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Remscheid: Der Allrounder im Freibad

Remscheider Süden : Der Allrounder im Freibad

Rainer Pschibilinski hat einen öffentlich geförderten Arbeitsplatz im Freibad Eschbachtal – und ist „lebenswichtig“ für den Betrieb. Langweilig wird dem 57-Jährigen definitiv nicht. Ein Besuch am Beckenrand.

Arielle treibt systematisch durchs Nichtschwimmerbecken. Ein Knopfdruck – und Rainer Pschibilinski (57) lässt seine Arielle die letzten kleinen Blätter einsammeln. Diesen Kosenamen hat der Freibad-Mitarbeiter der Technik-Meerjungfrau gegeben. Heute soll sich der 57-Jährige um Arielle kümmern: Nachdem der Bodensauger nachts bereits das Schwimmerbecken gereinigt hat, leitet ihn Pschibilinski nun per Hand durchs Nichtschwimmerbecken.

„Manchmal finde ich Frösche im Wasser. Heute Morgen habe ich hinten sogar eine Maus rausgeholt“, erzählt er. Um 10 Uhr muss alles fertig sein, dann kommen die Frühschwimmer. Seit 7 Uhr ist er schon im Eschbachtal. „Wenn das Wetter schön ist, ist das hier ein wunderbarer Arbeitsplatz“, sagt der Remscheider. „Man ist immer an der frischen Luft und wird knackebraun.“ Vor allem aber schätzt der 57-Jährige das Betriebsklima im Freibad – es sei ein respektvolles Miteinander.

Rainer Pschibilinski ist Teil des Freibad-Teams – aber nicht bei der Stadt angestellt. Seine Beschäftigung läuft über den sogenannten Paragrafen 16i des SGB II bei der Arbeit Remscheid gGbmH. Auf Grundlage des Teilhabechancengesetzes ermöglicht 16i seit Januar 2019, mittels Lohnkostenzuschüssen neue Beschäftigungsperspektiven für langzeitarbeitslose Menschen in Nordrhein-Westfalen zu schaffen.

Fünf Jahre lang kann der Arbeitsplatz eines ehemaligen Langzeitarbeitslosen gefördert werden. In den ersten zwei Jahren werden die Lohnkosten zu 100 Prozent bezuschusst, im dritten zu 90, im vierten zu 80 und im fünften zu 70 Prozent. Die Förderung soll Arbeitgebern den Anreiz geben, Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

32 solcher „16i“-Angestellten hat die Arbeit Remscheid – vom Freibad über das Kaufhaus bis zum Möbellager und der Kräwi. Geschäftsführer Ralf Barsties hat sehr gute Erfahrungen mit den Mitarbeitern gesammelt. „Sie sind extrem zuverlässig. Die Abbrecherquote liegt unter zehn Prozent. Auch der Krankenstand ist extrem niedrig.“ Was aber genauso wichtig sei: „Neun von zehn Personen sind extrem froh, dass sie Arbeit haben. Sie haben einen Sinn, eine Struktur und einen Status. Denn am Ende des Monats haben sie so viel Geld, dass sie keine Leistungen mehr vom Jobcenter beziehen müssen.“ Viele derjenigen Arbeit-Remscheid-Mitarbeiter, die einst geförderte Arbeitsplätze hatten, hätten heute ungeförderte, sagt Barsties. Wichtig sei: Es gibt Aufstiegschancen – das sei vor allem für die 1-Euro-Jobber ein wichtiger Motivationsschub.

Auch Rainer Pschibilinski hofft darauf. Bis Ende 2021 läuft sein Vertrag. Dann wollen beide Seiten weitersehen. Der 57-Jährige, der einst Revolverdreher beim Alexanderwerk gelernt hat, war lange arbeitslos, bevor er über Zeitarbeitsfirmen im Einsatz war. Nun arbeitet er bereits seit etwa fünf Jahren im Freibad. Angefangen hatte er dort als 1-Euro-Jobber. Heute ist er Vorarbeiter für diese.

„Hier gibt es immer was zu tun“, sagt Pschibilinski. Schnee schippen und Geräte warten im Winter, Rasen mähen, Unkraut abflämmen oder Müll einsammeln im Sommer. Angetan ist er vom großen Maschinenpark. Das kommt dem Hobby-Bastler sehr gelegen: In seiner Freizeit schraubt er gern an seinem Roller und an seiner Aprilia.

Genau diese Allrounder könne das Freibad sehr gut gebrauchen, sagt Sportamtsleiter Martin Sternkopf. „Diese Mitarbeiter sind lebenswichtig für das Freibad.“ Sozialdezernent Thomas Neuhaus geht noch einen Schritt weiter: „Ohne sie ginge es nicht. Man kann davon ausgehen, dass unser Freibad nur deshalb so einen hohen Pflegestandard hat, weil immer wieder Menschen aus den öffentlich geförderten Bereichen geholfen haben.“