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Remscheid: Deutsch lernen mit viel Spiel und Spaß

Sprach-Intensivtraining in Remscheid : Deutsch lernen mit viel Spiel und Spaß

In diesem Jahr sind es hauptsächlich ukrainische Schüler, die an dem jährlich stattfindenden Sprach-Intensivtraining „Fit in Deutsch“ teilnehmen. Die vielen integrierten Spiele und Ausflüge erleichtern ihnen das Erlernen der Sprache.

Ganz aufgeregt schnippst der kleine Junge mit dem roten T-Shirt mit den Fingern, seinen Arm reckt er steil in die Höhe. „Biiieeettteeeeee! Bieeetteeeeeeee!“, ruft er immer wieder ins Klassenzimmer. Er möchte unbedingt der Nächste beim Ballwurfspiel sein. Doch Sprachlernbegleiterin Stephanie Lukowski hält einen Finger senkrecht vor den Mund – ein internationales Zeichen, das auch das Kind versteht: „Nur, wer ruhig aufzeigt, hat eine Chance“, erklärt sie ihm und spricht dabei besonders deutlich. Und jetzt ist sowieso erst mal Andrej an der Reihe. Der kantige orange Softball bleibt auf einer Seite liegen, die eine Ballerina zeigt. Andrej muss das jetzt vormachen, die anderen Kinder lachen und gibbeln.

Es ist der zweite Tag des Ferienintensiv-Trainings „Fit in Deutsch“, dass bereits seit mehreren Jahren für zugewanderte Schüler angeboten wird. Neben der Gruppe der Erst- bis Viertklässler gibt es noch einen Kurs für die Mittel- und einen für die Oberstufenschüler. „In der Grundschulgruppe waren 35 Kinder angemeldet, es sind jedoch nur 17 erschienen“, erklärt Christoph Sykulski vom kommunalen Integrationszentrum. „Das ist insofern ein wenig ärgerlich, als wir im Vorfeld anderen absagen mussten, die jetzt doch hätten teilnehmen können.“

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Die Kleinen sind an diesem frühen Nachmittag ein wenig erschöpft. Die Sonne scheint in den Pavillon des Emma-Herwegh-Gymnasiums (Emma), teilweise liegt der Kopf der Schüler auf dem Tisch, andere wippen mit den Beinen, kippeln mit den Stühlen. Das Ballspiel ist an diesem Punkt eine gute Möglichkeit, den Kindern Bewegung zu ermöglichen, sie zu begeistern. Ein Energie-Push.

Bei Dascha zeigt der Würfel einen Frosch, nun springt sie genauso herum, und Veronika soll eine Schnecke imitieren und umherschleichen. „Heute geht es um Bewegungsvokabeln, fünf Stück, die die Kinder lernen sollen“, erklärt Sprachlernbegleiterin Kristin Koch, normalerweise Lehrerin an einem Solinger Gymnasium und bereits seit Jahren vertraut mit dem „Fit in Deutsch“-Trainingsprogramm. „Grundschüler sind da allerdings für mich Neuland“, erzählt sie lachend, „und die besondere Herausforderung liegt darin, dass diese Kinder teilweise generell noch gar nicht schreiben oder lesen können. Andere dagegen sind bereits richtig fit. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach.“

Zehn Tage dauert das Deutsch-Training, das täglich von 8.30 Uhr bis 15 Uhr stattfindet und Frühstück sowie Mittagessen beinhaltet. Statt eintönigem Klassenunterricht wird auf Ausflüge und das Erleben von Alltagssituationen gesetzt. „Gerade bei den Älteren gehört eine Stadtrallye, ein selbstständiger Einkauf auf dem Wochenmarkt oder der Besuch in der Stadtbücherei immer zum Programm. Die Schüler werden vorher durch Dialogübungen bestens vorbereitet und gehen dann zum Beispiel selbstständig Äpfel kaufen“, beschreibt Christoph Sykulski den Trainingsablauf.

Eis essen, ein Zoobesuch in Wuppertal, ein Ausflug in die Solinger Fauna – all das werden die neu zugewanderten Kinder, die in diesem Jahr großenteils aus der Ukraine kommen, in den kommenden Tagen noch erleben, damit auch sie nicht das Gefühl haben, auf Ferien verzichten zu müssen. Der kleine Ohan jedenfalls scheint ganz begeistert von dem Lerntraining. Als die Zahlen von eins bis 20 aufgezählt werden, ist er mit großer Euphorie dabei. „Prima“, lobt Kristin Koch den Jungen und erntet dafür ein ziemlich stolzes Strahlen.