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Remscheid: Der Wald entspannt sich langsam

Regen in Remscheid : Der Wald entspannt sich langsam

Für den Start in den Frühling und den Sommer befindet sich der Remscheider Wald in einer besseren Verfassung als vor einem Jahr. Der viele Regen in den Wintermonaten hat ihm gutgetan. Allerdings auch dem Borkenkäfer.

Das Bild auf dem Dürremonitor Deutschland erfreut Forstamtsleiter Markus Wolff. Die Waldgebiete rund um Remscheid weisen keine hellgelben Flecken mehr auf. Blaue Zonen lassen sich als Zeichen der Erholung lesen. „Die Bäume leiden nicht mehr unter Wasserstress“, sagt Markus Wolff. Er führt diese erfreuliche Entwicklung auf den im Winter anhaltenden Regen zurück. Die Lage für Buchen, Birken, Eichen, Ahorn, Fichte und andere Gehölze habe sich entspannt. Vorerst zumindest.

Nach dem Winter 2018 / 2019 startete der Remscheider Wald auf Reserve in den Sommer. Der Boden hatte kaum Wasser aufgenommen. Entsprechend hart trafen ihn die Hitzemonate. Die Freunde des Waldes hofften daher auf leichten, dauerhaften Landregen. Ihn kann der Waldboden am besten aufnehmen. Im Gegensatz zu Starkregen, der von der Erde nicht schnell genug aufgesogen werden kann. Ein Wetter wie am Montag zählt zu den Idealtagen für den Wald.

Gleichwohl geht der Wald geschwächt in die Frühlings- und Sommerzeit. Der Borkenkäfer hat den Winter überlebt. Nach Schätzungen von Wolff sind es 80 Prozent. Borkenkäferarten nisten sich in kränkelnden und absterbenden Bäumen ein. Das sind ideale Brutstätten. Die Fichte dient dem Borkenkäfer als bevorzugter Ort zur Unterkunft. Der Remscheider Wald besteht zu 25 Prozent aus Fichten. „Wir haben die Hälfte des Fichtenbestandes verloren“, sagt Wolff. Es werden weitere Fichten sterben.

Wolff reiht sich aber nicht ein in die Reihe der Fichten-Kritiker. Es bestehe kein Grund, den Baum zu verteufeln. Um die Klimabilanz positiv zu gestalten, brauche die Stadt jede Fichte. Sie nehme CO2 auf, produziere Sauerstoff und reinige die Luft. Zudem sei das Fichtenholz ein nachwachsender Rohstoff. „Wir bleiben unserer Linie treu und setzen auf eine Waldwirtschaft, die den Mischwald pflegt“, sagt Wolff.

Dem Einsatz von Pestiziden erteilt der Forstamtsleiter eine klare Absage. Die „naturgemäße Forstwirtschaft“ setze auf kontrollierte Aufforstung mit den unterschiedlichen Bauarten. Das dauere seine Zeit und führe erst mittel- und langfristig zum Erfolg.

Wenn nicht die Rehe Setzlinge und junge Bäume anknabbern und zerstören. Wolffs Haltung zum Abschuss von Rehen ist eindeutig. Rehe sollten verstärkt geschossen werden dürfen und die Schonzeit müsste verkürzt werden. Auch wenn dies für manchen grausam klinge, es gehe darum, den Bestand von Wald und Wild in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen. Diese Balance sei zurzeit nicht gegeben.

400 Bäume hat der jüngste Sturm „Sabine“ entwurzelt und zerstört. Die vermehrten Stürme der vergangenen Jahre hätten aber die Stämme so hin und her geschüttelt, dass das Feinwurzelwerk angegriffen sei. Das Wurzelwerk, das gebraucht wird, um Wasser aus der oberen Bodenfläche zu saugen. Ein heißer Sommer bedeutet für diese Exemplare Stress.

Der Preis für Holz liegt am Boden. Da in absehbarer Zeit auch kein Holz mehr nach China exportiert werden kann, erst recht. Die Spaziergänger müssen sich an den Anblick gewöhnen, dass tote Bäume im Wald liegen bleiben. Es lohne sich wirtschaftlich nicht mehr.

Lohnend für den Wald wären allerdings noch ein paar Wochen leichter Landregen. Die Speicher haben noch reichlich Kapazität.