Remscheid: Die Arche vom Hohenhagen

Kirchen in Remscheid : Die Arche vom Hohenhagen

Die Johanneskirche wird heute nur noch für besondere Gelegenheiten genutzt. Die Evangelische Kirche wurde bereits 1952 erbaut.

Die Johanneskirche an der Hohenhagener Straße mag von außen betrachtet eher unscheinbar wirken. Im Inneren ist das Gebäude, das in Remscheid als erste Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg vom Architekten Hans Berger erbaut wurde, aber ein architektonisches Kleinod. Zumindest was die Form des Kirchenschiffs angeht. Das findet auch Axel Mersmann, der seit 1996 Pfarrer in der Evangelischen Auferstehungsgemeinde ist.

Seinen ersten Gottesdienst im Vikariat habe er 1991 auch in der Johanneskirche gefeiert, erinnert er sich schmunzelnd. „Heute gehören hierzu ja die Versöhnungskirche an der Burger Straße, die Johanneskirche und das Gemeinde- und Stadtteilzentrum Esche. Aber damals war das noch eine eigenständige Gemeinde“, sagt der 55-Jährige. Er habe Bilder vom Rohbau gesehen, auf denen dieser auf den Betrachter tatsächlich wie ein umgedrehter Schiffsrumpf gewirkt habe. „Man fühlt sich wirklich sehr geborgen und aufgehoben in diesem Archenbau“, sagt Mersmann.

Auf dem Hohenhagen habe es schon vor dem Bau der Johanneskirche eine Gemeinde gegeben, erzählt der Pfarrer weiter. „Das Gelände gehörte einer Familie Landau, in deren Haus wurden damals Gottesdienste gefeiert. Da haben sich die Menschen teils wirklich gestapelt, manchmal sollen sogar Leute in Ohnmacht gefallen sein“, sagt der 55-Jährige. Daraufhin habe man sich entschieden, eine neue Kirche zu bauen.

Das dazugehörige Gemeindehaus sei bis 1976 auf der anderen Seite der Hauptstraße gewesen. „Pfarrer Mainka hat damals entschieden, dass an der Kirche ein Gemeindehaus angebaut werden sollte“, sagt Mersmann. Seinerzeit ist auch die große Orgel auf der Empore eingebaut worden. Die Orgel habe einen sogenannten hydropneumatischen Antrieb, was nicht sehr häufig vorkomme. „Leider funktioniert sie aber nicht mehr. Man erzählt sich, dass sie bei der Anlieferung zu lange im Regen gestanden hat, was zu Spätschäden geführt haben soll“, sagt Mersmann. Heute sorgt eine elektronische Orgel für den guten Klang – wenn noch Gottesdienste in der Johanneskirche gefeiert werden.

Denn sie wird nur noch sporadisch für Gottesdienste genutzt. Nach der Zusammenlegung der drei Gemeinden zur Auferstehungs-Kirchengemeinde habe man die Kräfte auf die Versöhnungskirche und die Esche konzentriert. „Daher werden hier in der Johanneskirche nur noch die Schulgottesdienste der Sophie-Scholl-Gesamtschule gefeiert – und besondere Gottesdienste, etwa Trauerfeiern oder Hochzeiten. Dafür ist die Johanneskirche tatsächlich ziemlich beliebt“, sagt Mersmann.

Dabei ist die Kirche von innen durchaus als schlicht zu bezeichnen, wenn man einmal von der besonderen Form des Kirchenschiffs absieht. „Die Fenster sind sehr einfach gehalten. Zwar sind sie bunt, aber eben nicht besonders aufwendig gestaltet. Schlichte Fenster für schlichte Zeiten“, sagt Mersmann. Auch ansonsten finden sich keine Kunstwerke oder besonderen Verzierungen im Bau wieder. „Ich fühle mich aber tatsächlich immer sehr wohl, wenn ich hier bin. Es ist irgendwie ein heimeliger Bau“, sagt der Pfarrer.

Als die Kirche gebaut wurde, ist auch die Frage nach dem Geläut aufgekommen. „Es gab nach dem Krieg einen sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg. Dort wurden Glocken aus Ost- und Westpreußen gesammelt. Die Glocken für die Johanneskirche stammen von dort“, sagt Mersmann. Heute allerdings hängen diese Glocken in der Versöhnungskirche. „Allerdings hatte man damals nicht bedacht, dass durch die Entfernung des Geläuts im Turm jede Menge zusätzlicher Platz für Tauben geschaffen wurde“, sagt Mersmann. Diese würden im Turm nun nicht nur mehr Platz haben, es würden schlicht auch mehr Tauben dort sein. „Und diese hinterlassen auch mehr Schmutz“, sagt der 55-Jährige.

Die Johanneskirche zu verkaufen – eben weil sie nicht mehr regelmäßig genutzt wird – sei in der Kirchengemeinde indes nie ein Thema gewesen. „Das hängt mit dem Bebauungsplan zusammen. Da ist nämlich neben den Industriegebieten in der Nachbarschaft auf dem Kirchengrundstück eine rein kirchliche und soziale Nutzung vorgeschrieben“, sagt Mersmann. Daher sei es schlicht nie sinnvoll gewesen, das Gelände zu verkaufen.

Im Gemeindehaus an der Johanneskirche ist zudem seit etwa gut zehn Jahren die Familienbildungsstätte „Die Wiege“ untergebracht. „Die gibt’s bereits seit über 30 Jahren. Gegründet wurde ‚Die Wiege‘ von Eltern, angeboten wird ein breitgefächertes Programm für Eltern, Familien und Kinder“, sagt Mersmann über den Untermieter. Die Familienbildungsstätte war früher in der Freiheitstraße untergebracht und hat vor etwa zehn Jahren neue Räumlichkeiten gesucht.

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