Kirchen in Remscheid Der Christus mit der Rose

Lüttringhausen · Die Kirche Hl. Kreuz in Lüttringhausen ist zwar klein, hält dafür aber einige interessante Details für Besucher bereit.

 Idyllisch hinter einer Hecke in einem kleinen Park gelegen, steht die Kath. Kirche Hl. Kreuz in Lüttringhausen. Das Gotteshaus ist Mitte der 1920er-Jahre im Neobarock erbaut worden.

Idyllisch hinter einer Hecke in einem kleinen Park gelegen, steht die Kath. Kirche Hl. Kreuz in Lüttringhausen. Das Gotteshaus ist Mitte der 1920er-Jahre im Neobarock erbaut worden.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Ein wenig versteckt liegt sie schon, die Katholische Kirche Hl. Kreuz in Lüttringhausen. Dafür aber sehr schön, umgeben von hohen Alleebäumen und einer grünen Parkanlage. Die Kirchturmspitze erinnert an Barockkirchen, allerdings ist sie erst im Jahr 1925 eingeweiht worden, wie Pfarrer Jürgen Behr, der der Pfarreiengemeinschaft St. Bonaventura und Hl. Kreuz vorsteht, sagt. „Es ist eine Kirche, die im Stil des Neobarock gebaut wurde. Damit fehlt natürlich der ganze Prunk der tatsächlichen Barockkirchen.“ Die Planungen fingen schon wesentlich früher an, im Jahr 1907. Damals wurde der Kirchbauverein gegründet, der allerdings noch einige Jahre brauchte, ehe das Gotteshaus schließlich verwirklicht werden konnte.

Es war die Zeit, in der die Zahl der Gläubigen in den Städten so groß war, dass die bisherigen Räume in den Kirchen nicht mehr ausreichten. „Manchmal würde ich gerne in diesen Zeiten leben“, sagt Pfarrer Behr nachdenklich, fügt jedoch schmunzelnd an: „Allerdings wäre dann beispielsweise die Schlange vor den Beichtstühlen auch entsprechend lang.“

Die Ansicht in der Kirche Hl. Kreuz wird dominiert vom kuppelartigen Altarraum, in dem fünf hohe Fenster biblische Szenen präsentieren. „Die Fenster wirken im Altarraum besonders gut. Man hat hier über die Jahrzehnte mehrfach neu gestrichen, mal war es farbig, jetzt ist es grau. Und weil die Wandstruktur beinahe dreidimensional wirkt, scheinen die Fenster auch besser integriert zu sein. Früher sah es so aus, als würden die Fenster frei im Raum schweben“, sagt Behr. Auf den bunten Glasfenstern sind etwa der Heilige Paulus zu sehen, die Darstellung Jesu im Tempel oder auch das Lamm mit dem Buch mit den sieben Siegeln aus der Offenbarung. „Das Schöne ist ja, dass so bunte Fenster auch bei schlechtem Wetter zu strahlen scheinen“, sagt Pfarrer Behr.

Eine große Besonderheit findet sich zudem über dem Altar: das dazugehörige Kreuz. „Die Darstellung des gekreuzigten Jesus Christus in dieser Form habe ich sonst tatsächlich auch noch nirgendwo gesehen“, sagt der 60-jährige Seelsorger. Normalerweise wird Christus am Kreuz mit beiden Armen ausgestreckt und an den Querbalken genagelt dargestellt. In der Kirche Hl. Kreuz ist es dagegen so, dass Jesus den linken Arm vom Kreuz gelöst hat und statt des Nagels eine Rose in der Hand hält, die er den Gläubigen entgegenstreckt. „Wir Christen haben ja die Fähigkeit, aus jedem Leid etwas Sinnstiftendes zu machen. Das ist eine große Besonderheit des Christentums“, sagt Jürgen Behr nachdenklich.

Das heiße nicht, dass dadurch das Leiden negiert oder geringgeschätzt werden solle. „Wir klammern das Leid im Christentum nicht aus. Das Leid ist nicht schön oder gut. Aber in Christus wird daraus etwas Schönes“, sagt der Seelsorger weiter. Der Künstler aus Osteuropa, der das Kreuz gestaltet hat, habe sich in seinem Werk sehr viel mit dem Thema Leid beschäftigt. Die Rose stehe dabei für das Schöne und Gute, das aus dem Leiden Christi am Kreuz entstehen könne.

Was dem Besucher in Hl. Kreuz in Lüttringhausen ebenfalls auffallen könnte, ist der etwas unstimmig aussehende Tabernakel, der relativ klein auf seinem wuchtigen Sockel steht. Die Geschichte dahinter ist dabei etwas kurios, wie Jürgen Behr erzählt. „Vor rund 20 Jahren wurde hier in der Kirche der Tabernakel gestohlen. Ich habe keine Ahnung, warum man auf die Idee kommen könnte, einen Tabernakel zu stehlen, aber es ist jedenfalls geschehen“, sagt Behr.

Da der Täter nicht ermittelt werden konnte, der Tabernakel, in dem die geweihten Hostien aufbewahrt werden, auch nicht mehr auftauchte, musste ein neuer her. „Da die Heiliggeistkirche in Lüttringhausen zu jener Zeit säkularisiert wurde, wurde kurzerhand der dortige Tabernakel nach Hl. Kreuz gebracht“, sagt Behr. Und erzählt gleich noch von einer weiteren Ankedote rund um den Tabernakelklau: „Der Täter hatte ja ganz offensichtlich keine Reue gezeigt. Entsprechend hat das dann die Kirchengemeinde übernommen, indem sie eine Novene für den Täter gebetet hat und somit stellvertretend die Reue übernommen hat.“

Der Zusammenhalt ist in beiden Gemeinden – Hl. Kreuz und St. Bonaventura in Lennep gehören als Pfarrverband zusammen – groß, sagt Jürgen Behr: „Es gibt hier viele alteingesessene Vereine und Gruppierungen etwa die KAB, die KfD oder auch die Pfarrjugend.“ Letztere habe sich aus beiden Pfarreien eher nach Lüttringhausen verlagert. „Einfach weil im Jugendfreizeitheim die Räumlichkeiten in Lüttringhausen gemütlicher sind. Hier gibt’s neben einem schön gestalteten Thekenbereich auch einen Proberaum und einen Billardtisch“, sagt Jürgen Behr. Ihm selbst gefalle an Hl. Kreuz, dass die Kirche nicht so groß ist. „So ist man näher an der Gemeinde“, sagt der Pfarrer.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort