projekte berichtete, ging es nun um die Frage, was die Stadt unternimmt, um den aktuellen Mangel zu bekämpfen. „Die Eltern brauchen jetzt die Plätze“, sagte SPD-Sprecherin Erden Ankay-Nachtwein. Die Lehrerin sieht mit Sorge, dass durch den Mangel Kinder eingeschult werden, ohne zuvor zumindest für ein Jahr eine Kita besucht zu haben.

Sozialdezernent Thomas Neuhaus berichtete, dass die Stadt die Einrichtung sogenannter Not-Kitas prüft. Sie sind dort möglich, wo das Landesjugendamt den Bau einer Einrichtung schon bewilligt hat, deren Fertigstellung aber noch dauert. Dann kann übergangsweise in anderen Räumen in der Nähe mit der Kinderbetreuung begonnen werden. Aktuell passiert das in der Christusgemeinde an der Burger Straße, wo ein Bauwagen, in dem eine zusätzliche Gruppe geplant ist, noch nicht geliefert wurde.

Peter Nowack vom Jugendamt sieht Not-Kitas aber nicht als Königsweg. Auch hier müssten viele Anforderungen für eine Genehmigung erfüllt werden, um am Ende dann nur ein befristet nutzbares Provisorium zu haben. Daher sei es Linie der Stadt, die Energie lieber in die Schaffung neuer Kitas zu stecken.

Man versuche alles, um zu helfen. Etwa indem man Eltern, die ihr Kind oft nur für eine Kita angemeldet haben, auf freie Plätze in anderen Einrichtungen hinweist. Um mehr Angebot zu haben, fährt die Stadt zudem bereits im fünften Jahr in Folge ihre Einrichtungen mit einer Überbelegungsquote. Das bringt immerhin 125 Plätze zusätzlich. Das alles reicht aber nicht aus. Rund 600 Kindern kann für das neue Kindergartenjahr kein Platz angeboten werden. Klagen gegen die Stadt gibt es aber noch nicht.

Ingrid Rosiejka, Sprechern der AG Kita und Leiterin der Kita Villa Kunterbunt am Hasten, regte einen flexibleren Umgang mit den vorhandenen Kapazitäten an. Plätze für Kinder im Alter von unter drei Jahren könnten an ältere Kinder vergeben werden, die so noch zumindest ein Jahr Kindergartenzeit vor der Schule erleben können. Das müsste allerdings mit dem Land abgestimmt, könne nicht vor Ort entschieden werden.

Egbert Willecke, neuer Leiter des Jugendamtes, sicherte zu, dass die Stadt weiter kreativ nach Lösungen für die Probleme suchen werde. Er sei dabei auch offen für Ideen aus der Politik. Er räumte aber ein: „Ich werde nicht zaubern können. Hier passiert schon viel.“